Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1897)
- Date
- 1897-04-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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6Ö5 Nassau, eine au« Württemberg, eine au» Westfalen, eine aus der Rheinprovinz, sechs aus dem Großherzogihum Hessen, drei aus Baden, zwei aus Bayern, eine aus Weftpreußen, eine aus Rußland. Die Einnahmen betrugen (1895) 16,925 M., (1896) 16,751 M., die Ausgaben (1895) 17,436 M., (1896) 17,843 M. Altona, im April. Die Zahl der Mitglieder und der rege Besuch der Versammlungen einerseits, sowie die Auswahl der Stoffe und der Inhalt der dargebotenen Vorträge andererseits, lassen auf die Existenzberechtigung und das Wirken eines Vereins schließen. Von diesen Gesichtspunkten aus kann der hiesige „Israelitisch-Wissenschaftliche Verein" mit Genugthung aus seine Thätigkeit im ersten Halbjahr seines Bestehens zurückblicken. Vor einer stets zahlreichen Zuhörerschaar wurden im Laufe des Winters folgende Vorträge gehalten: „Rabbi Jochanan ben Sakkai" von Dr. Cohn, Jchenhausen; „Poesien des Immanuel aus Rom" von Dr. Leevenstein, Leuwarden; „Der höchste Gerichtshof in Jerusalem, Sanhedrin, und seine Institutionen", von Dr. Nathan, Hamburg; „Die Juden in den letzten Jahrhunderten vor ihrer Vertreibung von der pyrenäischen Halbinsel", von Dr. Heinemann, Hamburg; „Die soziale Frage im alten Judenthum", von Dr. Munk, Marburg; „Sir Moses Montefiore", von Dr. H. Hildesheimer, Berlin; „Israels Religion und Geschichte im Urtheile der antiken Welt", von Dr. Stern, Kiel; „Proselyten im Judenthum", von Dr. Königsberger, Pasewalk. Herr Oberrabbiner Dr. Lerner hielt allwöchentlich einen Vortrag halachischen oder religiösethischen Inhalts und ebenso einen mo: w aus xrxo X33 n3Dö. Deßgleichen hielt Herr Klausrabbiner Dukes einen kh» aus p*nn:c «ob. Die geselligen Zusammenkünfte ver jüngeren Mitglieder des Vereins begannen auch gewöhnlich mit einem kürzeren Vortrag eine» der Mitglieder über ein Thema aus dem weiten Gebiete jüdisch-religiösen Interesses. Nm auch den Freunden weltlicher Genüsse gerecht zu werden, wurden auch zwei Festlichkeiten veranstaltet, wo es natürlich bei der Mahlzeit nicht an geistreichen, anregenden Tischreden mangelte. Mögen die Vorsteher und Förderer des Vereins im herrlichsten Aufblühen und Gedeihen ihrer Pflanzung den schönsten Lohn finden. Aus Bayern. Auf die Nachricht hin von der Zusammenschließung aller jüdischen Studenten» Verbindungen zu einem großen Kartell möge hier die Ansicht eines berühmten deutschen Universitätsprofeffor» folgen, die in nichtjüdischen und jüdischen Kreisen gleiche Beachtung verdient: Theob. Ziegler sagt in seinem Werk: „Der deutsche Student am Ende des 19. Jahrh." am Schluffe des Kapitel» über Verbindungswesen: „Und im Zusammenhänge damit will ich aussprechen, daß ich Studentenverbindungen geselliger Natur, die die Zugehörigkeit zu einer Konfession oder Religion zur Bedingung machen und Andersgläubige Christen oder Juden — ausschließen, meinerseits nicht verstehe und prinzipiell für verwerflich halte. Das Wort des großen König»: In meinem Staat kar.n jeder nach seiner Fa^on selig werden, muß doch auch für den „Bierstaat," für die Welt der Studenten gelten. In den 60er Jahren haben auf süddeutschen Universitäten einzelne Korporationen keine Norddeutschen ausgenommen, wie ferne liegt uns heute eine solche politische Intoleranz; aber sollte eine religiöse weniger unvernünftig und ungebildet sein?" Deßhalb glaube ich, daß die jüdische Studentenschaft nicht noch nöthig hat, die Kluft, die zwischen ihr und der christlichen bereits besteht, noch zu vergrößern. Will der jüdische Student „actio" werden, so stehen ihm die Reformburschenschaft und die freien wissenschaftlichen und wissenschaftlich geselligen Vereinigungen offen, die mit derselben Freudigkeit einen Christen und einen Juden aufnehmen. „Was nun die unbedingte Satisfaktion betrifft, so möchte ich hier die Worte anführen, die mir einst ein mir befreundeter Angehöriger eines Corps sagte: „Wir achten die jüdischen Verbindungen und verkehren mit deren Mitgliedern recht gerne, so lange sie einen rein wissenschaftlichen und geselligen Charakter tragen, beginnen sie aber durch Bestimmungsmensuren, Anschaffen von eignen Waffen rc. re. unsere Gebräuche nachzuäffen, dann müssen wir mit ihnen brechend Diese Worte entsprechen völlig der Wahrheit, denn ich kann mich erinnern, daß bei einer wissenschaftlich jüv. Vereinigung an einer südd. Universität öfters Angehörige des S. C. den wissenschaftlichen Vorträgen beiwohnten. Liberia». U. Alsheim (Kreis Worms), 1. April. Heutewurde dahier das 50jährige Dienstjubiläum des Lehrers Hark Marx gefeiert. Nachdem M. vor 50 Jahren da» Seminar zu Bensheim verlassen hatte, übernahm er die hiesige Lehrer- und Kantorstelle. Es gehört zu den Seltenheiten, daß ein Lehrer während 50 Jahren auf einer Stelle verbleibt. Deßhalb ist es auch natürlich, daß Gemeinde und Freunde des Jubilars es als ihre ernste Pflicht betrachteten, diesen Tag würdig zu begehen, nachdem sie auch das 25jährige Jubiläum und den 70. Geburtstag des Jubilars nicht ohne Feier vorübergehen ließen. Anfangs der 70er Jahre wurde die isr. Lehrerstelle zu einer öffentlichen staatlichen erhoben und so war es selbstverständlich, daß an diesem Ehrentage auch der Gr. Kreisrath und Gr. Kreisschulinspektor von Worms erschienen, um Herrn Marx zu begrüßen und ihm va» Verdienst-