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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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517 ung der Eide schädlich sei. Die Nationalliberalen verstehen den Geist der neueren Zeit nicht, und diese neue Zeit wird über sie zur Tagesordnung übergehen. (Zustimmung rechts und bei den Antisemiten.) Wir wollen den Juden den Eid, den sie sich erkämpft haben, lassen und nur für die Christen einen konfessionellen Eid erreichen. Ich verzehre nicht jeden Tag ein paar Juden, dazu habe ich einen viel zu guten Geschmack. (Heiterkeit.) Zuruf: Wenn Sie Hunger haben!) Ich habe auch zuweilen Hunger und befriedige denselben ohne mit meinem Geschmack in Konflikt zu kommen. Das that Fürst Bismark auch und ebenso thut es Herr Richter. (Heiterkeit.) Früher sprach man immer davon, daß ein Antisemit ins Narr nhaus g hört: aber von Herrn Lenzmann sind doch einige antisemitische Aeußerungen bekannt geworden. Er hat einmal gesagt zu jemand: Wissen Sie, das habe ich Eugen immer gesagt, den Antisemitismus hätten wir eigentlich machen müssen! (Stürmische wiederholte Heiterkeit.) Wir sind also doch etwas früher aufgestanden (Heiterkeit.) Nehmen Sie unseren Antrag an in dem Sinne, in dem er gestellt ist: Sie werden sich dadurch ein Verdienst ums Vaterland erwerben. Persönlich bemerkt Abg. Lcnzmann: Der Abgeordnete Liebcrmann hat mir den Vorwurf gemacht, als ob ich ein verkappter Antisemit wäre (Heiterkeit) und dem Ausdruck gegeben hätte in einer Unterredung mit Eugen Richter. Er hat dasselbe schon vor sü»s, sechs Jahren vorgebracht. Wenn er das heute wiederholt hat, kann ich nur sagen: Ich habe eine derartige Aeußerung Herrn Eugen Richter gegenüber niemals gemacht. (Abg. Licbermann v. Sonnenberg: Das habe ich auch gar nicht behauptet. Sie haben diese Aeußerung einem Anderen gegenüber gemacht.) Wenn Sie Ihre Informationen von Privatleuten cinholcn, deren Zuverlässigkeit schon da durch charakterisirt wird, daß sie Privatgespräche Ihnen, meinem persönlichen Gegner zur Benutzung überlassen, so muß ich das für eine ganz unzuverlässige Quelle erklären. (Lachen rechts.) Mein Ehristenthüm verbietet mir die größte christliche Sünde, die Ungerechtigkeit und die Lieblosigkeit. Mein Christenthum verbietet mir, gegen Juden unchristlich zu sein. Abg. Liebcrmann v. Sonnend erg: Herr Lenzmann hat mich mißverstanden. Ich habe gesagt, er habe einem Kollegen in Bielefeld seiner Zeit gesagt: Das habe ich Eugen immer gesagt, den Antisemitismus hätten wir machen müssen! Qb Herr Lenzmann das wirklich gesagt hat. bin ich außer Stande zu beurtheilcn. Daß er aber das zu einem seiner Kollegen dort vor Jahren gesagt hat, das steht für mich über jeden Zweifel erhaben da. Herr Lenzmann irrt auch weiter, wenn er sich aus den spezifisch christlichen Standpunkt uns gegenüber stellen will. Es ist ein weiteres Mißverständniß von ihm, wenn er me>nt, daß ich und meine Partei nicht christlich dächten. (Große Heiterkeit.) Weisen Sie mir eine einzige Handlung nach, wo ich einem Juden gegenüber vergessen habe, daß er mein Mitmensch und mein Nächster ist! Abg. Richter (Fr. Pp.): Ich stelle fest, daß weder der Abg. Lenzmann, noch irgend einer aus meiner Partei eine solche Aeußerung, wie sic Herr Liebcrmann anführt, mir gegenüber gcthan hat. Diese Reden scheinen mir passender zu sein für eine gewisse Klasse von alten Damen, als für Abgeordnete. «Große Heiterkeit.) Abg. L ieber mann v. Sonnenberg: Dem Herrn Abg. Richter muß ich crwiedern, daß für alte Tarnen genügend gesorgt ist durch die Lektüre der „Freisinnigen Zeitung." (Große Heiterkeit.) Der Antrag wird darauf gegen die Stimnren der Sozialdemokraten, der beiden Volksparteien, der Freisinnigen Bereinigung, der Nationalliberalea und des Abg. Radbyl (Centr.) angenommen. Zeitung-nachrichte« und Corresponde«zeir. Deutschland. Mainz, 28. Adar II. Ein Mann, dessen Verlust noch lange empfunden werden wird, ist heute vom Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen worden. Herr D. E. Lev inger, einer der edelsten und besten Menschen, wurde in Wiesbaden , woselbst er stch zur Kur aufhielt, nach kurzem Leiden vom Tode dahingerafft. Ein echter Jehudi, begnügte er sich nicht, mit der persönlichen Ausübung unserer heiligen Gebote, er suchte auch Andere, soweit dies in seiner Kraft stand, hierin zu unterstützen. Die irdischen Güter, die ihm Gott verliehen, verwandte er in diesem Sinne und mancher bedürftige Talmid Chochom dürfte den Heimgang des theuren Entschlafenen in seinem Dackkämmerchcn tief beklagen. Ein Mann von hoher Bildung, feinen Umgangsformen und gewinnender Liebenswürdigkeit war der Dahingeschiedene nicht nur in den gesetzestreuen, sondern in allen Kreisen unserer Stadt, jüdischen wie nichtjüdischen, überaus beliebt. Es war kein Werk der Wohlthätigkeit, an dem er sich nicht hervorragend betheiligte, stets fand man bei ihm eine offene Hand, und jene Engherzigkeit, die das in hartem Schweiße selbsterworbene Gut so oft als bitteren Nachgeschmack seinen Besitzern zurückläßt, war ihm vollkommen fremd. Die Armen des heiligen Landes verlieren in ihm ein freigebigen Spender, die jüdischen Lehrer- und Rabbinerseminare einen Freund und Förderer. Eines der eifrigsten und treuesten Mitglieder unserer Religion»- gesellschastbeschäftigteersichtäglicheinigeStundenmitdöm Studium der Lehre und es erfüllte ihn mit tiefer Trauer, daß ein heimtückisches Leiden es ihm in den letzten Jahren unmöglich machte, den Gottesdienst regelmäßig zu besuchen. Möge Gott seine Gattin und Kinder trösten und sein edles Beispiel ihnen und allen, die ihn kannten, vorbildlich werden lasten. rraatan. ER. Berlin, 1. April. Einer der hervorragendsten Anwälte Berlins, Justizrath Hermann Mak ower, ist im Atter von 68 Jahren gestorben. Er gehörte viele Jahre dem Repräsentanten-Collegium der jüdischen Gemeinde an. Den Feinden des Judenthums ist er stets offen und energisch cntgegengetreten. Makower hinterläßt einen Sohn, der ein Werk über englisches Kirchenrecht verfaßt hat und eine Tochter, die mit dem Landgerichtsrath Löwe vermählt ist. Makower wird in der Ehrenreihe auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee neben seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin beerdigt. Stratzvurg. Am p'v '«nv, IO. Adar II, ist Frau Wittwe I. Weil! im Alter von 92 Jahren in ein besseres Leben abberufen worden. Mit ihrem Hintritt ist eine echt fromme, würdige und tugend

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