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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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512 ich wäre ein Feind der Politik der Verfolgung und Intoleranz, welche nach meinem Dafürhalten dem Geiste des Evangeliums und der Lehre der Kirche zuwider sind. Ich bin umsomehr dieser Strömung abhold, als ich die feste Ucberzeugung habe, daß bei irgend welchen ihrer Erfolge keine Konfession mehr Schaden erlitte als die unsrige, und daß die katbolische Religion ihr erstes Opfer untre. Lassen wir demnach die Vergangenheit ruhen, fachen wir die Leidenschaften nicht an, die wir ja nur gegen uns selbst entzünden. Bleiben wir auf der Höhe der Zeit, wenn wir in Frieden mit ihr leben und besonders, wenn wir Einfluß auf sie haben wollen. Achten wir die Rechte Anderer, damit man die unseren achtet. Der einzige Schutz der Kirche ist die allgemeine Freiheit. Das, mein Herr, sind die Prinzipien, die ich durch eine autoritative Stimme der Jugend mitgetheilt wünsche, es sind dieselben, die ich selbst, so oft sich mir Gelegenheit dazu bietet, seit einem Vierteljahrhundert ihr laut verkünde, und die ich, so lange ich Einfluß auf sie habe, stets widerhole." England. London. Der Halb-Jabrcs ^richt der Schechita- Commission lautet wieoer sehr befriedigen). Es wurden an Ochsen geschlachtet 17,910 gegen 16,698 im Vorjahr, an Kälbern 7078 gegen 2889 und an Schafen 25,280 gegen 21,462. Aus dem gesteigerten Fteff'chgenuß läßt sich darauf schließen, daß der Wohlstand der Londoner jüdischen Bevölkerung, die bekanntlich an Seelenzahl sehr wenig zunimmt, ein stetig uns erfreulich wachsender ist. Die Schächlcommlssiou erzielte den namhaften Ueberschuß von 12000 M., welche den wohlthätigen Zwecken der Londoner Gemeinde zu Gute kommt. -Vermischtes Drohobitsch tGatizicn). Rach dem Rechenschaftsbericht des Colet Galizien (Präsident Herr Jsak Vöb So rer ’"j> wurden im Jahre 1896 für die Armen des hl Landes 6> >224 fl. gesammelt, von denen -"4 (»94 fl. ihrer Bestimmung zngeführl wurden. Wereinsnachrichten. Homburg v. d. H., 29. März. Der Israelitische Holz-Verein (gegründet 1818) und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen (gegründet 1886) veröffentlicht seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1896. Der Holzverein vermochte nicht nur die Hilfesuchenden am hiesigen Platze bis in den Sommer hinein mit dem nöthigen Feuerungsmaterial zu versehen, sondern er sorgte auch für die oft sehr bedauernswerthen Armen des platten Landes in der Umgegend. Neuerdings dehnt er diese Wohlthat sogar auf die durch die neue Bahnverbindung uns näher gerückten Ortschaften des Taunus aus. — Es wurden hier in Homburg an zehn Familien und drei alleinstehende Personen 40 Centner Nußkohlen und 49o Centner melirte Kohlen zur Vertheilung gebracht, sodann 87 Centner Nußkohlen, l 6 Raummeter Buchenholz und 8 Centner Kiefernholz an die Armen auf dem Laude. Der Mädchenansstattungs-Verein hat im verflossenen Jahre eine glänzende Probe seiner Leistungsfähigkeit abgelegt. Er konnte einem darum ansuchenden Mädchen behufs Ermöglichung seiner Verheirathung mit einem braven, kaufmännisch gebildeten jungen Manne eine Mitgift von 3500 Mk. auszahlen. Außerdem zahlte dieser Verein für ein begabtes junges Mädchen, das sich zue Lehrerin ausbildet, die sehr mäßige Pension, monatlich 30 Mark, in einer» Frankfurter Mädchenheim; die Aufnahme in daffelbe hatte er bereits 1895 erwirkt. Dabei ist er im Stande gewesen, den eisernen Kapitalstock um 9l7,82 Mark gegen das Vorjahr zu vermehren und den angreifbaren Fonds auf eine Höhe zu bringen, die es geflattert wird, in Verbindung mit den hoffentlich nicht geringeren Erträgnissen des laufenden Jahres gleich großen Allforderungen wie im Vorjahre entsprechen zu können. Der Holzverein konnte seinen eisernen Fonds um 246,78 Mark erhöhen, und dessen angreifbarer Fonds wird im Jahre 1897, da derselbe 90 pCt. aller Einnahmen des Vorjahres beträgt, allen Gesuchen, die von hier und der Umgegend an ihn gerichtet werden, bestens rvillfahrerr können. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. i!) Von Maurice Ma?orr Rabbiner Veilchenduft saß an seinem Studiertische und blätterte in den vor ihm ausgeschlagenen Folianten, während August, die Hände müßig in einander gefaltet, aus dem mit rothem Sammet überzogenen Sofa saß und der hurtig im Zimmer hantierenden Pua zusah. Da wurde die Thüre aufgerissen und eine ältliche Kammerfrau trat, von einem Diener in reicher Livree begleitet in's Zimmer. Ans dem runzlichen Gesichte der alten Frau schauten zwei thränenumflorte Augert und ihre Hände waren wie bittend aus ihrer Umhüllung hervorgestreckt. „Man berichtete mir, Gospodin," sagte sie zum Rabbi gewendet, „daß hier der Arzt Doctor Frankenheim zu treffen sei. Willst Du mir nicht sagen, wo er sich befindet?" August erhob sich gähnend und trat näher. „Ich bin Doctor Frankenheim. Womit kann ich dienen?" Die Kammerfrau sah ihn erstaunt an. „Du der Doctor Frankenheim?!" Sie schüttelte ungläubig den Kopf.

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