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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'■■WLT 511 blichenen sichtbaren Ausdruck zu verleihen, haben die israelitischen Cultusgemeinden Sachsen-Weimars zur Beisetzung einen Kranz gewidmet, den Herr Landrabbiner Dr. Salzer am Sarge nieaerlegte. Der Landrabbiner hat auch, wie vor zwei Jahren bei der Beisetzung des Erbgroßherzogs Karl August, am Trauerzuge, uno auf höheren Wunsch, im Ornate theilgenommen. Bei der Kunde von dem Hinscheiden der edlen Fürstin hatte Herr Dr. Salzer an den Großherzog ein Beileidsschreiben gerichtet und darauf folgende Depesche erhalten: Für den wohlthuenden Ausdruck Ihrer treuen Theilnahme läßt Seine Königliche Hoheit der Großherzog Ihnen von Herzen danken. Freiherr v. Eglofs stein. Der vom Großherzog befohlene Trauergoltesdienst ist vonr Eultusminister für die Synagogen des Landes auf Sabbat den 3. April festgesetzt worden. O e st err.-Ungar. Monarchie. (M.) Trieft, 26. März. Diese Woche hat hier die Wahl eims Bürgermeisters und eines Vicebürgermeisters stattaefunden und wurde letztere Stelle dem Avvokaten Dr. Moses Luzzatto übertragen. Während man in Wien, das doch als Hauptstadt des Reiches auch der Sitz der Intelligenz sein sollte, die Juden von allen städtischen Ehrenämtern ausschließt, wählt die Hafenstadt Triest einen Juden zum Vieebürgermeister. Uebrigens hat sich unsere Stadt stets durch ihre Toleranz in Glaubenssachen ausgezeichnet und als im vorigen Jahrhundert die Republik Venedig alle Juden aus ihrem Gebiete verbannte, da fanden sie hier eine freundliche Aufnahme. Diese eingewanderten Juden haben aber auch nicht wenig zum Aufblühen unserer Stadt beigetragen, und wenn Triest heute das erste Emporium der Adria ist, so verdankt es dies nicht zum geringsten Theile dem Handels- und Unternehmungsgeiste der Juden. Frankreich. Paris. Wider den Antisemitismus hat Gabriel Alix, ein angesehener Professor der Rechte und der politischen Wissenschaften an der freien Universität und Advokat am Appellhofe zu Paris, das Wort ergriffen. In einem an die »In1,i'o parole“ gerichteten Schreiben führt er ans, warnni die Kommission für die Vorträge am katholischen Institut auch eininal den Antisemitismus behandelt sehen wollte und warum er hierfür den bekannten Rational-Oekonomen Anatole Leroy-Beaulieu vorgeschlagen habe. Er erklärte. daß die Kommission nicht in der Lage sei, zwischen einein Antisemiten und einem Anhänger der Toleranz Stellung zu nehmen. Der Lehrstuhl für die Vorlesungen am katholischen Institute sei eine öffentliche Trübine für alle Meinungen. Auch ein Antisemit dürfe aus diesem Lehrstuhl sich hören laffen, falls er die nöthige Garantie böte, keinen Apell an die Leidettschafteit zu richten, und auf dem Boden ernster und streng wiffenschaftlicher Erörterung bleibe. Dann fährt er fort: „Ich will Ihnen, mein Herr, den Gedanken der Kommission bekannt geben, aber ich würde Ihnen nur die halbe Wahrheit sagen — was übrigens nicht meine Art ist —, wollte ich Ihnen auch zugleich meine Meinung ausdrücken. Indem ich der Kommission einen Mann wie Leroy-Beaulieu vorfchlug, leitete mich ein Gefühl der Hochachtung für diesen überzengungstreuen, muthigen, talentvollen Gelehrten, itnd indem ich die Frage des Antisemitismus zum Gegenstände eines Vortrages wählte, wollte ich — ich bekenne es offen — eine Verirrung bekämpfen, welche sich in einigen Staaten begreifen, wenn auch nicht rechtfertigen läßt, welche aber sicher in Frankreich nicht einen Schatten Existenzberechtigung hat. Ich füge hinzu: unter welchem Gesichtspunkte man auch immer den Antisemitismus auffaßt, er bleibt iinmer eine Verirrung, welche die schlimmsten Folgen nach sich zöge, wenn sie sich weiter ausbreitete und von der katholischen Jugend ernst genommen würde. In der Thal bezweckt der Antisemitismus entweder die Verfolgung Derjenigen, welche im Besitz der großen Reichthümer sind, und in diesem Falle hieße es, gemeinsame Sache mit den Kollektivsten im Kampf gegen Kapital und Eigenthum machen, wie dies in Deutschland geschieht, und mit ihnen vereint, zu ihrer großen Genugthuung, die soziale Revolution vorbereiten. Oder der Antisemitismus verfolgt die Juden, nur weil sic Juden sind, und predigt so nichts weniger als einen Religionskrieg. Lassen wir den Gesichtspunkt der Gerechtigkeit bei Seite, trotzdem dieser Gesichtspunkt maßgebend fein sollte, betrachten wir uns das katholische Interesse: Glauben Sic, daß die Katholiken irgend einen Bortheil dabei hätten, sich der Idee der religiösen Verfolgung anzuschließen? Sie haben selbst sehr viel von der Unduldsamkeit der Männer, welche seit 1878 am Ruder sind, ztt leiden gehabt, und lueitu auch die schlimmste Zeit der religiösen Bekämpfung vorüber ist, so fühlen wir den Einfluß des Geistes der Intoleranz noch immer in Unterrichtsgesetzen, in dem Militärgesetz und in einigen Finanzgesetzen. Das Bestreben der Katholiken muß zunächst darauf gerichtet fein, diese Gesetze vorerst zu ändern und später ganz aufzuheben. Würden wir, frage ich, in diesen Bestrebungen irgend welche Aussicht haben, wenn wir jeden Tag in unseren Zeitschriften und Konferenzen die Ausplünderung und Vertreibung dcr^Juden verlangen, und so, ohne daß wir wirklich wollen, daß man die Juden lebendig verbrennt, die Zeiten der Inquisition und der Autodafes verherrlichen. Zu welcher Zeit ich auch immer gelebt hätte,

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