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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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513 „Und was veranlaßt Sie an meinem Worte zu zweifeln?" fragte August lächelnd. „Ja, ich bin Doctor Frankenheim." „Sag' ihm, Väterchen," wandte sie sich an den Rabbi, indem sie August einen vernichtenden Blick zuwarf, „daß es nicht schön ist, sich über alte Leute lustig zu machen! Er Doctor Frankenheim? Ha! ha.' Kaschka ist auch nicht aus den Kopf gefallen! Wenn man zwanzig Jahre im Hause der Gräfin Leontjew dient, weiß man ganz genau, wie ein Arzt anssehen muß und läßt sich nicht so leicht foppen! Ich habe zwar — unter uns gesagt — wenig Vertrauen zu den Giftmischern und habe, als ich vor einem Jahre leidend war, mich von einem Zauberer curieren lassen. Dieser beschwor beit bösen Geist, und die Genesung trat sofort ein. Aber ich habe Acrzte genug im Hause des Grafen Leontjew gesehen, um zu wissen, daß ein Arzt einen langen weißen Bart, wie Du, eine großmächtige Brille, wie Du haben muß. Nicht wahr, Du bist Doctor Frankenheim? Habe ich nicht Recht, Stephanoff?" Ein widerliches Grinsen flog über das blödsinnige Gesicht des Dieners, der schweigend an der Thür stand. Er machte eine tiefe Verbeugung und versetzte. „Matuschka*) haben immer Recht." Der Rabbiner Veilchenduft war zusammengefahren, als er den Namen Leontjew vernahm, aber er bezwang sich und erwiderte, lächelnd.- „Es thut mir sehr leid, Kaschka, daß sich Deine Weisheit dieses Mal nicht stichhaltig zeigt; denn ich bin thatsächlich nicht Doctor Frankenheim, sondern der da, mein Enkel, ist es. Aber sag', Kaschka, wie kommst Du hierher? Bist Du nicht mehr im Dienste der Gräfin Nelly Leontjew? Oder hat gar Deine Herrschaft K . . verlassen und ist hierher übcrgesiedelt?" Mit Staunett und Verwunderung sah ihn Kaschka an und vergaß in ihrer Bestürzung den Mund, den sie zum Reden geöffnet, wieder zu schließen. „Run, Kaschka?" fragte der Rabbiner ttngeduldig. „Du nicht der Doctor?", stotterte Kaschka, „und der Grünschnabel da — — D, ich bitte tausend Mal um Entschuldigung!" Sie machte eine Verbeugung gegen August, hustete einige Mal, dann wandte sie sich wieder an den Rabbi. „Ich bin gmiz erstatmt zu erfahren, daß nicht Du, sondern der Herr da ohne Bart und Brille der Doctor Frankenheim ist, zu welchem das gnädige Fräulein mich geschickt. Zwar hat das gnädige Fräulein den Doctor sehr gelobt, aber ich habe einfür allemal kein Vertrauen zu Doctoren ohne Bart und Brille. Ich bitte Dich daher, Väterchen, mich zu meiner Herrin zu *1 Mütterchen. j begleiten, denn ich merke, daß Du ein großer Zauberer und Geifterbeschwörer bist. Wie konntest Du sonst wissen, daß Kaschka im Dienste der Gräfin Nelly Leontjew, der Gott blühende Gesundheit schenken möge, steht? — Habe ich nicht Recht, Stephanoff?" Stephanoff machte wiederum eine tiefe ehrerbietige Verbeugung. „Matuschka hat immer Recht." Mit einem Lächeln der Befriedigung fuhr Kaschka fort: „Da ich nun das Gluck habe, Dein eigentliches Wesen zu kennen, so bitte ich Dich, laß uns an das Lager meiner Herrin eilen, die durch einen Unglücksfall plötzlich erkrankt ist. Du wirst den bösen Geist besser zu bannen wissen, als der junge Mann da!" Das Gebühren der alten Frau und des Dieners war von so drastischer Komik, daß der sonst ernste Rabbi in ein lautes Lachen ausbrach, in welches Pua lustig mit einstiminte. Rur August blieb ruhig. Kaschka ist im Aufträge derjenigen gekommen, die seinen Geist Tag und Nacht beschäftigte, und sie soll sich lobend über ihn ausgesprochen haben. War es nicht auffallend, daß der Großvater ihre Familie zu kennen scheint? Hieß nicht sein geraubter Bruder Graf Leontjew? . . . Kaschka glaubte, daß ihr Scharfblick an der allgemeinen Heiterkeit schuld sei und fuhr mit selbstbewußtem Lächeln fort: „Ja, ja, Väterchen! Kaschka galt von jeher für klug und umsichtig, daher wurde sie auch zu der Kanrmerfrau Ihrer Gnaden erhoben. Aber jetzt komm'.' Meine Herrin ist sehr krank und bedarf Deiner Kunst." „Wo ist Deine Herrin? . . . Nelly Leontjew hier!?", rief der Rabbi überrascht. „Wußtest Du das?", fragte Kaschka ungläubig und enttäuscht. „Nein, das wußte ich nicht. Was führte sie hierher? Ist der Graf ebenfalls hier?" „Ich glaube nicht verpflichtet zu fein. Dir hierüber Rechenschaft zu geben!" erwiederte Kaschka — „Jetzt aber komm'! Wir haben keine Zeit zu verlieren." „August," sagte Rabbi, „habe die Güte und begleite Kaschka zu ihrer Herrin!" „Nichts da, Alter!" — schrie Kaschka, „Du mußt ebenfalls mit. Ich habe zu Dir mehr Vertrauen, als zu dem da!" „Ich danke Dir sehr für das gütige Vertrauen," lächelte der Rabbiner, „aber es thut mir sehr leid, dasselbe nicht zu verdienen; denn ich bin weder Arzt noch — wie Du Dir eingeredet hast — Zauberer. Mein Enkel, Dr. Frankenheim wird Dich zu Deiner Herrin begleiten!" „Einerlei," blieb Kaschka hartnäckig „Du mußt

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