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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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T MV *509 Allgemeinen das Richtige, so wird man ihnen angesichts der eigenartigen Erscheinungen, welche die Vorträge in den Literaturvereinen bilden und die wir ja oben geschildert haben, um so lebhafter bcipflichten müssen. Mochten sich doch die sonst glaubeustreuen Elemente auf sich selbst besinnen und eine Richtung verlassen, die sie bereits auf bedenkliche Abwege führt, deren verhängnißvolles Endziel aber gar nicht abzusehen ist. Man kann wohl noch in anderer Art Kenntnis der jüdischen Literatur verbreiten, ihre Bedeutung würdigen und das Interesse an ihr erwecken, ohne solch unpassende Themata vor einer größeren Versammlung zum Gegenstand der Erörterung zu machen. Aber abgesehen davon, daß diese nivderne Wissenschaftlichkeit das religiöse Gefühl eines jeden ernst denkenden, gesetzestreuen Juden auf das tiefste verletzen muß, so sind jene Geistesprodilkte auch noch ganz willkürliche und unbegründete Thesen, für die jede ernste Wissenschaft nur ein Lächeltt übrig hat. Horaz, Göthe tl. s. w. einerseits und die v'-opn -rnr andererseits sind so ganz und gar verschieden, daß es der Vergewaltigung beider bedarf, um sie in Beziehungen zu einander zu fetzen, die vor wahrer Wissenschaft Stand halten könnten. Wir hoffen, mit diesen Zeilen den Gefühlen vieler ernftdenkender, gesetzestrerler Männer Ausdruck verlieben zu haben, und es tväre zu wünschen, daß dieselben ihre Ansichten öffentlich geltend machen, denn gui tuevt. r-onsentire videtur. Erlangen, im Adar Scheut 5657. B. Schück aus Karezag. Zeitungsnachrichten und Torrespondenzerr Deutschland. Berlin, 30. März. In der öffentlichen Sitzung der Stadtverordnetcn-Versammlnng am 18. d. M. brachte der Stadtv. Dr. Preuß zur Sprache, daß an der Turnhalle der 99. Gemeindeschule in der Steinmetzstraße ein Plakat des Deutschen Tnrnerbundes angeschlagen fei, laut welchem der Zutritt von „Gästen (Christen) willkommen sei". Er halte ein derartiges Betonen von Gegensätzen, die sich doch zumeist schon verwischt haben, für höchst verwerflich und bedaure es, daß schon den Kindern etwas Derartiges vor Augen gebracht werde. Hoffentlich genüge der Hinweis, um das Plakat so bald wie möglich verschwinden zu machen. Aber es könne nicht Wunder nehmen, daß von ttnteren Organen Mißgriffe geschehen, da das Aergerniß von oben komme. Redner bespricht nun eingehend die Eingabe des Magistrats, betr. die Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den städtischen Gemeindeschulen, an das Cultusministerium und den darauf erfolgten Bescheid des Provinzialschulcollegiums. Letzteres habe in einem merkwürdigen Tone dem Magistrat geantwortet, daß es dem Cultusministerium nicht angezeigt erscheine, dem Magistrat eine besondere Antwort zu ertheilen. Das Provinzialschulcollegium, dessen Dazwischentreten bisher noch niemals versöhnend, wohl aber häufig trennend gewirkt habe, schlage in diesem Schreiben einen Commandoton an, den die städtischen Behörden in ihrem Verkehr mit dem Minister nicht gewohnt waren und der an den furor teutonicus erinnerte und an daalte Wort: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist." Er frug den Magistrat, in welcher Weise in dieser Angelegenheit weiter verfahren und darnach gestrebt werden sollte, daß künftig die gesetzlichen Bestimmungen über Gleichberechtigung bei der Anstellung von Lehrkräften wenigstens an den städtischen Anstalten verwirklicht werden können. Bürgermeister Kürschner: Bezüglich des Plakates erwiedere er, daß weder dem Magistrat noch der Schuldeputation etwas davon bekannt sei, sonst würde sicher Abhilfe geschaffen worden sein. Er hätte es für wünschenswerther gehalten, daß der Vorredner sofort nach seiner Beobachtung der Vorgesetzten Behörde Mittheilung gemacht hätte. Der Magistrat halte nach wie vor daran fest, zu verhindern, daß weder auf religiösem noch politischem Gebiete die Gegensätze zu scharfe werden und Ausschreitungen sich ereignen, und es werde sofort festgestellt werden, ob das Plakat vorhanden sei. In diesem Falle würden geeignete Schritte zur Beseitigung erfolgen. In Bezug auf die Auslassungen des Vorredners in Betreff des Antwortschreibens seitens des ProvinzialschulcollegiumS bringt der Redner das angezogene Rescript zur Vorlesung. Was den Ton betreffe, so sei es in der That nicht der, welchen der Magistrat gewohnt fei, und der ihm gegenüber sonst im Verkehr mit Behörden angeschlagen werde. Er meine auch, daß dieser Ton den Magistrat nicht herabsetzen könne und nicht den treffe, an den er gerichtet sei, sondern den, von dem er ausgehe. (Bravo.) Der Magistrat verharre auf seinem Standpunkte. Berlin, 1. April. In den letzten Jahren macht sich in immer weiteren Kreisen der jüdischen Gemeinden ein Uebelstand geltend, der es wahrlich verdient, einmal zur Sprache gebracht zu werden. Es ist zwar ein ganz weiser Lebensgrundsatz, da» Gute oa zu nehinen, wo man es findet, allein wie viel Gutes muß nicht verkümmern und im Dunkel dahinsiechen, weil es ihm versagt ist, sich finden zu lassen, weil es durch eigenthümliche Umstände gezwungen ist, im Dunkel zu bleiben! Wie viel bedeutende kantorale Kräfte finden sich nicht beispielsweise auf kleinen Orten, auf dem Lande, in oft winzigen Gemeinden,

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