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Der Israelit · 1897-04-05 · Heft 27 (5.4.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 27 (5.4.1897)
Date
1897-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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derer anschließt, die da sagen, die heiligen Schriften seien nicht tnpn rms geschrieben worden, daß die heiligen Bücher für uns keine autoritative Macht besitzen. Und wer dies sagt, der möge nur ruhig die Consequenzen hiervon ableiten, die sich hieraus nothwendigerweise ohne alle wissenschaftlichen Kunstgriffe ergeben. Man müßte wirklich in unserem Zeitalter selbst an die Rabbinen die Frage richten: cs nnx „Bist Du für uns oder für unsere F.inde." Ich frage nun die betreffenden Herren, was denn Die jüdische Wissenschaft, oder das Judenthum überhaupt gewonnen hat, wenn auch Horaz, Shakespeare, Göthe u. s. f. einen Gedanken aus Hiob oder Salomo entlehnt haben? Sind etwa die cnpn 'sro dadurch werthvoller? Haben sie etwa hierdurch mehr Existenzberechtigung oder sind dieselben vielleicht gar wissenschaftlich glaubwürdiger? Nach meiner und nach der Ansicht aller gesetzestreuen Juden muß dies mit aller Entschiedenheit verneint werden. Wir wissen ja überhaupt ganz genau, daß es keinen Mann giebt, der Anspruch auf Bildung erheben kann, der die heiligen Schriften nicht gelesen hat, und wer sie mit nur einiger Aufmerksamkeit und Interesse las, der hat unbedingt einen intensiven Eindruck von ihnen empfangen. Es ist also nicht nur nicht erlaubt, sondern auch geradezu ganz nutzlos und unberechtigt derartige die Religion nur entwürdigende, das Ansehen derselben nur schädigende Experimente anzustellen. Wenn die Vereine, die in der festen Absicht gegründet worden sind, das Ansehen der Religion nach innen und nach außen hin zu heben und zu kräftigen, keine anderen Themata haben als Parallelen zwischen den c-opn und allen möglichen Dichtungen zu ziehen, dann kann es mich gar nicht wundern, wenn die gesetzestreuen, ihre hohe und erhabene Mission aufrichtig und würdig erfassenden Führer sich von diesen Bestrebungen ganz und gar zurückziehen, dieser Bewegung fernbleiben wollen. Sie bleiben fern, weil sie erkannt haben, daß von der Thätigkeit dieser Vereine nicht allein die segensreichen Wirkungen nicht ausgehen, die Einzelne davon erwartet haben, sondern, daß im Gcgentheil in ihrer gegenwärtigen Verfassung dieselben viel zur Verflachung religiösen Wissens und zur Erschütterung glaubenstreuer Denkungsart beizutragen geeignet sind. Hierfür nur ein Beispiel. Von dem Wunsche geleitet, auch in hiesiger Gemeinde durch Gründung eines Literaturvereins Kenntniß und Leben des Judenthums zu mehren, wandte ich mich zunächst an den uns benachbarten ehrwürdigen Herrn Rabbiner Dr. Deutsch in Fürth mit der Bitte, meine Bestrebungen durch Abhaltung eines Vortrages zu unterstützen. Ich war nicht wenig erstaunt von Sr. Ehrw., der es doch sonst an Eifer für Verbreitung jüdisch religiösen Geisteslebens durchaus nicht fehlen läßt, eine Absage und zwar mit der nachfolgenden bezcichneten Begründung zu erhalten: „Ich hätte Ihnen sagen können, daß ich keine Zeit habe, daß mein Beruf es mir verwehrt, mehr als unbedingt nöthig außer dem Hause zuzubringen und noch manches Achnliche, um eine Ablehnung vollständig und wahrheitsgemäß zu begründen — allein ich stehe nicht an Ihnen noch zu bekennen, daß ich für diesen neusten Sport, der sich jüd. Literatnrverein nennt, nicht die mindeste Sympathie habe. 'Nach der Entäuschung, die diese Bewegung zur Verbreitung religiösen Wissens hcrvorgerufen und nach der Richtung, die in vielen der geschaffenen Vereine widerspruchslos vorherrschend ist, werden Sie mir diese Empfindungen nicht übel nehmen. Die ganze Methode der Kritik und Historik, die dort geübt wird, widerspricht den: jüdischen Geiste. Für Verbreitung von Thorakenntniß mit wahrhaftem ErfüllungSvorsatz hat sich bisher nur die alte Form des Limud von nachhaltiger Kraft gezeigt, niemals aber jene literarische Naschhaftigkeit und Spielerei, wie sie gang tind gäbe sind. Man geht zu den Vorträgen nicht mit dem Eifer und dem Ernste, um zu lernen, sondern wie zum Spiel und Vergnüget!, nimmt etwaige bekannte Mittbeilungen des Vortragenden wie hingeworfene Leckerbissen an und entfernt sich daun mit dem angenehmem Bewußtsein, „gelernt" zu haben, ohne zu wirklicher Denlthätigkeit angehalten worden zu sein. In der nicht weit von hier gelegenen Gemeinde G. wurde dem etwas zu lehrhaften und das Publikum darum zu wenig interessierenden Vortrage des Redners die Würze durch einen unmittelbar darauf folgenden Ball zugesetzt. Ich erwarte den Nachweis, wie Wissen, Bildung des Geistes und Läuterung des Geschmacks — von andern speziell jüdischen Errungenschaften gar nicht zu reden — durch die Wirksamkeit dieser Vereine verbreitet worden sind. Hätte man ehemals durch Schaffung solcher Vereine die Thorah retten wollen — nns-mw vn Diesem gegenüber lobe ich mir die Einrichtungen der Alten, die Veranstaltungen trafen, daß Jedem Gelegenheit geboten sei, täglich eine bestimmte Zeit sich der Beschäftigung mit der Thorah hinzugeben und zwar in der Art, daß ihnen hieraus sowohl geistiger Genuß als auch Erkenntnis; für das ganze Pflichtleben des Juden floß -pn bx c^y r.-r^n rva^n xSx r'rbn." So denkt und schreibt ein Mann, der es wahrlich mit dem Judenthnni ernst nimmt und der bestrebt ist, das Interesse für jüdisches Wissen zu heben und zu mehren. Treffen nun diese Ausführungen im

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