Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1897)
- Date
- 1897-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M •?. XXXYlll, Jahrgmtg. Ein Der Israelit Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehrnsnn in Hain}. Montag, de« 5. April 5657 (1897). Leitender Artikel. Moderne Wissenschaft.*) In Nr. 99 des vorigen Jahrgangs des „Israelit" „gestattet sich ein Herr aus Süddeutschland einige Bemerkungen" an einen in Frankfurt gehaltenen Vortrag über Faust und Salomo zu knüpfen. Es war uns dies wie aus der Seele gesprochen. Wir stimmen mit diesen Bemerkungen vollkommen überein und denken, daß dies bei einein jeden conservativ sein wollenden Juden, der Fall sein wird. Aber es genügt uns keineswegs uns nur einige „Bemerkungen zu gestatten," denn der Gegenstand ist ein viel zu wichtiger, um mit einigen höflichen Worten abgethan zu sein. Es scheint nämlich eine sogenannte moderne Krankheit geworden zu sein, die geistigen Erzeugnisie der durch höhere Einsicht und Erfahrung belehrten göttlichen Männer mit den besiern oder minderwerthigen Produkten des profanen Schriftstellerthums zu vergleichen, zu identificiren, ja sogar selbe als aus ein und derselben Quelle entspringende, also gleichwerthige Werke hinzustellen. Man muß hiergegen den Kampf mit aller Kraft aufnehmen und ihn mit aller Ent sch ie- *) Der Verfasser des vorliegenden, schon seit längerer Zeit sich in unserem Besitze befindlichen Artikels scheint uns in seiner unbedingten Verurtheilung der Literaturvereine und ihrer sog. wissenschaftlichen Vorträge zu weit zu gehen. Unserer Ansicht nach können solche Vorträge sehr viel zur Erhaltung der Emunoh beitragen. Grundbedingung ist jedoch, daß die betreffenden Redner voll und ganz auf dem Boden des wahren Judenthums stehen, ihr Thema vollkommen wissenschaftlich beherrschen und vor Allem Bescheiden dem wissen, was unser Religionsgesetz von uns fordert. Es ist in den Literaturoereinen selbst von streng orthodoxen Leitern schon so viel gesündigt worden, daß selbst eine allzu herbe Kritik nichts schadet. Diejenigen, die es angeht, werden das Richtige heransnebmen und beherzigen. Redaction des Israelit. denheit, der die heilige, innere Ueberzeugung fähig ist, führen. Wohin soll uns denn dieses Spiel führen? Und daß diese bedenkliche Methode, welche mit der Sprache und mit den falschen Begriffen angewendet wird, nichts anderes als ein falsches Spiel ist, getrieben auf Kosten der heiligen Religion, wird hoffentlich im Laufe unserer Auseinandersetzungen genügend bewiesen werden. Wenn wir in unserer Sucht nach Wissenschaftlichkeit absolut keine Grenzen mehr kennen, wenn wir das Heiligste opfern, um endlich einen wissenschaftlichen „Schatten" aufzufinden, was soll dann aus dem gesetzestreuen Judenthum werden? Wenn die conservativ sein wollenden Herren mit den BHpn thun, als wären dieselben schöne Romane oder Selbstbiographien gewisser Herren aus der alten Welt, ja dann sieht es mit unserem Judenthum allerdings recht elend aus. Wir müssen dann mit einer gewissen Wehmuth ausrufen: o’m2 att nar6it> „Wenn die Cedern Libanons vom bösen Feuer eingeäschert wurden", wenn die Stützen der Religion die heiligsten Gefühle der Rechtgläubigen so gewaltig verletzen und ihnen ihren sorgsamst behüteten Schatz, ihre geistige Macht rauben, dann siud wir allerdings tief gesunken. Man kann es ungestraft wagen, die heiligen Schriften, die enipn min durch göttliche Eingebung geschrieben wurden, mit ^>in 'ist zu identifiziren n2 sv'i tP’K px '2 xn 7121 und man muß sehen, wie ruhig die maßgebenden Kreise sich hierzu verhalten. Traurig genug, wenn diejenigen, die die Religion gegen den stark um sich greifenden Jndifferentismus mit der ganzen Kraft ihrer Autorität und mit der ganzen Macht ihrer Beredsamkeit vertheidigen und schützen sollen, gerade die ärgsten und gefährlichsten Feinde des Gesetzes sind, vielleicht zwar ohne zu wissen, welche Folgen diese Experimente haben können. Denn der, der es unternimmt zwischen den ttnipn '2712 und pr ofanen Werken u. s. w. eine Parallele zu ziehen, der beweist hiermit, das, er sich der Meinung