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Der Israelit · 1897-03-29 · Heft 25 (29.3.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 25 (29.3.1897)
Date
1897-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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474 schreibende Spaßmacher es nicht zu Purim verschickte und zwar in richtiger Werthschätzung: umsonst. Der Verfasser, welcher behauptet, 40 Jahre lang „in Amt und Würden" sich aufgehalten zu haben, zeigt sich in seiner „Bitte an mein Volk" als ein lustiger alter Knabe, der durch seine Existenz seiner früheren Gemeinde zu Gemüthe führt, wohin es kommen kann, wenn eine Gemeinde ihren Rabbiner .... schlecht besoldet. Früher nannte er sich auf dem Titel „Bezirksrabbiner", jetzt einfach „Rabbiner", er hat sich also gewissermaßen zu einem König ohne Land degradirt; der Tausch muß aber doch so übel nicht gewesen sein, da er jetzt in der Lage ist, Schriften gratis in die Welt zu senden. Woher er nur das Geld dazu hergenommen haben mag? L. ist keine nachtragende Statur, sonst hätte er den Schreiber dieser Zeilen mit seinen Seufzern über die Hartnäckigkeit Israels nicht beglückt, da dieser ihn vor 5 bis 6 Jahren bei gleicher Gelegenheit nach Gebühr, d. h. sehr schlecht behandelt hat. Liest der Mann keine Recensionen? Das wäre sehr unrecht von ihm, da er aus ihnen so manches lernen könnte, woraus er wiederum eine Schrift zusammenleimen könnte. Jedenfalls eine gescheidere als alle seine bisherigen, und so lange die Missionen keine geschickteren Vorkämpfer zur Bekehrung gegen uns ins Gefecht schicken, als diesen sonderbaren Heiligen, dessen Schreibweise noch im verdrehten Jargon steckt*) und dessen Absicht zu durchsichtig ist, haben sie ihr Geld zum Fenster hinausgeworfen, und wir können ruhig schlafen. Die Brochüre ergänzt einen salomonischen Spruch, welcher nur die Weisheit öffentlich rufen und predigen läßt; hier wird für die Albernheit das gleiche Recht in Anspruch benommen, und wer dagegen was einzuwenden hat, der wird schlankweg ein Krakehler genannt qu. 6. (1. Er will nämlich mit geistig-religiösem Gefühle beurtheilt werden, verschweigt aber, wessen Gefühl gemeint sei, des Verfassers oder des Recensenten, dessen Gefühl ihm wohl schließlich auch eonveniren würde, wenn er dabei seine Rechnung fände. Oder ist etwa das Gefühl des Lesers gemeint? Sollte das Alter des Ab-Schreibers ihn nicht vor der Thorheit schützen, anzunehmen, daß man seine Sachen liest, wenn nicht das Zeitungsschreiber-Gewissen Einen dazu zwingt? Er fragt nämlich das qu. „Gefühl", ob das, was er bereits geschrieben, noch schreibe und wohl noch schreiben wird, mit der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und wohl noch anderen *) Vergl. Seite 19 „unwiedergeborene Seelen". Weiterer Beispiele bedarf es wohl nicht. Red. d. Israelit. Zeiten Israels übereinftimme? Das ist die einzig vernünftige Stelle, denn die Frage ist ehrlich und offen, deshalb muß die Antwort von gleichem Kaliber sein, also: Was der Verfasser geschrieben, jetzt schreibt und wenn im selben Style in Zukunft weiterschreiben wird, ist ein blühender Unsinn, findet auch durch das kindische Alter des Schreibers keine hinreichende Erklärung, und es ist gar nicht überflüssig, daß er selbst mit dem Psalmisten betet: „Wende von mir den falschen Weg", um diesen hinterher mit den unmöglichsten Insinuationen zu verdächtigen. Ueberhaupt wirkt sein Geisern lediglich erheiternd, sein Lob auf Israel nur ist widerwärtig; wenn er sich aber gar den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben will, dann ist die Heulmeierei zum Weinen. Es ist schon viel, daß man nothgedrungcner Weise sich mit ihm beschäftigen muß, um seine durch den Titel „Rabbiner" sich autoritativ anfblähenden Wichtigthuereien nicht etwa unwidersprochen in harmlose Hände gelangen zu lassen. Da hier bereits noch einmal so viel gesagt ist, als der Mann Worte gebraucht hat, um die in allen Tractätchen befindlichen Citate zu garniren, so dürfen diese Zeilen zur Charakterisirung der „Gedanken" des Autors genügen, denn was er glaubt, das kümmert uns nicht im Geringsten. Aus seinem Jndenthum, bezw. seiner Bachur-Zeit hat er, trotz seiner Gegenbehauptungen, nichts weiter behalten als die Fähigkeit, ein herzlich schlechtes Deutsch zu schreiben. Den Namen des Mannes verschweigen wir, weil wir nicht den Beruf in uns fühlen, für ihn Reclame zu machen; ihn zu widerlegen ist keine Ehre und bringt keinen Ruhm. Wir überlassen den ehrenwerthen Autor der ... . Psychiatrie. Wir rufen nur dem lesenden Publikum die Warnung zu: cave canem! Lemberg. Herr Moriz Lazarus hat gelegentlich seines 30jährigen Jubiläums als Director der Galizischen Hypothekenbank dem Stadtpräsidenten 300 fl. für jüdische und ebensoviel für christliche Arme überwiesen. Dem Jubilar wurden aus den toeitesten Kreisen Beweise ehrender Anerkennung zutheil. — Weiters machte Herr Moriz Lazarus aus demselben Anlasse dem hiesigen israelitischen Cultusvorstande die Mittheilung, daß er ein Krankenhaus für 80 Betten auf eigene Kosten erbauen und der Gemeinde widmen werde. Die Kosten des Krankenhauses dürften sich auf 120.000 fl. belaufen. Da das hiesige israelitische Krankenhaus sich in einem desolaten Zustande befindet und die Gemeinde wegen mangelnder Mittel zum Baue eines neuen nicht schreiten konnte, wurde die Spende des Direktors Lazarus mit großem Dank acceptirt.

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