Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1897)
- Date
- 1897-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448730--43632-2492690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
473 Neu aufgenommen wurden 14 Herren, fo daß die Zahl der aktiven Mitglieder sich am 31. Dezember 1896 auf 363 beläuft. — Die Zahl der Ehrenmitglieder hatte in diesem Jahre durch die Bemühungen einiger Herren, denen wir dafür nochmals unseren Dank abstatten, einen Zuwachs erhalten, sie beträgt jetzt 950. An Jahresunterstützungen wurden Mark 14,220 vertheilt. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilung kommenden Summe Mk. 216,023.65 gegen Mk. 212,059.65 im vorigen Jahre. Breslau, 26. März. (Aus der Breslauer Synagogengemeinde.) Während der letzten Ersatzwahlen zur Versammlung der Repräsentanten der Synagogengcmeinde im Dezember 1896 hat sich ein gegen bisher überaus reges Interesse für diese Wahlen, wie für die Thätigkeit dieser repräsentirenden Vertretung kundgegeben, sowohl in stark besuchten Wahlversammlungen, wie in der überaus zahlreichen Wahlbetheiligung. Die Haupttriebfeder zum Erwachen solchen verstärkten Interesses an der Amtsthätigkeit und bent ersprießlichen Wirken der Gemeindevertreter erzeugte der Antisemitismus, der die Fehler Einzelner auf die Gesammtheit überträgt und seine Angriffe immer mehr zuspitzt. Die Denkenden und Gesitteten der Gemeinde erstreben daher eine verschärfte Pflege des sittenreinen Lebenswandels, die dem idealen Geiste der Religion entsprechende Erziehung der Glaubensgenossen, die Pflege des Wissens und aller edlen Tugenden an. Die Ecweckerin, Hegerin und Schützerin solcher Bestrebungen solle das Collegium der Gemeinderepräsentanten sein und daher müßte man mit aller Entschiedenheit darauf bedacht sein, daß diese aus durchaus befähigten und zielbewußten Männern bestehe, daß sie in der Sorge für das Cultus-, Religions- und Unterrichtswefen die rechten Mittel und Maßnahmen wähle, anrege und etwa bestehende Schäden aufdecke und beseitige. Die Gemeindemitglieder selbst können nach ihren, oft nicht zu unterschätzenden Veranlagungen die Gemeinde-Vertretung in diesen fördernden Thätigkeiten unterstützen, falls sie über die Sachlage und die Mitte! und Wege genügend unterrichtet sind. Das Letztere könne am besten erreicht werden, wenn die Sitzungen der Repräfentanten-Verfammlung künftig, soweit die Interessen der Gemeinde nicht das Gegentheil erfordern, öffentlich, jedem Gemeindemitgliede zugängliche sind. Nur so könne das neu erwachte Interesse an den Gemeindeangelegenheiten erhalten und das Vertrauen zur Vertreterschaft verallgemeinert werden. Dieses sind ungefähr die Gedanken der Begründung einer Petition aus der Mitte der Breslauer Synagogengemeinde-Mitglieder an die Repräfentanten- Verfammlung, welche vorbereitet und in die Bitte zufammengesaßt wird: Die hochwürdige Repräfentanten-Verfammlung möge so schleunig wie möglich beschließen: daß künftig die Versammlungen der Repräsentanten öffentlich abgehalten und die Oeffentlichkeit nur in Fällen, wo das Gemeindeinteresse dies dringend erfordert, ausgeschlossen werde. Die Adresse, zu deren Bekräftigung noch aus das Gemeindestatut vom 6. und 30. März 1856, welches die Oeffentlichkeit der Repräsentanten keineswegs verbietet und darauf, daß die Synagogengemeinde' in Berlin, die veränderte Sachlage berücksichtigend, die Oeffentlichkeit der Repräsentanten-Versammlungen bereits eingeführt hat, wird demnächst öffentlich zur Unterschreibung ausgelegt werden. Die Stellen, an denen sie ausgelegt wird, werden durch Inserate bekannt gegeben. Bremen, 19. März. In Bezugnahme auf die aus Rheinhessen stammende Mittheilung in Nr. 12 der „Israelit", gestatte ich mir die Aufmersamkeit der Interessenten aus das Technikum der freien Hansastadt Bremen zu lenken. Wenn irgendwo auf das religiöse Gefühl der Schüler Rücksicht genommen wird, dann geschieht es hier, in dem auf der Höhe der Leistungsfähigkeit stehenden Technikum. Dafür bürgt schon der Name des Direktors der Anstalt: Walther Lange. Wie weit die liberale Gesinnung des Herrn Director Lange geht, beweist folgender Umstand: Unter den ca. 400 zählenden Schülern des Technikums befindet sich nur Einer jüdischer Konfession, Namens Schragenheim. Diesem einen jüdischen Schüler zuliebe fällt die gegenwärtig stattfindende drei Wochen dauernde Prüfung an jedem ro» aus, damit er nicht gezwungen sei tdp ^r» zu sein, oder der Prüfung fern zu bleiben. Diese Thatsache spricht für sich und stellt der Direktion des hiesigen Technikums das glänzendste Zeugniß aus. Die jüdischen Frequentanten dieser Schule können also eine höhere technische Ausbildung erlangen, und dabei dennoch gute, fromme Jehudim bleiben. O efterr.-Ungar. Monarchie. Wie». Der hier erscheinenden „Neuzeit" wird von Dr. S. in C. geschrieben: Als ein Purimspiel von ganz eigener Art muß eine Schrift bezeichnet werden, welche angeblich in Budapest gedruckt, einen „Rabbiner" zum Verfasser hat, und von einer deutschen Stadt aus an tausende deutscher Gemeinden versandt wird. Das aus Stellen des alten und neuen Testamentes zusammengestoppelte Missionsschriftchen eines Rabbiners L.— in der Stärke von 22 Seiten — wäre wirklich nicht der Erwähnung werth, wenn der