Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1897)
- Date
- 1897-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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472 Judentums sprechen, ohne auf ein leider langsam und stetig hinsiechendes Reis desselben, das Talmudstudium nämlich, zu reden zu kommen. Eigentlich, wenn man bedenkt, wie viel Schreib- und Druckmaterialien bereits über diesen Gegenstand vergeudet, völlig nutzlos vergeudet wurden, dann möchte man am liebsten das halbbegonnene Wort mit trauriger Resignation abbrechen, möchte den trüben Blick, wie von dem Schmerzenslager eines lieben Kranken, dem man ja nicht helfen kann, abwenden. Wer vermag dies jedoch? Unwillkürlich bricht das Wort hervor und sucht der Blick den sich in Leiden Windenden auf. Nun denn, ich will trotzdem noch einmal versuchen der Aushilfe der schwer darniederliegenden Jeschiwos das Wort zu reden; vielleicht, daß es zur guten Stunde meinen Mund verläßt, vielleicht, daß die Gnade Gottes es als einen Keim herrlichen Segens in die Herzen und Gemüther leitet! ES entrollt sich mir eine großartige Perspektive. Verbindet beide Fragen .... verimpst die beiden edlen Reise ineinander, auf daß ein prächtiger Baum mit weitreichendem Laubdach sich aus ihnen entfalte! Gründet eine orthodoxe Lehrerbildungsanstalt für die angehenden Rabbiner, und gebt dem Lande Lehrer, welche in die Schule das jüd. Wissen und Herz des Rabbiners mitbringen! Fegt mit kräftiger Faust den eisernen Besen über die Baalspriester im Tempel Eurer Schule; macht es ihnen klar, daß ihr nicht gewillt seid, sie an Eurem Busen zu bergen, damit sie Euch auch ferner mit ihrem Bipernftich, das Euren Glauben ertödtende Gift einflößen können. Zahlreichen jungen Talenten, die jetzt nach einer langen Zeit aufreibender Studien vor einer zeitlosen, ungewissen Zukunft stehen, würde der Weg zu einem ehrenvollen Berufe eröffnet und die preisgegebene Generation dem glaubenstreuen Judenthum gerettet werden. Was sollte sonst das ganze mehr als laut geführte Constituirungsgezänke? Wem wollt Ihr denn die Orthodoxie vererben, wenn Ihr zugebt, daß Euere Kinder, die künftige Generation, derselben planmäßig entfremdet wird? Bedeutet es etwa den höchsten Grad der Entwickelungsfähigkeit der orthodoxen Idee, daß einer Eurer Rabbiner mit einem Orden, mit leibhaftigen Orden dekorirt worden ist? Licht, mehr Licht! rufe ich Euch zu, und gebe Gott, daß mein Ruf laut genug vernommen werde. Entwickelt den schönen Lichtfunken, den Großwardein entzündet, zur hellen Mittagssonne! Die Fünfzigkreuzerpatrioten und Narren der hohlen, tönenden Phrase jedoch sendet dorthin, wo sie hingehören. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem zweiunddreißigsten Rechenschaftsbericht für das Jahr 1806 der A ch o w a, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen- und Waisin in Deutschland. (Sitz des Vereins: Frankfurt a. M.), entnehmen wir: Der Bericht bietet ein erfreuliches Bild von der umfassenden und gesegneten Thätigkeit unseres Vereins. Wir waren während des verflossenen Jahres nicht nur in der Lage, allen an uns gestellten Anforderungen zur Bestreitung außerordentlicher Unterstützungen in außergewöhnlichen dringenden Fällen aus dem hierfür gebildeten Reservefond zu genügen, sondern mir konnten auch diesmal am Schlüsse des Jahres, was wir schon lange erstreben, die Unterftützungsquote der jährlichen Pensionen etwas erhöhen. Wir bedürfen indessen, falls diese nur allzugerechte Erhöhung weiter Bestand haben soll, in Rücksicht auf die durch die wirthschaftlichen Verhältnisse größer gewordenen Bedürfnisse, umsomehr einer Steigerung unserer Einnahmen, als unser Zinsertrag durch die Convertirung d r deutschen Staatspapiere in diesem Jahre eine erhebliche Einbuße erleiden wird. Wiederholt sehen wir uns deßhalb genöthigt, an alle unsere Freunde, ganz besonders aber an unsere aktiven Mitglieder, die dringende Bitte zu richten, doch Alles aufzubieten und keine Mühe zu scheuen, um unsere segensreichen Bestrebungen zu unterstützen; denn Alles, was die Lehrer für den Verein „Achama" leisten, geschieht doch nur zum Besten ihrer selbst und ihrer Familien, nicht minder aber auch zürn Besten ihrer Gemeinden, in denen sie als Bildner der Jugend wirken. Die israelitischen Gemeinden verhalten sich leider von einigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen, noch recht theilnahmslos gegenüber unserem Vereine, der sich doch zur Aufgabe gemacht, was gerade den Gemeinden als heiligste Pflicht obliegen sollte: „unseren karg besoldeten israelitischen Lehrern in Krankheitsfällen oder bei eintretender Erwerbsunfähigkeit eine Stütze zu sein und deren Wittwen und Waisen vor Noth und Mangel zu bewahren." — Selbst der kleinsten Gemeinde, die gerade am wenigsten für ihre in Noth gerochenen Lehrer thun kann, ist hier die Mithülfe durch einen jährlichen Beitrag geboten; ebenso aber auch ist es selbst am kleinsten Orte möglich, einsichtige und wohlthätige Glaubensgenossen zu finden, die auf den Hinweis unserer Aufgaben und Leistungen gern unserem Vereine als Ehrenmitglieder beitreten und die auch bei freudigen und traurigen Gelegenheiten der Vereinskasse ihre Spenden zuwenden würden.