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Der Israelit · 1897-03-29 · Heft 25 (29.3.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 25 (29.3.1897)
Date
1897-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mw95. XXXYIIJ. Jahrgang. Ein Der Israelit Gentrak-Hrgan für das ortßodore Iudenlhum Begründet von Dr. in mtainf. Montag, den 29. März 5657 (1897). Da mit dem 1. April 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonneitten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhallen unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel. Mehr Licht! Von S. B. R., aus Ungarn. III. Nein! — ich möchte nicht unl vieles Geld einen Theil an der Verantwortung für diese Zustände übernehmen! Und wo, wo haben wir sie in erster Reihe zu suchen die Schuldigen, die sich hinter den ehernen Mauern des Jndifferentismus zu einer rettenden That nicht ausraffen wollen oder können! Meiner Ueberzeugung nach nicht anderswo, als unter den Rabbinern! Aber — wo sollen aber auch diese vielbeschäftigten Menschen, deren Agenden in letzter Zeit eine so große Bereicherung erfuhren, die Zeit hernehmen, um sich mit denr Zustande der jüdischen Schule zu befassen? Die Kleinen haben keinen Einfluß, und die „Großen" — sind zu sehr mit großen Dingen beschäftigt, als daß sie auch ähnlichen Kleinigkeiten Raum in ihrem Jdeenkreis gewähren könnten. Der Sommer kommt gar nicht in Betracht, denn, ich bitte, wir leben im Jahrhundert der schwachen Nerven und da muß ein jeder nur halbwegs auf Renommee Anspruch machende Rabbiner ebenfalls seine schadhaften Nerven haben und den Sommer in irgend einem Kurorte verbringen. Im Winter aber — mon dieu! Da sind die Tage so kurz und die Arbeit ist so lang! Der Eine hat einen postenbedürftigen Sohn, und der Andere eine Mann- oder postenbedürftige Tochter — dem Dritten sind seine Predigten die Hauptsache.- Wahrlich, was uns Noth thut, das sind Männer, Männer nach dem Schlage eines Samson Rafael Hirsch, eines Lehmann, die ein Auge und ein Herz für die Zeichen der Zeit besitzen und einen heiligen Muth das, was sie für gut erkannt, auch offen zu bekennen! Denn es hieße ungerecht sein gegen unsere Rabbiner, wenn man behaupten wollte, daß keiner von ihnen die Ursachen erkannt hat, an welchen unser religiöses Leben so tief krankt. Insbesondere unter den besseren der jungen Rabbinergeneration gibt es recht viele, die das Uebel klar erkannt haben — aber es gebricht ihnen an dem Muth für ihre Ueberzmgung offen einzutreten und zwar aus Furcht, von denr andern leider überwiegend größeren Theile als Ketzer verschrien zu werden. Es ist merkwürdig, wie die berüchtigte Poliphonie, die Vielartigkeit dieses Landes in allen möglichen Verhältnissen vorherrscht und überall sich in verhängnißvoller Weise geltend macht. Die nationale Vielartigkeit, welche einen Theil der politischen Kräfte des Landes lahm legt, findet in merkwürdiger und nicht minder verderblicher Weise ein Pendent in Bezug auf religiöse Ueberzeugung unserer Confession. Vom obscursten Chassidismus bis zum fischblütigsten JndifferentiSmns, der sich nur noch dem Namen nach von der überzeugunqSlosen Neologie unterscheidet, finden wir im Schooße der Orthodoxie eine reiche Skala der Abstufungen, die gegenseitig ihre Kräfte paralysiren. Von Maramaros bis Preßburg ist's ein weiter Weg und die verschiedenen Formationen finden hinreichend Raum zur üppigen Entfaltung. Man kann nicht über öffentliche Verhältnisse der ungarischen

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