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Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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464 zählt bis auf wenige Familien zu den Nachkommen der ersten jüdischen Ansiedler. Ihre Synagoge ist sehr groß und schön, die heilige Lade an der Nordseite Jerusalem zu. Sie sprechen das Hebräisch ähnlich wie die Sephardim . . (Portugiesen), auch ihr GehetSritual ist ähnlich. Ihre Umgangssprache ist malaborisch. Viele besitzen allgemeine Bildung und auch ansehnliche Kenntnisse in der hebräischen Literatur, die ihnen durch ihre Handelsbeziehungen mit Holland, später mit England zugänglich wurde. Sie haben Grundbesitz, treiben Handel und sind bei der indischen Bevölkerung, wie beim Radschah wohlgeachtei. Eine besondere Gemeinde mit zwei Synagogen bilden in Kotschin die schwarzen Juden, die sich auch in einer Anzahl von Städten im Innern finden. Sie lebten lange Zeit mit den weißen Juden in heftiger Fehde, heute noch besteht ein scharfer Gegensatz. Trotzdem die schwarzen Juden streng nach Vorschrift leben, sich auch manche Thoragelehrte unter ihnen befinden, werden sie von den weißen nicht als vollgiltige Juden betrachtet, nicht zur Hei- , rath mit diesen oder zu gottesdienstlichen Handlungen in ihrer Synagoge zugelassen. Die schwarzen Juden behaupten, daß sie die eigentliche jüdische Urbevölkerung seien, während die weißen sie als Nachkommen früherer Sklaven ei klären. Die Kotschiner schwarze EsMeinde besteht aus 60 Familien. In Kotschin existirt noch eine dritte jüdische Gemeinde von freigelassenen indischen Sklaven, die durch ihre jüdischen Herren dem Judenthum zugeführt worden waren. Auch sie leben streng jüdisch, habe ihre Synagogen uyd^>Thoragelehrten. — Emen ganz anderen Anblick bis«n die nordindischen Juden. Dieselben wurden vor kaum 200 Jahren der religiösen Uebung wieder zugeführt, selbst die 5 Bücher Moses waren ihnen unbekannt, noch heute sind ihre Gewohnheiten und Ceremonien vielfach mit indischen Gebräuchen durchsetzt. Sie nennen sich nicht Juden, sondern Bne Israel, von den Indiern werden sie „SamstagS-Oelleute" genannt. Der Tradition nach sind ihre Vorfahren aus einem nördlich gelegenen Lande gekommen, das Schiff, das dieselben brachte, sei in der Nähe von Bombay gescheitert, nur 7 Paar hätten sich gerettet. Von den aufgestellten Vermuthungen hat diejenige die meiste Wahrscheinlichkeit für sich, wonach jene Vorfahren in Folge der Invasion des Antiochus EpiphaneS (175 v. d. n. Z.) Palästina verlassen haben. Dadurch wird es erklärlich, daß die Bne Israel gar keine Beziehungen zu ihren Glaubens- und Stammesgenossen, keine Kenntniß von der Geschichte der Juden hatten, wie von einer zweiten Zerstörung des Tempels etwas erfahren hatten. Daß sie, zu den 10 Stämmen gehören, läßt sich nicht erweisen, Daß sie nicht Juden, sondern Bne Israel genannt fein wollten, mag aus Rücksicht auf die Muhamedaner und deren Verachtung der Juden, mit zu erklären sein. Jedenfalls haben sie trotz ihrer langen Jsolirung, ehe sie in Beziehung zu den Kotschiner Juden gekommen sind, die Hauptgebote der jüdischen Religion, wie den Sabbat, namentlich bezüglich des Feueranzündens, die Beschneidung am 8. Tag u. s. w. beobachtet. Die Feste und Fasttage kannten sie, doch wurden sie theilweise anders begangen. Vor allem hatten sie sich das Wort Schma Israel als Religionsgrundsatz bewahrt. Auch glaubten sie stets an einem künftigen Messias und ein Fortleben nach dem Tode. Den festwurzelnden Grundsätzen des JudemhumS war es zu verdanken, daß die Bekehrungsversuche der Holländer und Engländer keinen Erfolg halten, während es den Juden, die vor ungefähr 150 Jahren zu den Bne Israel kamen, leicht gelang, eine Neubelebung der jüdischen Religion bei ihnen herbeizuführen. Sie beten heute in hebräischer Sprache, besitzen Synagoge, Thorarollen und leben zum größten Theil den Religionsvorschriften entsprechend. Eine Anheirathung mit den übrigen Juden findet noch nicht statt, weil bei ihnen die Bestimmungen über die traditionell verbotenen Ehen, gewisse Scheidungsgesetze, Chalizah noch keinen Eingang gefunden haben. Vielfach sind ihre Ceremonien, deren der Vortragende einige schilderte, den Hindugebräuchen ähnlich. Man findet sie in allen Berufen und Stellungen, sie genießen ihrer Zuverlässigkeit wegen allgemeines Wohlwollen und Zutrauen. Auch bei ihnen ist die Trennung zwischen schwarzen und weißen vollständig. Die Gesammtzahl der schwarzen und weißen Bne Israel ist 10,000. Wie sehr sie der allgemeinen Bildung zugänglich, beweist eben Herr Ezekiel, dir nicht nur Mahratti, indisch, englisch, französisch, deutsch un') hebräisch versteht, sondern dessen volles Vertrautsein mit der englischen Literatur, mit der Bibel, mit den Commentatoren, mit der Geschichte der Juden u. s. w. seine Correspondenz mit dem Vortragenden ergeben hat. Auf Ersuchen der Vorsteher der Bne Israel hat er für einen Bettag, der am 26. Nov. 1896 wegen der Hungersnoth, uno einen zweiten, der am 21. Jan. d. I. wegen der Pest abgehalten wurde, Gebete in hebräischer, englischer und indischer Sprache verfaßt. Ein gedrucktes Exemplar derselben legte der Redner vor.*) Wenn man bedenkt, wie leicht die Neubelebung der Religion bei diesen, von ihren Stammes- und Glaubensgenossen fast zwei Jahrtausenden abgeschnittenen Bne Israel ging, so sieht man, welche gewaltige Macht den großen Wahrheiten der jüoischen Religion auch gegenwärtig innewohnt und wir werden an jenes Prophetenwort gemahnt: „Und wenn noch ein Zehntel ist vor- *) Wir haben s. z. das eine Gebet in hebr. Sprache und in dknlscher Uebertragung zum Abdrucke gebracht. Red.

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