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Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IIXYni Jahrgang. Zweite Beilage M M 24 -es Jlstttdit“. Leitender Artikel Pie Brie Israel und die schwarzen Juden in Indien. Frankfurt a. M., 17. März, lieber das in der Ueberfchrift genannte Thema sprach am 8. dss. im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg. Die interessanten Mittheilungen, die der Redner macht, verdankt er Herrn E. M. Ezekiel in Vomboy, selbst einer der Bne Israel. Derselbe hatte dem Redner geschrieben, er habe von einem Vortrag erfahren, den jener (über den Thierschutz) gehalten habe, und bitte um eine Abschrift. Hieraus entwickelte sich dann eine eifrige Correspondenz. —- Die jüdischen Kolonien in Indien gehören zu den interessanten Gemeinden der ganzen jüdischen DiaSpora. Dieselben befinden sich theils im Norden Indiens, in der Präsidentschaft Bombay, theils im Südwesten, an der malabarischen Küste, in Koischin und anderen Städten. Die ersteren nennen sich Bne Israel, die letzteren Juden. Im Ganzen leben in Indien ca. 17,000 Bekenner der jüdischen Religion, 8 pCt. sind Nachkommen späterer Einwanderer aus Asien, Europa und Amerika, alle übrigen sind sehr alten Ursprungs. Die Zahl dec Bne Israel beträgt 10,000, unter ihnen, wie auch unter den Kotschiner Juden bilden die schwarzen die bedeutende Mehrzahl. Während die frühere Geschichte der Bne Israel fast in vollständiges Dunkel gehüllt ist, ist uns von den Kotschiner Juden Manches erhalten. Schon arabische Schriftsteller aus dem 0. Jahrhundert erzählen von einem jüdischen Emir, der nahe beiKarangola seinen Sitz hatte. Benjamin von Tudela berichtet, daß er in einer indischen Stadt 1000 jüdische Familien angetroffen habe, die ebenso schwarz waren, wie die Eingeborenen, und sich durch Lauterkeit und Anhänglichkeit an die jüdische Religion auszeichneten, die Propheten lasen und den Talmud kannten. Der erste Europäer, der weitere Nachforschungen über die Juden in Indien anftellte, war van Steenen, der holländische Gouverneur von Indien der in einem 1078 erschienenen Aufsatz die Ansicht vertritt, daß dieselben vom Stamm Manasse seien und zu den Exilirten Nebukadnezar's gehörten. Nicht lange nach dieser Veröffentlichung wurden von ihnen selbst dieser Annahme widersprechende Berichte nach Europa gesandt. 1680 waren einige sephardische Kaufleute aus Amsterdam nach Indien gekommen und gelangten nach Kotschin; dieselben schickten einen Reisebericht in portugiesischer Sprache nach Amsterdam, dessen Inhalt durch den englischen Rektor Claudius Buchanan Ende v. Jahrh. und durch jüdische Reiseberichte aus diesem Jahrhundert bestätigt wurde. Nach demselben sollen im Jahre 369 nach der n. Z. 70 bis 80,000 Juden nach der indischen Küste gekommen sein, und zwar von Majorca, wohin sie nach Zerstörung des zweiten Tempels gefangen fortgeführt worden waren. Unter ihnen waren sehr angesehene Leute, auch zahlreiche Gelehrte. Sie fanden Gnade bei dem König, der ihnen die Stadt Karanpela zum Wohnsitz anwies. Er gestattete ihnen eigene Gerichtsbarkeit und räumte ihren Häuptlingen fürstliche Rechte ein. Dies Privilegium wurde nach Landessitte auf eine Erztafel eingearaben, die heute noch in den Händen der Kotschiner Juden sich befindet und Ende vor. Jahrh. mit schwerer Mühe entziffert wurde. 489 soll eine zweite Expedition nach Indien gekommen sein, unter ihnen die sehr gelehrten R. Samuel und R. Juda Levita. Diese Leviten sollen die silbernen Jubeltrompeten, auf denen der unaussprechliche Name eingegraben gewesen, und die bei der Zerstörung des zweiten Tempels gerettet worden, mit sich geführt haben. Hier in Kotschin blieben die Juden ci. 1000 Jahre unter 72 selbstständigen Fürsten. Nach dieser Zeit brach eine heftige Fehde zwischen zwei fürstlichen Brüdern aus; der eine rief einen indischen König zu Hilfe. Dieser kam mit einem gewaltigen Heer, zerstörte Burgen, Schlösser und Festungen, töotete eimn Theil, einen Theil führte er in Gefangenschaft. Nur wenige überlebten diese furchtbare Begebenheit, sie fanden Schutz und Aufnahme in Kotschin, dessen Radschah ihnen Land in der Nähe seines Palastes anwies. Im Jahre 1567 wurden verschiedene Gebäude, auch eine Synagoge errichtet. Auch hier halten sie verschiedene Schicksale. Die Macht der kleinen Radschahs reichte nicht aus, sie vor den Bedrückungen der Portugiesen, die damals die Herrschaft inne hatten, zu schützen, und so kam es, daß sie den Holländern, die 1662 zum erstenmal Kotschin belagerten, allerlei Beihülfe leisteten. Doch die Holländer mußten die Belagerung vorerst aufgeben, und da traf die Juden die Rache der Portugiesen. Das jüdische Stadtviertel wurde geplündert, die Häuser verbrannt und viele getödtet. Wer es konnte, floh ins Gebirg. Die Eroberung Kotschins durch die Holländer 1663 ermöglichte ihnen die Rückkehr. Bei dem Brand soll u. A. eine sehr alte Sefer Thora und ihr Geschichtsbuch zu Grunde gegangen sein. Die gegenwärtige Synagoge der Kotschiner Juden wurde 1666 erbaut. Die Gemeinde der Kotschiner weißen oder Jerusalemsjuden

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