Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1897)
- Date
- 1897-03-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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457 Joche 31t Dcfrcicu: der coufcffioncIXc Selbstmord — die Preisgabe eines der wichtigsten Rechte der Autonomie — nämlich die Anstösnng der eigenen Schule tind die . nansprnchnahme einer staatlichen, sogenannten Simulkanschnte. Freilich heißt das den Satan mit Beelzebub ans!reiben, imt> doch gicbt cs eine ansehnliche Zahl von Gemeinden, die z;t diesem Mittel greisen, indem sie von der Ansicht ausgehen, es sei immer noch erträglicher und für die Kinder weniger gefährlich, seinen Glauben von einem christlichen Lehrer verhöhrtt nnb verspottet zu sehen, als von einem jüdischen. 'Wenn man nun auch concedircn wellte, das; dies von zwei Nebeln das Geringere sei, so bleibt es an uub für sich immer noch ein überaus großes und sehr ernstes Nebel. Ich hatte und habe reichliche Gelegenheit, dies in nächster Nähe zu beobachten. Abgesehen von den Zurücksetzungen und Chieanen, welche die Kinder in solchen Schulen als Inden leider nur zil oft erdulden müssen, kann der Religionsunterricht diesen Kindern nur verkümmert und nur nnl den Preis einer großen physischen Neberbürdung crtheilt werden. Die Neligionsschule muß mit den Zeitspl tteru fürlieb nehmen, welche ihr die Siaatsschule zufallen läßt. Wenn es nun vorkonnnt, daß ein Kind eine Freiheitsstrafe abbüßen und I- oder 2 Stunden über die Schulzeit in der Schule „brummen" tunß, dann geht für dieses Kind der Religionsunterricht ganz verloren und es sind mir Fälle bekannt, wo staatlich angestellte Lehrer über die jüdischeit Kinder ähnliche Freiheitsstrafen bloß aus den; Grunde verhäitgcn und oft verhängen, damit sie ihnen die Theilnahme an deiil jüdischen Unterricht unmöglich niachen! So, so sieht es mit unserer Schule, mit unseren Lehrern aus, und dennoch ist die Großtvardeiner Initiative zur Abhülfe bis heute vereinzelt geblieben.' Zeilurrgsnrchrichten und Correfporrdenzen. D e u t s ch l a n d. München, 18. März. Seitens der in Paris lebenden Wittwe des verstorbenen Banquiers Moritz von Hirsch Gereuth wurde der Stadt München für eine wohlthätige Stiftung ein Kapital von 1,200,000 Mk. zur Unterstützung von verheiratheten oder ledigen Wöchnerinnen und Rekonvaleszenten vermacht. Aus Bayern. Anknüpfend an die Bemerkung Ihres Herrn Redactcurs in Nr. 10 Ihres Blattes, daß auch die ungeheure Sorgfalt und der außerordentliche Fleiß, die der heimgegangeneDr. B ä r auf seine Arbeiten verwandte, diese nicht vor der Unvollkommenheit eines jeden menschlichen Werkes schützte, gestatte ich mir, die verehrlichen Leser und insbesondere die Besitzer der einfachen Rödelheimcr innü-AuSgabe (ohne Uebcrfetzung und ohne Kommentar) in 2 resp. 5 Bänden auf einen solchen Druckfehler aufmerksam zu machen, der sich seit mehr als 20 Jahren von Auflage zu Auflage fortgeerbt hat. — Im sjD'o für den siebenten Tag nvv lautet nämlich der Schluß des aus dtu'b *c angeführten Verses: L-b rr'Tt' cc*cn, wofür natürl ch •b r» n 71 eingesetzt werden muß, wie auch beim ersten Tage und überall bei m"p richtig steht. — Ich habe einmal gelegentlich eines Aufenthaltes in Biebrich Herrn Dr. Bär auf diesen Fehler aufmerksam gemacht; es scheint aber seitdem keine neue Auflage gedruckt worden zu siin, und da ich fürchte, daß die Notiz über die Verbessirnngsbedürftigkeit der betr. Stelle irgendwo in dem handschriftlichen Nachlaß vergraben sein und somit der Vergessenheit anheimfallen könnte, will ich zur Beseitigung des Fehlers sowohl in den verbreiteten Exemplaren als für eine zukünftige Neuauflage durch diese Veröffentlichung beitragen. Gleichzeitig mache ich auf einen Fehler in der rrrc nstr genannten in'v-Ausgabe aufmerksam, der mir unlängst gezeigt wurde, darauf nämlich, daß in der ersten nsnv von rwr> am Schlüsse von V. 17: eec*c n b gedruckt ist, wofür r, *0 1 b gelesen werden muß. Die rührige Verlagshandlung wird sicherlich gerne diese Druckfehler und dadurch ihre rühmlichst bekannten und anerkannten Ausgaben immer mehr vervollkommnen. am* Stratzburg t. G. Wie ich erfahre, soll eine jüdische Körperschaft die Absicht haben, ein Werk, den auf französisch übersetzten „Choschen Mischpot", dem Druck zu übergeben; dieser Choschen Mischpot ist von Johann vonPavly herausgegeben, welcher Ende 1887 die Herausgabe des Schulchan Aruch, resp. vielmehr die ersten Lieferungen desselben durch die Marugg'sche Buchhandlung in Basel vertreiben ließ'. DieserHerr vonPavly wurde bereits damals als der bekannte Briemann Justus entlarvt und ist es traurig, daß immer wieder Leute auf solchen Schwindel hineinfallen. O esterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Koloman Thaly, ein christlicher Reichstagsabgeordneter, hat den Honved-Minister Baron FehLeäry wegen der Anomalie, daß die jüdischen Soldaten bei kirchlichen Anlässen knieen müssen, interpellirt und in seiner Rede besonders betont, daß diese Verordnung für die Israeliten eine Beleidigung ist, umsomehr, da die Mohamedanischen Soldaten, die bei dem bosnischen Regiments dienen, von diesem Zwange befreit sino. Der Landesvertheidigungsminister nahm die Interpellation nicht zur Kenntniß, somit bleibt Alles beim Alten. Coloffales Aufsehen erregt die neueste Verordnung des Handelsministers Baron Ernst Daniel, daß