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Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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458 in Zukunft die Zöglinge der Industrie-Schule amS'abbat vom Unterricht nicht mehr befreit werden. In dem Erlaß heißt es: Die israelitischen Schüler können vom Unterricht befreit werden; Roschhaschono, Jom Kippur, Sukkoth, jedoch nur am I., II. und VIII. Tag Vormittag, Peßach I., II, VII. und VIII. Vormittag und I. und II. Tag Sch ovuos. Aus Mähren. In der eben verflossenen Session des mährischen Landtages gab es auch eine ziemlich lebhafte Judendebatte. Anlaß zu dieser gab ein Gesuch der politisch selbstständigen Jsraelitengemeinde Mährisch-Weißkirchen wegen Bewilligung einer Subvention zu einem Schulbaue. Der vom Schulausschusse des Landtages gestellte Antrag, es möge dem Gesuche willfahrt werden, wurde von dem slavischen Abgeordneten Perek aus das heftigste bekämpft. In seiner breitspurig angelegten Rede erwähnte er, daß es die Juden wären, welche bei allen Wahlen gegen die Slaven und immer mit den Deutschen stimmen, und so letzteren zur Majorität im mährischen Landtage verholfen haben. Er stelle daher der Antrag das Ansuchen der Jsraeliten-Gemeinde Weißkirchen abzulehnen. Die Deutschen, welche ausnahmsweise in Mähren eine judenfreundliche Haltung einnehmen — es bleibe dahingestellt, ob diese Haltung einer wahren echten Freundschaft entspricht aber ob dieselbe nur aus Opportanitätsrücksichten zur Schau getragen wird — traten den Ausführungen des Abgeordneten Perek entgegen und plaidirteu für die günstige Erledigung des Gesuches. Bei der Abstimmung entfernten sich 10 Slaven, so daß der Antrag des Schulausschufles mit den Stimmen der Deutschen und Großgrundbesitzer angenommen wurde. Dagegen stimmten ein Theil der Tschechen sowie der antisemitische Abgeordnete Neunteufel. Amerika. Cimada. In Torento ist eine neue Synagoge erbaut, welche in kurzer Zeit eröffnet werden wird. Sie ist ein besonders schöner Bau im maurischen Style und kann sich würdig mit den anderen Gotteshäusern dieser Stadt meffen. In Torento stehen merkwürdigerweise in derselben Straße Board Street die Kirchen folgender Confessionen friedlich bei einander: Römisch-Katholische, Methodisten, Kongregationdisten und Deutsch-Suthenaner, wozu nun nach die neue Synagoge kommt. Dieselbe enthält 800 Plätze und außerdem Schulräume für 300 Kinder. Zur Zeit sind in Torento 3 Synagogen eine orthodoxe, eine liberale und eine Chewrasynagoge für die Russen und Polen. Sehr bemerkenswerth ist, daß unter den Spenden, für die das neue Gotteshaus errichtet wird, sich auch namhafte Beträge befinden, die von Christen für diesen Zweck geschenkt worden sind. P a l ä st i n a. Metule, 26. Adar. Der Vertreter unseres verehrten Protektors, Herr Elia Scheid, kam in Begleitung der Herren Offowietzky aus Rosch-Pinah, Chazan aus Sikhron-Jaakob und anderer Beamten der unter dem Protektorat stehenden Kolonien hierher. Abends ließ er särnmtliche Bauern dieses, jungen jüdischen Dorfes zu einer Versammlung sich vereinigen, um im Namen des edlen Schützers herzlich warme Worte an die Kolonisten zu richten und zugleich Herren Chazan als den neuen Oberverwalter von Rosch-Pinah an Stelle des bisherigen Herrn Offowietzky vorznstellen. Dieser selbst wird von jetzt ab in Beirut wohnen, um in der Provinzialhanptstadt die Interessen der galiläischen Kolonien wahrzunehmen. Am vergangenen Sabbat hat Herr Scheid in ähnlicher Weise nach dem gemeinsamen Gebete in der Synagoge zu Rosch-Pinah den Wechsel in der Person des ersten Beamten den Kolonisten mitgetheilt. vermischtes. Berlin. Man schreibt der „Pr. Lehrerzeitung": Jüdische Lehrerinnen-Seminare sollen im Anschluß an die bestehenden israelitischen Mädchenschulen in Berlin, Frankfurt a. M. und Hamburg ins Leben gerufen werden. In diesen Instituten soll Unterricht in allen pädagogischen Fäschern ertheilt. auf die Ausbildung ou Lehrerinnen für den jüdischen Religionsunterricht aber das Hauptgewicht gelegt werden. Thorr». Die Stadtverordneten hatten in Uebereinstimm»ng mit dem Magistrat beschlossen, an der Knabemnittel schule eine jüdische Lehrerin anzustellen, die schon mehrere Jahre eine Unterklasse vertretungsweise verwaltet hatte. Wie die „Ihorn. Ostd. Ztg." mittheilt, erhob eine Anzahl Bürger beim Regierungspräsidenten Einspruch, worauf die Regierung die nachgesuchte Bestätigung der Anstellung versagte. Hannover. Herr Leopold Fischer ist von Magistrat und Bürgervorstehern (Stadtverordneten) der Stadt Linden mit 12 von 14 Stimrnen zum Abgeordneten des Proviuziallandtages auf Lebenszeit gewählt worden. Herr Fischer ist der erste Jude, dem in der Provinz Hannover diese Aus Zeichnung zutheil wird, und die nahezu einstimmige Wahl bezeugt, welche Verehrung ihm seine Mitbürger ohne Unterschied der politischen Parteistellung entgegenbringcn. Wien. Daß der Antiscmitisinus an den hohen Würdenträgern der Kirche keine Anhänger findet, dafür möge folgender Bericht aus dem erzkatholischen Salzburg als Beweis dienen: Dieser Tage stellte sich unser ncugewählter Rabbiner, Herr Moriz Bach, dem Kardinal Fürst-Erzbischos Dr. Haller vor. Während des Gespräches beklagte sich der Rabbiner ülur das stete Anwachsen des Antiscmitisinus, worauf der Kardinal erwiederte: „Das ist ja nur eine Zeitströmung, das wird bald vergehen.^ Wien. (Israelitisches Taubstummen-Institut in Wien.) Im Schuljahre 1895/96 befanden sich im Institute 80 Zöglinge, und zwar 51 Knaben und 29 Mädchen. Von diesen wurden am Ende des genannten Schuljahres 15 entlassen, während 18 Zöglinge neu ausgenommen wurden. Dem Institute war es auch heuer uicht

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