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Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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452 antisemitischen „GloS Narodu" vor nicht langer Zeit, einige Artikel unter der Spitzmarke: „Die Juden von den Schänken verjagen", welche von einem Geistlichen öffentlich gezeichnet waren, erschienen sind. Dieser Geistliche ist in diesen Aufsätzen nicht etwa gegen die Trunksucht und Verlotterung des Bauernvolkes aufgetreten, einen solchem edlen Bestreben würden wir ungesäumt unsere Zustimmungserklärung geben, nein, nicht im Geringsten, dieser Geistliche predigte rund und ungescheut, daß nachdem die Juden im Schankgewerbe ihre Rechnung stnden, mögen dieselben von diesem Gewerbe zu Gunsten von Christen verdrängt werden. Also wenn es sich um Nutzen handelt, wäre dieser Hetzcaplan auch dafür, daß sich Christen bei Christen volltrinken sollen. Wir glauben, daß kein großer Theil der galiz. Geistlichkeit einer solchen Lehre zuneigen könnte. Wir unsererseits würden unsere Glaubensgenoffen dann erst glücklich schätzen, wenn diese das Schankgewerbe hinter dem Rücken hätten, und statt diesem, mit dem Pfluge und beim Webstuhle arbeiten würden. Wir wiederholen die Frage, wie und von was leben die Juden in galiz. Kleinorten? Ja, sie leben; in Spitälern und Lazareths liegen Schwerkranke und diese siechen in ihren Leiden insolanae dahin, bis sie der Tod erlöst. Ebenso hungern Tausende kleinstädtischer jüdischer Faniilien dahin, bis der Hungertyphus ihnen Erlösung bringt. Die ökonomische Lage der Juden in galiz. Kleinorten ist ein Schandfleck des neunzehnten Jahrhunderts und eine Schmach für die besitzenden Juden in Oesterreich, welche nicht daran denken, daß in diese trüben Verhältnisse eingegriffen werden muß. Und in Deutschland? Ja da ertönt von allen Seiten großes Geschrei über die Belästigung mit Bettelbriefen aus Galizien und wenn man nicht im Stande ist, die geschilderte Nothlage auf ihre Richtigkeit zu prüfen, giebt man lieber gar nichts. Als ob sie nicht alle, alle unendlich bemitleitunswerth wären! Italien. <r) Rom im Marz. Wieder beweint die jüd. Gemeinde von Rom den Verlust eines großen bedeutenden Mannes, der nicht nur derselben, sondern dem ganzen Jirdenthume zur Zierde gereichte. Rabbiner Crescenzo Alatri ist in vorgerückten Jahren aus dem Leben geschieden, das fast gänzlich seinem Glauben und seinen Glaubensbrüdern gewidmet war. Der Rabbinertitel war für ihn eigentlich ein Ehrentitel, da er seinethalben nicht aufhörte, beitragendes Mitglied unserer Gemeinde zu bleiben. Er ließ sich nur deßhalb Rabbiner tituliren, um einen Vorwand zu haben, seinen Nebenmenschen belehren und aus den richtigen Weg hinleiten zu können und dann auch, damit seine Worte bester gehört werden sollten. Uebrigens besaß er auch wirklich das Wisten eines Rabbiners. Auch fungirte er oft als Chasan besonders an den hohen Feiertagen und dies Alles that er nur wrs Dabei war er sehr wohlthätig, trotzdem er nur ein bescheidenes Vermögen besaß. Auch gehörte er allen Chewroth als beitragendes Mitglied an, und so wie den größten Theil seines Vermögens, so widmete er auch den größten Theil seiner Zeit — Kindersegen blieb ihm versagt — dem öffentlichen Wohle und den Gemeindeangelegenheiten. Cr wurde mit großen Ehren zu Grabe getragen und wurde dann auch in der großen Synagoge eine besondere Trauerandacht necn> für ihn abgehalten. marn. T ü r k e i. (6.) Constarrtinopel, 18. Mürz. Unsere Glaubensbrüder in den Städten Kanea und Kandia auf der Insel Kreta haben sich nun in Folge der dort herrschenden Wirren gezwungen gesehen, ihre Heimath zu verlassen, und in anderen Küstenstädten des türkischen Reiches Zuflucht zu suchen. Die Commundanten der jetzt vor der genannten Insel kreuzenden europäischen Kriegsschiffe haben ihnen zwar allen möglichen Schutz zugesagt und versprachen sie sogar, in das Judenviertel von Kanea Patrouillen §u senden. Die Juden erklärten jedoch, daß sie bei den jetzigen Zuständen auf der Insel, wo Türken und Griechen sich gegenseitig bekämpfen unb wo Plünderungen und Brandstiftungen an der Tagesordnung sind, nicht weiter bleiben können. Sie schnürten daher ihr Ränzchen und wanderten aus. Der größte Theil von ihnen, hat sich nach der benachbarten Insel Rhodus gewendet, andere begaben sich wieder nach Smyrna, nach Salonichi x. und einige kamen auch hierher. In Kanea siltd nur einige arme Juden zurückgeblieben, denen die Bewachung der dortigen Synagoge und des jüdischen Friedhofes daselbst anvertraut ist. llebrigens hat der türkische Gouverneur in Kanea, Ismail Bey, dem Rabbiner daselbst die Zusage gemacht, er werde schon wachen darüber, damit die Ruhestätte der jüdischen Todten nicht entweiht werde. Palästina. Jerusalem, 6. Adar scheni. Die Gesellschaft „P a l ä st i n a Exploration Fund" bemüht sich jetzt in Transjordanien Ausgrabungen nach jüdischen Alterthümern zu machen. Am Samstag Abend hielt dementsprechend der amerikanische Consul Herr E d w i n W a l l a c e im Reu Hotel Palestine einen Vortrag über das Land jenseits des Jordans, seine Naturgeschichte und seine Bewohner. Der Vortrag war öffentlich und zahlreich besucht. Auch wurden viele Spenden für die Ausgrabungen gegeben.

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