Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1897)
- Date
- 1897-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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451 wohl durch einige Worte in diesen Blättern rühmend erwähnt zu werden. Dieses Institut verdankt sein Entstehen nicht wie die übrigen derartigen Anstalten einem geschäftlichen Unternehmen, sondern wurde von einer Reihe frommer, einflußreicher Männer der Proyinz im Jahre 1857 in's Leben gerufen, die ihren Kindern nebst der Ausbildung zu ihrem Berufe auch eine echt religiöse Erziehung zu geben durch eingehenderes Studium mit der min in's Auge faßten. Zur Verwirklichung dieser höheren Absicht ist cs ihnen geglückt, solche Männer als Direktoren ju berufen, die neben ihrer ausgezeichneten Befähigung und Tüchtigkeit zugleich von dem heiligen Pflichteifer beseelt waren. Erster Direktor der Anstalt war Dr. Löb ^"7 zuletzt Oberrabbiner von Altona; seit 1862 war Dr. Joöl “ri Leiter des Instituts, früher Lehrer an der Realschule der Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. und seit 1885 Dr. Barnaß, früher Lehrer der isr. Religionsschule Adaß-Jisroel in Berlin. Wie groß die Leistungen dieser Anstalt unter der Leitung dieser Männer waren, geht daraus hervor, daß nicht nur zu ihrem kaufmännischen Berufe auf's Erfolgreichste ausgebildete Männer bervorgingen, sondern viele Zöglinge ihr Wissenschaftlichcs Studium fortsetzen konnten, die heute als Lehrer, Aerzte, Juristen und Theologen wirken; einige sogar setzten ihre technischen Studien fort und wirken als Ingenieure, Chemiker :c. Die Anstalt richtete ihr besonderes Augenmerk darauf, den Schülern ein echt jüdisches Familienleben zu bieten. Von allen Ländern wurden ihr deshalb auch die Zöglinge anvertraut; Oesterreich, Rußland, Frankreich, Belgien, die Schweiz und England ja selbst Amerika und Afrika stellten ihr Contingcnt an Schülern, wodurch auch die Ausbildung in fremden Sprachen wesentlich erleichtert wurde. Wir haben wenige von so echt jüdischem Geiste getragene Anstalten zu verzeichnen. Mögen diese Zeilen nicht nur eine ehrende Erinnerung sein, sondern zugleich dem Wunsche Ausdruck geben, daß diese Anstalt auch ferner blühe und gedeihe und ihr guter Ruf weit hinaus dringe: Das i st c i n c A n st a l t, d e r m a n getrost die Kinder a nv er trauen kann! Dr. H. S. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Lemberg. (Das grenzenlose Elend der Juden in den g a liz. Kleinstädten.) Neunzig Prozent der jüdischen Bevölkerung in Galizien sind in den kleinen Städten und Marktflecken zusammengepfercht. Diese Städtchen und Marktflecken sind zumeist aus ebenerdigen Holzhäuschen, welche mit Lehm übertüncht sind, zusammengesetzt. Der größte Theil solcher kleinstädtischer jüdisch-galiz. Behausungen ist gewöhnlich baufällig und droht zusanunenzuflürzen. In einem baufälligen Holzhäuschen ein.s galiz. Kleinortes wohnen immer einige Familien und jede derselben in einem einzigen Zimmer, in welchem in Ansehung des reichen Kindersegens unserer Glaubensgenoffen, zuweilen 10 Personen zusammenleben, oder diese lassen ihr Leben in Kummer und Sorgen, Pein und Roth mit dem Laufe der Zeit altern und dahinsiechen. Diese Wohnungsnrt der Inden in den galiz. Kleinstädten, welche nebenbei bemerkt, mit ostafrikanischen Ansiedlungen zu vergleichen wären, ist eine allgemeine. Schreiber dieses hat jeden galiz. Ort besucht und es kann hier aus Ueberzeugung gesagt werden, daß Fünfmalhunderltausend jüdische Seelen je 10 bis 12 Personen in einem engen Zimmerchen beisammen wohnen. Das ist das naturgetreue und wahre Bild der WohnungSverhällnisse des größeren TheileS besitzloser Juden im Lande Galizien. Wie und von was die arme Volksmasse lebt, ist jedem Kenner der traurigen ökonomischen Verhältnisse derselben räthselbaft. Der jüdische kleinstädtische Proletarier wird zur Feldarbeit nicht zugelaffen; zur Judustnearbeik kann dieser nicht greifen, weil in Galizien keine Jndustrn Unternehmungen existrren; das Handwerk liegt daselbst infolge Jmportirung allerh.m) fertiger Waaren g mz danieder; der Erwerb im Wege der Arbeit ist daher für den armen Juden in Galizien eine ausgeschlossene Sache. Auch der Handel, durch welchen der kleinstüdtche Jude bei seiner Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit sich halbwegs ernähren konnte, wird demselben seit Jahren abgeschnitten. Einer der Haupterwerbszweige war bis vor Jahren der Zwischenhandel mit Getreide, Hülsenfrüch'en, Cerealien und Sämereien und dieser hat mit der Durchquerung des Landes mit Eisenbahnen allmählig ansgeliört, denn sowohl der Großwie Kleingrundbesitzer, Pächter und Farmer, manipuliren, sortiren, stellen ganze Waggonladungen zusammen und geben solche direkt den Getreidehändlern in den größeren Städten ab. Bei diesem Zwischenhandel haben sich in jedem Städtchen 10—15 Familien als Makler ärmlich, aber redlich erhalten und dieser Geschäftszweig bat natürlich mit dem Aushören des Zwischenhandels auch aufgehört. Tie Kleinkrämerei ist in den letzten Jahren stnit dem Entstehen der landwirthfchaftlichen Vereine und Vermehrung der Concurrenz auf diesem Felde in ihrer Ertragsfähigkeit stark zurückgegangen. Das Schankgewerbe. zu welchem die Juden aus äußerster Roth immer gegriffen haben, bekomint auch seine Concurrenz; Christen, welche diesen Erwerbszweig bis dato als Schandgewerbe angesehen hatten, beneiden nunmehr die Juden um diesen harten Brocken eines Nahrungszweiges, so weit, daß im hiesigen clerical-