Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448729--43607-2492664
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

449 Es giebt nun Menschen, die auf einer noch niedrigeren, vielleicht auf der niedrigsten Stufe der Einsicht stehen und die sich durch alle diese Beweise von Gottes Güte und Gnade nicht überzeugen lassen wollen. Da hat nun der weise Sänger und König noch ein großes und letztes Mittel, um auch diese Säumigen zur Verehrung und Lobpreisung Gottes heranzuziehen. Wenn nichts im Stande ist, den Menschen aus seiner Lethargie herauszureißen, wenn kein noch so weltbewegendes Ereigniß es fertig bringt, die Menschen auch nur eine Hand erheben zu lasten, so ist es der Hunger, dieser gewaltige Trieb, der sie mächtig aufrüttelt und sie mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft die scheinbar unüberwindlichsten Hindernisse besiegen läßt. Unsere Weisen sagen deshalb: (Peßachim 118a) W cnS fm: ztsi -70 v' nynpa dtk bw wwitb ptsp rpo c 'b "pcw iL'3 Und das war zu allen Zeiten so, ist heute noch so und wird zu allen Zeiten so sein. Wie sehen wir es doch im täglichen Leben, wie oft das wichtigste und heiligste Unternehmen es nicht vermag, die Leute aus ihrem Phlegma herausbringen, wie giebt es da tausend Ausflüchte, wie werden da die überzeugendsten Gründe vorgebracht, um darzuthun, daß man in dieser oder jener Sache unmöglich etwas thun könne. Wie anders ist es aber, sobald Jemand glaubt, daß er in seinem Geschäfte geschädigt wird, wenn er meint, daß seine „nvnv" gefährdet sei, wie beginnt da ein Laufen und Rennen, ein Hasten und Jagen, wenn die oft nur vermeintliche Gefahr auch noch so weit entfernt erscheint und wie ruht und rastet man nicht eher, bis man glaubt, sie beseitigt zu haben! Nur in den Zeiten des tiefsten Niedergangs hat sich der allweise Vater der Gespenstes des Hungers bedient, um Israel zurückzuführen aus die Wege zu seinem Gott, dann aber gelang auch die Rückkehr vollkommen und Alle, Alle erkannten die ewige Güte des Ernährers alles Lebendigen. Er seien hier nur kurz die Vorgänge zwischen Eliajuh und Achab gestreift. Das Brot, das in der Wüste vom Himmel herabregnete, war ebenso wie der 12123 w längst vergessen, aber die Aussicht auf den Regen, der das Brot nunmehr nach jahrelanger Hungersnoth aus dem Boden hervorzaubern sollte, die Hoffnung auf den ib’z bsb anb hatte eine einmüthige Rückkehr des gesammten Volkes zur Folge. Deshalb sagt der königliche Sänger: War es mir seither nicht gelungen, euch Alle von der ewig waltenden Güte des Herrn zu überzeugen, so genügt nur die Erinnerung an den Geber des Brods für alles Fleisch, um euch Alle in dem Rufe vereint zu finden. . ncn abijfb '3 own Hin Danket dem Gott des Himmels, denn ewig währet seine Güte. (Fortsetzung folgt.) Zeitung-rrachrtchterr ttttb Eorrefporrderrzert Deutschland. 8. Frankfurt a. M., 22. März. (Unlieb verspätet.) (Verein für jüdische Krankenpflegerinnen.) Nachdem bereit» im Jahre 1889 auf Anregung einiger wohlthätiger für gemeinnützliches Wirken begeisterter Männer mit der regelrechten Ausbildung jüdischer Krankenwärterinnen am isr. Gemeindespital begonnen wurde, und dieses Unternehmen nicht nur als zweckmäßig, sondern auch als segenbringend sich bewährte, ging man im Jahre 1893 hier an die Gründung eines „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen." Dieser Verein hat den Zweck jüdische Krankenpflegerinnen auszubilden und die unter seiner Leitung ausgebildeten Pflegerinnen dem Publikum für Entgelt und, wenn es erforderlich ist, auch unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Kosten der Lehrzeit werden vom Vereine bestritten; erklärt sich nach vollendeter Lehrzeit die Pflegerin bereit, mindestens drei Jahre den Zwecken des Vereins sich zu widmen, so wird sie unter die Vereinsschwestern ausgenommen, erhält völlig freie Station (Wohnung, Kost, Heizung, Beleuchtung, Dienstkleidung, Wäsche) im Vereinshause und in den ersten zwei Jahren 360 Mk. jährliches Gehalt, das von da ab alle zwei Jahre um 60 Mk. bis zum Höchstgehalt von 600 Mk. steigt. Dienstunfähig gewordene Pflegerinnen erhalten eine angemestene Pension. Der Bericht über das Jahr 1896 ist soeben ausgegeben worden und erweist die segensreiche Tätigkeit dieses Vereins. Die Zahl der Schwestern war am Schluß des Jahre« 14, von denen 7 in Spital- und Siechenhauspflege (drei von diesen sind am isr. A'yl in Köln thätig) und sieben sich in die Privatpflege theilen; von diesen wurden 80 Pflegen geleistet, die 1727 Pflegetage, worunter 174 vollständige Nachlpflegen, erforderten. Während dieser Verein nach der einen Seite jenes altjüdische wohlthätige Wirken des Bikkur Cholim in rationeller Weise fördert, arbeitet er andererseits mit an der Lösung einer der wichtigsten sozialen Fragen der Gegenwart. Er eröffnet jenen Mädchen, die gezwungen sind, sich auf eigene Füße zu stellen, eine ehrenhafte Bahn eigener Thätigkeit; er führt sie einer Beschäftigung zu, die volle Befriedigung gewährt und einem Stande, der in den Augen aller gutdenkenden Menschen ein hochachtbarer ist. Man beachte wohl, eine Krankenpflegerin wird zur besten Freundin des Hauses, in welchem sie in edler Selbsthingabe am Krankenbett gewaltet und dem Leidenden seine Qual erleichtert, den bekümmerten Familiengliedern durch ihr Thun Zuversicht in schwe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.