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Der Israelit · 1897-03-25 · Heft 24 (25.3.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 24 (25.3.1897)
Date
1897-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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448 Menschen in« Gedächtniß zu rufen, daß Gott nicht nur der ewig gütige und freundliche Gabenvertheiler, daß er auch der Richter aller Richter und der Herr aller Herren ist, und daß, wenn du, o Mensch, deine Schuld der Dankbarkeit gegen Ihn nicht in der von Ihm vorgeschriebenen Weise abzutragen dich für verpflichtet hältst, Er seine« Amte« als Richter und Herr walten wird, obgleich ('2) Seine Güte ewig währet, denn nur durch die fortwährende Dauer seiner Güte sucht er dich auf die richtigen Wege zu deinem Heile wieder zurückzuführen. Hat nun der heilige Sänger der Menschheit gesagt, daß sie stet« gegen Gott ihre Dankbarkeit zu beweisen habe, so genügt ihm die« indeß noch nicht. Er verlangt nicht nur dauernde, er verlangt ausschließliche Dankbarkeit gegen Gott. Nur zu leicht ist der Mensch geneigt selbst da, wo er Gottes Walten anerkennt und Ihm dankbar ist, wenigstens einen Theil seine« Glücke«, seinen eigenen Verdiensten zuzuschreiben. „Gewiß hat mir Gott Glück gegeben," hört man so oft die Menschen sagen. „Aber hätte er e« mir wohl gegeben, wenn ich nicht Tag und Nacht gearbeitet und mir jeden Biffen vom Munde abgespart hatte?" Diese irrige Meinung sucht der Psalmist in dem folgenden Verse zu zerstreuen. Gott ist es ganz allein, der die großen Wunder thut. Sicher sollst du die Hände nicht in den Schooß legen, denn wie könnte Gott sonst seinen Segen ruhen laffen auf all deinem Händewerk, das du thust; ob du aber mehr wie nothwendig arbeitest, oder ob du jeden Pfennig zusammenzufparen suchest, du bietest damit dem Allmächtigen keine Hilfe, wenn er dich beglücken will. Er kann seinen Frommen im Schlafe mehr geben, als die Frevler während der ganzen Zeit ihrer angestrengtesten Thätigkeit zusammenraffen können; Er allein ist der große Wunderthäter und kann jeglicher Hilfeentrathen. n ^'2 nVm rmh Hat nun der Psalmift den Dank gegen Gott durch Seine Eigenschaften als ewigen, gütigen Wohlthäter, als Richter, Herrn und Vollbringer großer Wunder begründet, so hat er doch nicht die ganze Menschheit von ihrer Dankesschuld gegen Gott überzeugt. Die Kleingläubigkeit war von jeher eine der vornehmlichsten Hinderungsgründe der Annäherung Israels an seinen Gott. Nicht seit heute und gestern sprechen die njiöK ’jop, diejenigen die klein im Glauben sind: es mag ja sein, daß Gott alle die großen Wunder vollbracht hat, aber es ist schon zu lange her. Niemand erinnert sich derselben mehr, wenn Er vor Jahrtausenden das Meer gespalten hat, sollen wir deßhalb heute noch an Seine Allmacht glauben? Diejenigen, die so sprechen, die von den rrfra der alten Zeit nicht« wissen wollen, weist der königliche Sänger auf die heute noch tagtäglich sich wiederholenden GottcSwunder rwana own ntryS. Betrachtet die Himmel, mit welch unendlicher Fülle von Einsicht Ec deren Wölbung gestaltet hat, betrachtet die Erde mit all ihren Naturkräftcn, wie Er sie an den Waffern ausgebreit^t, erschauet die großen Lichter, den feurigen Sonnenball, wie er tagtäglich mit erneuter Pracht emporfteigt, Mond und Sterne, wie sie die Nacht erhellen, und ihr werdet erkennen, daß die Wunder, die sich heute noch und immerwährend vor euren Augen abspielen, groß genug sind, um auch heute noch Gottes Allmacht zu begreifen und mit in den Ruf einftimmen zu lasten, daß Seine Güte, die vor Jahrtausenden Seinem Volke das Schilfmeer gespaltet, auch heute noch Wunder vollbringt und stets vollbringen wird, non abyb '2. Es giebt aber auch Menschen, die die gewaltigen Vorgänge in der Statur vollkommen unberührt laffen, ruhig gehen sie ihrem Tagewerk nach und für die großen Erscheinungen im Wellenraum haben sie weder Aug und Ohr. Wie sollen diese Gottes Fürsorge wahrnehmen, auf daß auch sie in den allgemeinen Dank miteinstimmen? Erkennet denn, so fährt der Psalmist fort, das Walten Gottes in der Geschichte! Habt Ihr für die Naturerscheinungen kein Verständniß, so wird Euch doch an dem was Menschen geschehen ist, die göttliche Weltlenkung offenbar werden. Das bedeutendste Ereigniß, das jemals Menschen widerfahren, ist der Auszug der Kinder Israels aus Aegypten, die Wanderung derselben durch die Wüste, der Kampf mit den mächtigen Königen Sichon und Og und die Uebergabe des heiligen Landes als Erbbesitz an die Kinder Israels. Diesen geschichtlichen Thatsachen sind die nunmehr folgenden dreizehn Verse des großen Dankliedes gewidmet. Sie sollen diejenigen zum Danke gegen Gott ermuntern, denen Seine Güte weder als Gnadenspender, Richter und Herr, noch Sein Wunderwalten in Welt und Natur offenbar wird. Das Studium der Geschichte der Menschheit und vornehmlich das Studium der Geschichte der Erstehung des Volkes, das Gott in Seinen besonderen Schutz genommen, bildet für diese noch einen Weg die ewige Güte des Allmächtigen, die sich in der Lenkung der Geschicke der Völker so wunderbar zeigt, zu begreifen. Sollten aber auch die Ereigniffe, die sich zutrugen, als das Haus Jakob das Barbarenvolk verließ und Sein Heiligthum die Tochter Juda's ward, keinen Eindruck auf euch machen, vielleicht weil diese Dinge schon gar zu lange hinter Euch liegen, so bedenket doch wnan: upnen ub nar w Watr, daß Er stets die Jahrtausende hindurch in unserer Niedrigkeit an uns dachte und uns stets von unseren Drängern erlöste, denn in jedem Geschlecht und Zeitalter sind sie wider uns aufgestanden, um uns zu vernichten, aber 'nvn ewig währet Seine Güte.

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