Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1897)
- Date
- 1897-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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436 seid, öffnet Euere Kaffen für Schulen und Lehrer Eueres Volkes und wachet selbst darüber, damit Euere Kinder einst nicht dem „Judenthume den Rücken kehren oder sich als Parias betrachtend, die feindlichen Hiebe mit entwürdigender Resignation aufnehmen!" Die Fruktifizirung des angelegten Kapitals würde in hohem Maaße gelingen, die ehrliche edle Arbeit der Lehrer würde einst herrlich gedeihen; denn statt, daß Andersgläubige unsere Lehre verständnißlos kritisiren Ti ds'n ans: und ein großer Theil unserer Brüder, von religiösen Zweifeln aller Art selbst angekränkelt und unfähig dem Einfluffe dieser Kritik zu widerstehen, würde eine allgemeine, klare UeberzeugungSlreue, dem ns: cnp*c« seinen Verrath an Wahrheit und Wiffenschaft nachzuweisen im Stande sein 'n rin ny-t pan nrriwi. Die Kenntniß der Gotteslehre wäre nicht mehr ein Programmstudium für Regierungsfunctionäre, sondern ein Gemeingut des Judenthums. Der finstern Unwissenheit der großen Maffe ginge endlich einmal ein hellleuchtendes Licht auf, dessen Strahlen vereint mit jenem Lichte der allgemeinen Wissenschaft und allen Errungenschaften der modernen Zivilisation, alle Feinde des Lichtes in ihre Dunkelheit zurückdrängen würde, wie der Tagesanbruch die Verbrecher verscheucht. D.T 1"v.1'22 21jm O2L71 Schließlich jene beglückende Befriedigung des treuen jüdischen Forschers, der bei jeder Lösung eines aufgekommenen Zweifels ein beseeligendes Gefühl empfindet, ähnlich demjenigen, welches der Mann der Wiffenschaft empfindet, wenn er nach jahrelanger Mühe zur Lösung eines Problems endlich sein Eureka auSzurufen vermag. — Kein redlicher Mensch würde es wagen einem mrr, der seine größte Befriedigung im Thorastudium findet und mit dem Psalmiften ruft ^D2n am 'vdrm je mm * ans. „Ich ziehe Deine Lehre dem Golde und Silber vor", den Vorwurf eines Mangels an Idealen zu machen. pK nsoitr nein c'28c rwan. Und nun Ihr Reichbegüterten, überleget; nehmet Lehre an, Ihr richtenden Vertreter des Volkes! Salomon Kohn. Palästina. Jaffa, 4. Adar scheni. Der Verein mw", der hier in Jaffa unter dem Vorsitze der Frau Dr. Stein sich der jüdischen Armenpflege widmet und dessen Einkünfte ausschließlich den zahlreichen wirklich bedürftigen Juden Hierselbst zufließen, veranstaltete am vergangenen Mittwoch einen Gesellschaftsabend verbunden mit einer Wohlthätigkeitslotterie, zu der die Gewinne von den Damen geschenkt wurden. Wenn man bedenkt, daß die Mittel, über die der Verein verfügt, lediglich aus Jaffa und den Kolonien sind, so ist es um so erfreulicher zu vernehmen, daß der Reinertrag, den das Fest ergeben, die Summe von 550 Francs noch übersteigt. Auch das Fest selbst gehört zu den gelungensten Veranstaltungen, welche die jüdische Genreinde hier in Jaffa kennt. — Herr Elia Scheid kam am vergangenen Freitag nach Jaffa, um sich zuerst nach Ri schon l'Z i o n zu begeben, wo er über Sabbat blieb. Am Sonntag früh begab er sich gegen Norden, um die dortige Kolonie zu besuchen. — Herr Prof. Schechter aus Cambridge, der bekannte Gelehrte auf dem Gebiete der hebräischen Sprache, hat eine Reise nach Kairo und Palästina gemacht. In Kairo soll er eine reiche Ausbeute handschriftlicher Funde gemacht haben. Iermlschtes. Berlin. Der neue Vorsitzende des Berliner konservativen Wahlvereins Frhr. von Langen erläßt in Berliner Blättern eine Erklärung, welche geeignet ist, berechtigtes Aufsehen zu erregen. Die Erklärung lautet: „Aus verschiedenen Berichten über den Berliner konservativen Parteitag ersehe ich zu meinem Befremden, daß die von mir bei dieser Gelegenheit gehalt ne Rede über das konservative Programm völlig entstellt reproduzirt worden ist. Die Darstellung muß den Anschein erwecken, als entsprechen meine Ansichten denjenigen der Antisemiten. Demgegenüber möchte ich betonen, daß ich in meinem Vortrage gerade ausgeführt habe, ich stände weder auf antisemitischem noch auf christlich-sozialem Boden, ich hielte vielmehr den Einfluß jener Elemente, die am lautesten „Juden raus!" zu rufen pflegen, für den allergefährlichsten für unser Volksleben! Ich bitte, diese meine Erklärung veröffentlichen zu wollen, da mir daran gelegen ist, daß gerade bei Antritt meines neuen Amtes als Vorsitzender des Berliner konservativen Wahlvereins keine Zweifel über meine politischen Ziele aufkommen können" — Bekanntlich gehörte Freiherr von Langen seiner Zeit zu den eifrigsten Protektoren des Ahlwardt. lempora. mutantur. Münzen. Die Zahl der Juden in Bayern war nach der Volkszählung vom 2. December 1895 53,750, was gegen 1890 eine Verminderung um O.25 pCt. bedeutet. Die Ursache wird, abgesehen von Domizilveränderungen, vornehmlich in Eheschließungen mit Christen und den damit verbundenen Konvertirungen erblickt. Die Verhältnihzahl der israelitischen Geburten bleibt hinter der allgemeinen Geburtenziffer nicht unerheblich zurück. Von 1891—1895 zusammen war das Prozentverhältniß der israelitischen Neugeborenen (5425) zu den überhaupt in Bayern geborenen Kindern •< 1,034,098) 0.5 pCt. Das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung zur Gesammtbeoölkerung war 1890 1 pCt, 1895 0.9 pCt Würzvrrrg. Herr Dr. H. Weißenberg aus Eichau (Oberschlesien) ist von Prof Röntgen zu seinem ersten Assistenten ernannt worden. Petersburg. Se. Majestät der Kaiser hat den gefeierten Bildhauer Antokolsky aus Anlaß seines fünfundzwanzigjährigen Künstler-JubiläumS zum Wirklichen Geheimrath ernannt. Es geschieht zum ersten Male, daß einem unserer Glaubensgenossen in Rußland diese Würde verliehen wird. In Perth (Westaustralien) wurde der Grundstein zu einer Synagoge in höchst feierlicher Weise gelegt. Rabbiner Boas aus Adelaide hielt die Einweihungsrede; der Oberrichter präsidirte.