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Der Israelit · 1897-03-22 · Heft 23 (22.3.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 23 (22.3.1897)
Date
1897-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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435 für diese Berufszweige Rath zu schaffen und ihnen die höhere Beamtencarriere ohne Preisgabe des rav zu eröffnen? Muffen sie nicht vielmehr fürchten, durch das für die Kaufleute^gegebene Beispiel die Widerstandsfähigkeit so manches tief religiösen Gemüthes in diesem Kreise zu brechen und die Zahl derjenigen zu mehren, die ihr Fortkommen leider nur im Verrath an rav finden? Hat aber wirklich erst die Sonntagsruhe den rav bbn herbeigeführt? War derselbe nicht vielmehr leider schon lange vorher in ausgedehnten Kreisen vorhanden? Ist doch, gestehen wir dieses offen, das Gesetz der Sonntagsruhe nur ein neues Moment, welches die Feier am mv erschwert und theils sogar nur bereits schwer mit dem Dasein ringenden Existenzen zum Oeffnen der Geschäfte als Vorwand dient. Wie aber handelte man in ähnlichen Lagen zur Zeit des Talmuds? Sah man irgend ein Gesetz bedroht, dann verschärfte man es; hielt man die große Menge nicht für verständig genug, von einer gesetzlichen Erlaubniß ohne Gefahr für die betreffende nirw Gebrauch zu machen, verbot man das Erlaubte einfach, ohne Rücksicht auf andere Jntereffen, die ein Gewähren erheischen. Ich weise auf '”p pfcn und auf die bekannte Stelle in wa bezüglich des Bestattend einer Leiche am ':v tr» und auf rav to^p hin. Ich will ja gerne zugeben, daß manchem Rabbiner das Herz schwer wird, wenn er in die Lage gebracht wird, eine Entscheidung nach der einen oder anderen Seite treffen zu müssen, aber ein klarer Blick für die Regungen menschlichen Denkens und Fühlens wird ihm ander Hand umfassender Gesetzeskenntniß die einzig richtige Bahn zeigen; deßhalb verzagen auch Sie nicht, mein Lieber, trotz offenbaren Abfalls oder innerlicher Leichtfertigkeit. Sie sehen, ganz unerwartet trifft man Genossen, die von gleichen Gesinnungen beseelt werden. Lassen Sie sich in Ihrer Auffassung nicht erschüttern und wenn es Ihnen gelingen sollte, nur einem Schwankenden durch Ihre Correspondenz aus Norddeutschland ein Halt! entgegen zu rufen und ihm den Abgrund zu zeigen, vor welchem er sich befindet, dann dürfen Sie sich glücklich preisen." .nwm pxc ne* Peine (Hannover). In dem Leitartikel der Nr. 21 Ihrer geschätzten Zeitung führen Sie als Beweis für den in der Provinz Hannover herrschenden Antisemitismus die Thatsache an, daß hier zu Lande kein Jude als Bürgervorfteher gewählt wird. Erfreulicherweise bin ich in der Lage, Ihnen die Mittheilung zu machen, daß der Bankier Herr Siegmund Seckel hier, unser Synagogenvorsteher, erst neulich mit großer Majorität trotz eifriger Agitation seitens des hies. antisemitischen Vereins zum dritten Male als Bürgervorsteher gewählt worden ist. In dieser Eigenschaft wirkt er in den städt. Collegien auch als Worthalter, ein erfreulicher Beweis, daß man auch hier die Vorzüge und Tugenden eines Juden zu schätzen weiß. 3. Frankreich. Paris, im Adar. Das schnell verhallte Wort unseres glänzendsten Kanzelredners zur Abwehr des Antisemitismus und die denselben Zweck verfolgenden Streit- und Schmähschriften, verhalten sich zu einer gedeihlichen Entwickelungsmethode im jüdischen Gemeindekörper, wie die Theorie sich zur Praxis verhält Denn, so wie der Kampf gegen die verheerende Phylloxera nur bei sorgsamer Pflege des Bodens und der Anpflanzungen einen Erfolg erwarten darf, so wirkt das Wort und Schrift nur bei thalsächlichem praktischen Eingreifen zur Erhaltung der Lebensbedingungen der Nation ^xnr rra? n vis 's. Förderung der Thorakennntniß in allen Bavölkerungsschichten durch ernstes, eingehendes Quellenstudium, dürfte in Frankreich sich als Mittel gegen Antisemitismus am Besten bewähren, weil die Plage verhältnißmäßig jung und weil der tiefere Grund der verheerten Oberfläche auch kerngesunde Keime ans Licht zu fördern vermöchte pnan ncarn pxe vvx sptw v've>v. Der Erde, welche heilige Reste jener Männer in sich birgt, deren ro Israel feine Existenz verdankt, nvn ' s n^xn mann dürfte ja endlich durch die himmlische Gnade das Heil entsprießen, welches in unserer vvx rrro niedergelegt ist. Gleichwohl erwarten wir nicht eine kräftige Initiative in dieser einzigen H-älesrichtung vom Volke selbst. — Dieses frei umherirrende Lamm, das schon seit langer Zeit keinen Führer haben will, rafft bei großer Gefahr sich wohl stürmisch auf, allein 7i twnn xb nicht im stürmischen Niederreißen, auch nicht im Feuer einer jugendlich momentanen Aufwallung liegt der Weg Gottes; es muß vielmehr eine Action von den Oberen aus gehen. An die mn cyn ’it»xe die berufenen Führer dieses Volkes, all diejenigen, die in Wort und Schrift zeigen wollen, daß sie die Quellen des Uebels genau kennen, ergeht die himmlische Stimme vom 2-m: Leget selbst Hand an, diese mir bv rrabv Schande der Gotteslehre von Euch abzuwälzen! Seid Ihr ja alle einig, daß nur Unwissenheit der jüdischen Lehre die einzige Gefahr bildet für die Existenz der Heranwachsenden Generation; warum suchet Ihr also Aerzte und Heilmittel dort, wo man an keine Gefahr glaubt, oder aber an keine Genesung? Werdet selbst Lehrer im einfachsten Sinne! Unterrichtet in Schrift und Wort anstatt zu predigen und zu schriftstellern! Auch an die, durch ihre hohe soziale Stallung, den Angriffen unserer Feinde mehr ausgefetzten Männer, ergeht der Ruf: Leget Euere Kapitalien an, in einem Unternehmen, das Ihr selbst zu gründen berufen

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