Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 23 (22.3.1897)
- Date
- 1897-03-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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482 Will man nun dem Vorbeugen und richtige Monate haben, so hat man wieder keine richtigen Jahre. In der That haben die Muhamedaner richtige Monate, aber ihr Jahr hat 354 Tage; beginnt also ihr Jahr in diesem Jahre am 1. April, so beginnt es im nächsten am 20. März, im folgenden am 0. Mär-, im folgenden am 26. Februar und so fort, so oaß in der Jahresbestimmung der Muhamcdaner die größte Unordnung herrscht und ihre Daten sich durchaus nicht an^bestimmte Jahreszeiten binden. Das einzig Richtige und Wahre hat der jüdische Kalender. Unsere Monate sind dem Monde analog bestimmt und unsere Jahre sind Sonnenjahre. Unsere Monate beginnen mit dem Neumonde, haben ihre Mitte mit dem Vollmonde erreicht und schließen wieder zur Neumondszeit ab. Unsere Jahre theilen sich regelmäßig mit den Jahreszeiten ein; immer ifl's im TamuS Sommer, im Tischri Herbst, im Tebeth Winter und in N»ffan Frühling. Dieses Wunder hat der jüdische Kalender dadurch erreicht, daß während eines Mondcyclus von 19 Jahren sieben Schaltjahre sind, in welchen jedesmal ein Monat eingeschaltet wird; dadurch gleichen sich die Mondjahre mit den Sonnenjahren fast vollständig aus. Wir wollen hier die betreffende Rechnung folgen laffen. Die Umlaufzeit des Mondes beträgt 29 Tage 12 Stunden 793 Theile; demnach hat das gewöhnliche Jahr von 12 Monaten 354 Tage 8 St. 876 Theile. Da in einem Mondcyclus 12 gewöhnliche Jahre sind, so enthalten, diese 4252 Tage 9 St. 792 Theile. Das jüdische Schaltjahr hat 13 Monate, mithin 383 Tage 2 t Stunden 589 Theile, also enthalten die 7 Schaltjahre des Mondcyclus 2687 Tage 6 St. 883 Theile. Addiren wir die beiden Produkte, so erhalten wir 6939 Tage 16 St. 595 Theile. — Das Sonnenjahr hat 365 Tage 6 Stunden, folglich erhalten 19 Sonnenjahre 6939 Tage 18 Stunden. Es beträgt demnach die Differenz nur 1 Stunde 485 Theile. Hieraus ergibt sich mir Evidenz, daß unsere Jahre Sonnenjahre, unsere Monate aber wirkliche Monate, d. h. Mondmonate sind. Eine solche Kalenderrechnung, so präcis und genau, hat kein anderes Volk der Erde, oero'ai eeneen x>n *2. „Daraus ergibt sich die Weisheit und Einsicht Eurer gottgeoffenbarten Religion." Es erübrigt nun noch, daß unsere Zeitbestimnmng sich.noch mit der Wocheneintheilung in Einklang setze, um alle Factoren in sich vereinigen. Wir haben oben bereits gesagt, daß das Sonnenjahr 365 Tage 6 Stunden zählt. Hat nun Gott der Sonne beim Beginne des vierten Wochentages ihre Stelle im Weltenraume angewiesen, so beginnt das nächste Sonnenjahr in Wirklichkeit, nachdem 365 Tage 6 Stunden, das sind 52 Wochen 1 Tag 6 Stunden verfloffen sind, also nach 6 Stunden vom fünften Wochentage, das nächste nach 12 Stunden vom sechsten Wochentage, das nächste nach achtzehn Stunden vom siebenten Wochentage und sofort, nach vier Jahren wird also das Jahr wieder mit dem Beginne der Tages anfangen, aber des zweiten Wochentages, denn vier Jahre bringen fünf Tage mehr als eine gerade Wochenzabl. Es müssen demnach siebenmal 4 Jahre oder 28 Jahre verfließen, bis die großen Welteuköiper genau so wieder Stellung wie zur Zeit der Schöpfung zu einander genommen haben. Nach 28 I hren also wird das Sonnenjahr wieder mit bem Beginne des vierten Wochentages wie zur Zeit der Wellschöpfung anfangen, und diese 28 Jahre bilden einen Sonncncyclus. Für diesen Zeitpunkt nun haben unsere Weisen das nvnn enn^ vorgeschrieben, welches am 5. Niffan d. I. statthaben wird. Dividiren wir nämlich die Jahre der Welt durch 28, so werden wir finden, daß nunmehr 2u2 Sonnencyclen verfloffen, und daß mit diesem Jahre 5657 der 203. Cyc'us beginnt. Es werden wohl viele Leser die Frage aufwerfen, warum das Kidbusch Hachammah nicht mit denr Beginne des Jahres in Tischri stattfindet. Diesen diene zur Antwort, daß die Schöpfung nach der maßgebenden Ansicht des Rabbi Josua ben Chananjah in der That in Niffan und nicht in Tischri stattgefunden hat, daß das bürgerliche Jahr aus anderen Gründen mit Tischri beginnt und daß wir am Nosch Haschanah nur in uneigentlichem Sinne beten -ptryo n^nn crn nt (Siehe Toßaphot Rosch Haschanah 27. imtiis (snv2). lieber die Art und Weise des Kiddusch Hachammah war Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger in Würzbnrg*) so freundlich, folgende Regeln festzustellen: $ l. Mittwoch den 5. Niffan (7. April) findet tmp nenn statt. § 2. Die eigentliche Zeit hiezu ist der erste vierte Theil des Tages und zwar nach folgender Berechnungsweise: man rechnet von nmyn moy bis D'raan nxx; hierbei wird besonders aufmerksam gemacht, nntrn ney nicht mit nenn pn zu verwechseln, indem ersterer vor Letzterem eintritt, vergl. § 6. $ 3. Die eigentliche Bestimmung der nenn tynp neu ist beim Ansichtbarwerden des Sonnenkörpers, rcsp. dessen Strahlen, selbst dann auch, wenn die Strahlenentwicklung durch Gewölke etwas verdeckt, deren Merkmal aber durch das Gewölke dennoch sichtbar, vergl. $ 4. § 4. Sollten in dem im § 2. erwähnten ersten vierten Thei^ des^ages Sonnenstrahlen, selbst in der im *) Rabbi Seligmann Bär Bamberger Wt. Red.