Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1897)
- Date
- 1897-03-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXT1II. Jahrgang. Erste Zeilaye M M 22 des „Israelit". Literarischer Bericht. m-D *vsp. Das Gcbct - Nebe»sctzk« als Gevet-„Unterricht." Ein Leitfaden für Schule und Haus nach den Grundsätzen der Herbart- Zillerschen „Jnteresie-Bildung". Von Dr. I. Goldschmidt, Großherzoglicher Rabbiner in Offenbach a. M. 1. Heft 25 Pf. Herr Dr. Goloschmidt hat in seinem höchst rühmlichen Streben nach Belebung des vielfach leider vernachlässigten Religionsunterrichtes die Methodik d s Gebet-Uebersetzens zum Gegenstände eines Umgestaltungsversuches gemacht und legt der Lehrerwelt eine Probe in Form eines — 1 Bogen starken-ersten Heftchens vor.. Außer dem, was der angegebene Titel besagt, wollen wir hier nur bemerken, daß der Verfasser cm? diesen 16 Seiten die Gebersstücke von pnx bis fast an die D’m pur nx rnpu rrc behandelt. An einem, aller Schwierigkeiten des Gebet- Wortlautes entkleideten Normalsatz fügt er die den Wortschatz befestigenden und den Inhalt durcharbeitenden Fragen und Antworten in hebräischer Sprache an, in deren Behandlung dann die etwa vorher fortgebliebenen, schwierigeren Ttxtesmorte Vorkommen, sodaß der Schüler alsdann den Text ohne Schwierigkeit wird übersetzen und erläutern können. Ob diese Methode, bei welcher man nach der vom Verf. beigegcbenen Anleitung anfangs „so langsam als möglich" fortschreiten soll, empfehlenswerth ist, oder ob nicht etwa die für die einzelnen Disc'plinen ^es Religionsunterrichts knapp bemessene Zeit ihre Anwendung verbietet, ob es überhaupt wünschensmerth erscheint, die Konverfationsmethode zur Erlernung der hebräischen Sprache anzuwenden, die ja doch die Sprache des täglichen Lebens in Deutschland weder werden soll noch will — diese Fragen sollen jetzt nicht erörtert werden. Der Verfasier unterbreitet seinen Versuch, der von ihm wahrscheinlich praktisch geprüft sein wird, der Praxis seiner Kollegen im Religionsunterricht, und diese Praxis soll s. Z. ihr Urtheil sprechen. Was mich schon heute, nack der Lektüre des Heftes, zur Besprechung veranlaßt, sind Mängel desselben, die sich sofort ergeben und die sicherlich schwerwiegend genug sind, um ein Urtheil oder vielmehr eine Ablehnung schon jetzt zu rechtfertigen. Statt einer Einleitung gibt der Verfasier eine Reihe von Thesen, deren erste, anscheinend unverfänglich, dennoch unbedingt unseren Widerspruch Hervorrufen muß. Sie lautet: „Die Religionsschule ist eine Vorhalle zur Synagoge." Dieser Satz wäre richtig, wenn er bedeuten sollte, daß der Religionsunterricht, der, wie jeder Unterricht, non scliolae, sed vitae ertheilt wird, auch zur Theilnahme am Gottesdienste in der Synagoge vorbereiten soll. Diese Auffasiung verbietet uns aber der Verfasier, wenn er fortfährt: „Das Gebet-Uebersetzen muß daruni ganz und voll zum Mittelpunkt unseres Religionsunterrichtes gemacht werden." Wohl sind die Gebete geeignet, als „lebendiges Eigenthum der Kinder" diese für die Religion zu begeistern; wir glauben jedoch, daß der ru:n-Unterricht derjenige Theil des Religionsunterrichts ist, der, weil am meisten geeignet, dem Schüler dieKenntniß der Lehren unserer heiligen Religion zu vermitteln, voll und ganz Mittelpunkt des Religionsunterrichtes werden muß. Aber es scheint, daß der Verfasier darauf keinen so großen Werth legt und sich damit begnügt, wenn die Schüler für den Gottesdienst in der Synagoge befähigt werden; den Gottesdienst, den des wahren Juden Leben darstellt, — erwartet oder — wünscht er bei seinen Schülern nicht??- Die Übersetzungen sind durchaus nicht einwandsfrei, sie suchen vielfach Neues und Gekünsteltes, womit wir uns weder formell noch sachlich einverstanden erklären können. Herr Dr. G. übersetzt: 'i psn mra umx „Es ist der Wille des Ewigen, daß wir uns üben in seiner Lehre", und ebenso später: w»? Surr 'u „wer sich üb t"; er übersetzt also den d'r-'LN mit: „sich üben", während er unmittelbar darauf den Wortlaut des Gebettextes u^:nnr wieder einführt und dieses mit „daß Du uns übest" übersetzen läßt. — Ebenda wendet er, ohne jeden Grund wechselnd, die verschiedenen Konjugationen des Zeitwortes pn in vollkommen gleicher Bedeutung an. — Auf die Fragen un:x no u. s. w. läßt der Verfasier die richtige Antwort geben: ^on, aber ganz ohne jeden äußeren Grund und ohne innere Berechtigung beantwortet er die weiteren Fragen, uro nu u. s. w. mit: u'p^x "i, während das Gebet doch zweifellos sagen will: „Unsere Kraft, y n s e r e Stärke u. s. w. sind n i ch t i g." Am lebhaftesten müssen wir aber folgender Aenderung — ich bemühe michkeinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen — widersprechen. Der Verfasser offenbart seine, unsrem stets auch in diesen Blättern vertretenen Standpunkt diametral entgegengesetzte Ansicht über Grundlehren von pmn baburcB,. daß er am Schluffe des nur: 'p^x-Gebetes eine neue, sprachlich schwierigere Uebersetzung gibt, die inhaltlich keinesfalls leichter ist als die richtige und daher auch nicht aus pädagogischen Rücksichten vorgezogen sein