Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1897)
- Date
- 1897-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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414 Nikolaus befahl, jüdische Kinder im zartesten Alter den Eltern zu entreißen und sie zu Soldaten zu erziehen. Im Dunkel der Nacht drangen die Häscher in die jüdischen Häuser ein, rissen die armen Kinder aus ihren Bettchen und ohne sich um den herzzerreißenden Jammer der Eltern zu kümmern, wurden die unglücklichen Opfer gefesselt und fortgeschleppt. In der Regel übergab man sie russischen Bauern zur Erziehung, die sie nicht nur als ihre Sklaven behandelten, sondern nicht eher mit ihrer Grausamkeit und Marter aufhörten, bis die Kleinen entweder zu Grunde gingen, oder die Religion der Väter abgeschworen hatten. Viele unterlagen der Verführung, aber auch nicht Wenige gingen siegreich aus diesem entsetzlichen Kampfe hervor. „Ich hatte einen Bruder, der fast dreißig Jahre jünger als ich war, einen hübschen, geistreichen und vielversprechenden Knaben. Er war der Augapfel meiner Eltern, der Liebling Aller, die ihn sahen. Der Knabe wuchs heran zum Stolze uud zur Freude seiner Eltern, zur Wonne seiner Lehrer und als er sein zehntes Jahr erreicht hatte, war er der Liebling der Gemeinde und der Rabbiner; denn man vermuthete in ihm eine aufgehende Leuchte des Judenthums. Da erschütterte ein erschreckliches Ereigniß unser Glück und vernichtete mit jähem Schlage alle unsere Hoffnungen. „In einer kalten Winternacht, als wir eben im Begriffe standen, unser Lager aufzusuchen, erdröhnten plötzlich furchtbare Schläge gegen unsere Thür. Mein Vater öffnete das Fenster und fragte, wer zu dieser späten Stunde noch Einlaß begehre. „Im Namen des Kaisers, Jude, öffne!" befahl eine barsche Stimme. (Fortsetzung folgt.) Unser Ureisaus schreiben zur Erlangung einer geeigneten Melodie zu dem von uns in Nr. 2 dss. Jahrgangs zum Abdruck gebrachten Gedicht hat eine große Zahl von Einsendungen zur Folge gehabt. Den ausgesetzten Preis für die beste Arbeit hat Herr Musikdirector Heinrich Rnpp, Mainz, Willigisstraße, mit seinem unterdem Motto: „Wir sind alle Brüder eines gütigen Vaters", eingereichten Liede davongetragen. Wir haben die Vervielfältigung der Composition der rühmlichst bekannten Kunstanstalt Röder in Leipzig übertragen und lassen die Exemplare einer unserer nächsten Ausgaben beilegen. Als Preisrichter fnngirten drei hiesige Capacitäten und zwar der als erste Autorität bekannte Herr Städt. Kapellmeister St.ch, Herr Schl., Dirigent des Chores des Synagogengesangvereins und Herr Concertmeister B. Als nächstbeste Arbeit wurde die des Herrn S. L. Ehrlich, Obercantor in Oppeln, befunden, deren Abdruck wir uns für eine andere Gelegenheit Vorbehalten. Mainz, den 17. März 1897. Urdartion des Israelit. Der „Israelit" erscheint wScheHtlich zweimal, Stoatafrs und Donzeritacn, jedeSmal in mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mart ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Kuchhaudet verkehrt durch E F. -tetnacker, -etpstg, fiohplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Tine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Manuseripte« findet nicht statt, man bittet de-haib, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Mehr Licht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Fürth Mannheim. Aus Baden. Straßburg. Rußland: Petersburg. Griechenland: Korfu. — — Vermischtes. — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage r Literarischer Bericht. — Aphikomen.-Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Frankfurt a. M. — Vermischtes. Belletrist. Beilager Der Sendbote. Von M Kiuinski-Wuß. — Gedicht: Die Blume (hebräisch). Verantworlliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schcn Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen