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Der Israelit · 1897-03-18 · Heft 22 (18.3.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 22 (18.3.1897)
Date
1897-03-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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B;’^twh-;v^‘^T5,'T^WF5*t;- 412 theils wieder nach der türkischen Hafenstadt Parga, die unserer Insel gerade gegenüber liegt, senden. Die jüdischen Soldaten des Königreiches leisten bereitwilligst dem königlichen Befehle Folge, da sie wohl misten, welchen Dank sie dem Könige und dem Lande schulden, die ihnen volle Gleichberechtigung gewährt haben und auch ihrem Cultus die gebührende Achtung und Beschützung angedeihen lasten. Vermischtes Berlin Wegen Störung des jüdischen Gottesdienstes wurde von der vierten Strafkammer des Landgerichts I gegen den Handelsmann Baruch Langsner aus Kiel unter Ausschluß der Oeffentlichkcit verhandelt. Wie aus der öffentlich erfolgenden Urtheilsverkündung hervorging, betrat der Angetlagte eines Tages das jüdische Betlocal in der Mulackstraße und rief in den Gesang des Borbcters laut hinein; „Ihr Schmarotzer, Schnorrer. Spitzbuben!" Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefängniß beantragt; der Gerichtshof erkannte auf eine Woche Gefängniß. Wiesbaden. „Neligionsdisputation im Mittelaller" lautete das Thema des Vortrages, den Herr Prof. Dr. S u l z - b a ch aus Frankfurt a. M. im Verein für jüdische Geschichte und Literatur im Saale des „Badischen Hofes" hielt Redner erörterte Eingangs die Bedeutung der Religiosdisputationen, der öffentlichen theologischen Gespräche, welche zur Ausgleichung streitiger Lehrpunkte zwischen namhaften Vertretern der streitenden Theile veranstaltet wurden. Diese Rcligionsgespräche seien besonders im Mittelalter beliebt gewesen, hätten aber immer ein ungleiches Kampffeld mit ungleichen Waffen gebildet. denn meistens sei es die Majorität, welche die Minorität herausfordere. In besonders bedenklicher Lage seien stets die Juden gewesen, wenn sic zu einer öffentlichen theologischen Disputation herausgcforvert worden seien; derartige theologische Wettkämpfe hätten entweder die Duvcrtüre zur Verfolgung der Juden oder den Beschluß derselben gebildet. Der Vortragende führte nun aus der jüdischen Geschichte eine Rei!^e solcher öffentlicher Rcligionsgespräche an. Er begann mit dem Zeitpunkte der Eröffnung der Kreuzzüge um's Jahr 1263, als unter Papst Gregor IX jüdische Verfolgungen und Zivangstaufen an der Tagesordnung gewesen seien und betonte ferner, daß in der Regel von abgefallenen Juden, die |um Christenthume übergetretcn seien, den Apostaten, die öffentlichen Anklagen gegen das Judeuthum ausgegangen seien. Ein solcher sei auch ein Berather des Königs Karl IX. gewesen und habe in dieser Eigenschaft die Juden und besonders die jüdischen Lehren des Talmud angeschwärzt, die „Gemeingefährliches" gegen Andersgläubige und Christen enthalten sollten; derselbe habe eine Untersuchung über die Lehren des Talmud durch eine Commission beantragt. Die Commission habe den Talmud zum Scheite. Haufen verdammt. Das Urtheil sei jedoch nicht zur Ausführung gelangt, sondern es kam unter dem Vorsitz der Königin Muttei zu einem öffentlichen Religionsgespräch in Paris, welches zu Gunsten der Rabbis ausfiel; einige Jahre später kam es aber doch zur Verbrennung einiger Exemplare des Talmud. Später unter König Jacob fand wiederum eine Disputation statt zwischen dem Frater Paul und dein Rabbiner Lachmann, die schließlich dahin endigte, daß Lachmann bezüglich seiner Ansicht von der „Meßianität" durch den Papst des Landes verwiesen wurde. Im Jahre 1335 traten Apoüate auf, die das Judenthum beschuldigten, daß außer den christlichen Religionsschändungen der Talmud in feinen Gebeten eine Fluchformel gegen die Christen enthalte. In Tortosa wurde dann später unter Papst Benedict eine Disputation abgehalten, an welcher 70 geistliche und weltliche Würdenträger theilnahmeu, wie eine Anzahl gelehrter Rabbis. Dieselbe endigte mit dem Spruch: Der Talmud müsse verbrannt iverden und jeder Jude Abzeichen tragen. Redner ermähnte noch mehrere solcher Gespräche, besonders das aus dem Jahre 151-1, als die Juden plötzlich beschuldigt worden seien, das; sie ihr Osterbrod mit Christcnblut würzten, eine Beschuldigung, die vor Jahrhunderten die Heiden gegen die ersten Christen erhoben hätten. Rabbi Thomas habe dem König Alfonso schlagend nachgewiesen, daß diese Beschuldigung fälschlich und nur aus 'Neid gegen die Juden, wegen Anhäufung des Reichthums in ihren Händen entstanden sei. Auch heute noch sei jeder Jude gegen den Genuß jeglichen Blutes, daher hätten fi * auch das „Schächten" eingesührt. Den sachlich und wissenschaftlich gehaltenerr Vortrag lohirte die Zuhörerschaft durch lebhaften Applaus. Berent, 10. März. Ein schönes, wahlgelungcues Ft st mar cs, welches unser jüdischer Fraucn-Veiein gestern seinen Mitgliedern und Gönnern veranstaltet hat. Am Nachmittag fand in einem öffentlichen Saale die Ziehung der Lotterie statt, zu der von der königl. Regierung bereitwilligst die Bewilligung crtheilt und die kostenfreie Abstempelung der Loose genehmigt wurde. Auf einer langen gedeckten Tafel lagen wohlgeordnet die zur Verloosung gespendeten Gegenstände, welche denr glücklichen Gewinner sofort ausgefolgt wurden Der Abend war der Freude und der Geselligkeit gewidnret. Auf den mit tiefer Empsinduirg vorgetragencn Prolog folgten zwei Theaterstücke, die von den Mitgliedern des Vereins aufgeführt wurden Gesang und Musik übten sodann ihre erheiternde Wirkung auf die Gcmüther aus. Der Reinertrag der Verloosung und der Veranstaltung dient zu mildthätigen Zwecken, zur Unterstützung armer Wittmen und Waisen und zur Förderung armer Kinder in ihrer religiösen Ausbilvung. Ein Theil des Ertrages wird arrch den Armerr der beiden andern Confessionen zugewendet. So schieden die Mitglieder von einander mit dem Bewußtsein, einen schönen, fröhlichen Abend verlebt und ein edles Werk gefördert zu haben. Unserem verehrten Rabbiner Herrn Dr. Münz gebührt aber warmer Dank für die Sorgfalt und Liebe, die er unserem Franen-Verein zuwendet und ihn in jeder Weise zu fördern sucht. Seinen Bemühung n verdanken wir das Zustandekommen der Verloosung und den Aufschwung, den nufer Verein nimmt. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. Von Maurice Mavon 8) „So darf der Mensch, ganz besonders der Jude, nicht denken, lieber August! Die Religion ist kein Hinderniß, sondern eine Wohlthat für die Menschheit. Sie übt beu heilsamsten Einfluß auf den Geist des Menschen, weil sie ihn befähigt, seine Denkkraft zur vollen Geltung zu bringen! Ja, sie verleiht selbst seinen sinnlichen Bedürfnissen einen höheren Reiz, eine himrnlische Weihe. Laß' ab lieber August, von der unsinnigen Leidenschaft! Die-Scheidewand, welche die Religion zwischen Dir und ihr aufgerichtet hat, ist Deine und meine Wohlthäterin. Ach, wie hätte ich Dich sonst so tief und schmerzlich beklagen müsten, ganz wie einst" ....

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