Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1897)
- Date
- 1897-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448727--43567-2492622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
411; . 'i„r-:-w&!3f$.yr flochten hat, daß die Israeliten des Landes die religiösen Gefühle ihrer christlichen Mitbürger achten, so ist diese in einem bei den Großh. Bezirksämtern und Ministerien gelesenes Verordnungsblatt nur ein trrip dpx Ist der Dialog zwischen dem Schochet und dem katholischen Metzger nicht erdichtet, sondern wahr, so verstehen wir nicht, daß der Schochet bei dieser Notwendigkeit seine Funktion nicht ausgeführt hat, zumal er eine etwaige Geldstrafe auf den Metzger vorbedingen gekonnt hätte. W. Aus BadtU Großh. Oberrath der Israeliten hat unterm 4. d. M. verfügt, daß in sämmtlichen Synagogen des Landes die Feier des hundertjährigen Geburtstags des hockseligen Kaisers Wilhelm I. durch ein FestgottcsKenst begangen werden solle, und zwar am Samstag den 20. März. Diese gottesdienstliche Feier soll darin bestehen, daß beim vormittägigen Hauptgottesdienst vor dem Gebete für Kaiser und Großherzog Nachfolgendes eingeschaltet wird: 1. Feierlicher Vortrag des Psalms 23, wechselweise durch den Vorsänger und die Geineinde oder den Gesangchor. 2. Vortrag des eigens hierzu verfaßten Gebets bei geöffneter, heiliger Lade. 3. Vortrag des Psalms 150 in derselben Weise, wie bei Nr. 1. Für solche Gemeinden, in welchen stch der Sitz eines Rabbiners und ein Synagogenchor befinden, wird eine weitere Ausgestaltung der Feier durch Predigt und Lied anheimgeftellt. Wenn eine Predigt ftattfindet, kann Psalm 150 wegbleiben und das eigens hierzu verfaßte Gebet entsprechend gekürzt werden. W. Stratzburg, 10. März. Das „Straßburger Tageblatt" schreibt: „Rabbi Akiba", hatte sich am Sonntag Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Basel zum Thema eines besuchten Vortrags, im Cobettsaale gewählt. Der Vortragende ist ein seltener Kenner des Talmuds und weiß lebendig und ergreifend zu erzählen. Besonders intereffant war seine Schilderung, wie Rabbi Akiba als unwiffender, armer Jüngling, um eines reichen Patriciers Tochter Rahel freite, die ihm wohl Gegenliebe brachte, aber erklärte: Armuth schändet nicht, aber ein unwiffender Mann ist ein Unglück für die Frau. Zwölf Jahre verwandte Rabbi Akiba zu fleißigem Studium und kehrte als hochgelehrter, geachteter und berühmter Mann zurück, um Rahel heimzuführen. Ein packendes Bild von dem Leben Beider, reich an intereffanten Einzelheiten entwarf sodann der Redner, dem für seinen schönen Vortrag der lebhafteste Beifall zu Theil wurde. Rußland. Petersburg. Wie der „Ostpr. Gen.-Anz." einem Privatbriefe entnimmt, sind in Spola, Gouvernement Kiew, am Dienstag rmd Mittwoch der vergangenen Woche eine ganze Anzahl jüdischer Läden ung Geschäfte geplündert und ein bedeutender Schaden, wie es heißt, von mehreren Millionen, angerichtet worden. Der Pöbel erstürmte das Haus des Bankiers Brotzki, und da er den Kaffenschrank nicht öffnen konnte, wurden aus Wuth darüber die Pferde abgestocheu und die Wagen vernichtet: ebenso wurden ein Tuchladen und ein Kolouialgcschäft vollständig ausgeplündert. Eine Menge Waaren wurde direkt auf die Straße hiuausgeworfcu. Auch in dem benachbarten Smela wurden Unruhen befürchtet. Aus diesem Anlaß hat sich eine jüdische Deputation nach Kiew begeben. Der fanatisirte Pöbel beschränkte seine Zerstörungswuth nicht nur auf jüdische Gebäude, sondern ließ sich im Eifer des Geschäfts auch hiureißeu, das seitens der Spiritusmouopolverwaltung hergcrichtete staatliche Gebäude zu zerstören. Die feuersichere Kaffette eines anderen jüdischen Einwohners von Spola, Raffalowirsch, wurde mit Gewalt erbrochen, das baare Geld in Höhe von 1000 Rubel geraubt und Werthpapiere im Werthe von 7000 Rubel in Stücke zerrissen. Die Juden konnten sich gegen den Ausbruch des Pöbels nicht schützen. Eine große Anzahl von ihnen hat mit Weib und kleinen Kindern über 48 Stv.nden im Keller zugebracht, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, und sie wären verhungert, wenn nicht am Mittwoch Abend ein Trupp Kosaken mit dem Gouverneur an der Spitze in die Stadt cingerückt wäre und die Ruhe theilweise wieder hergestellt hätte. Jeder, der nachweislich an dem Tumult theilgcnomnien hatte, erhielt sofort eine provisorische Strafe von 25 Hieben. Griechenland. (J.) Korfu, 2. März. So klein das Königreich Griechenland auch ist, so besitzt es doch, zumal seitdem auch Theffalien und das östliche Epirus zu demselben gehören, in seiner Armee eine beträchtliche Anzahl jüdischer Soldaten, die nun voraussichtlich durch die griechisch-türkischen Wirren gezwungen sein werden, nicht nur das Purim-, sondern auch das Paffahfest im Felde zu verbringen. Ein soeben veröffentlichtes königliches Decret verordnet nämlich, daß die ganze activc Arniee und die Reserven der Jahrgänge von 1806 bis 1874 auf den Kriegsfuß gesetzt werden sollen. Traurig wird sich nun auch das Geschick unserer Glaubcnsbrüder in der cpiratischen Stadt Arta, die knapp an der Grenze an dem gleichnamigen Flusse liegt, gestalten, da dieselben sicherlich das erste Angriffsobject der türkischen Armee sein werden. Die Juden im Orte sangen daher scholl an, ihre Frauell und Kinder und auch ihre Werthsachen in Sicherheit zu bringen, indem sie dieselben theils nach anderen Städten des Königreiches,