Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1897)
- Date
- 1897-03-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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400 1764 war der alte Act noch in Kraft. 1706 wurde den Juden gestattet, sich Sclaven zu Hallen. 1761 kam das Gesetz heraus, daß bei Erhebung der Steuern kein Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht werden dürfe. Zeitungsnachrichten und Eorresponderrzen Deutschland. Erlangen, 12. März. Alls Anregung des Herrn can<l. pliil. B. S ch ü ck aus Korczag hat sich hier ein Talmud-Thora-Vereiu gegründet. Außer den Schiur-Vorträgen werde» auch alle vier Wochen wissenschaftliche Vorträge gehalten. Den ersten Vortrag hielt Herr B. Schuck über die „Würdigung der Frauen bei den Inden." Den zweiten Vortrag hat Herr Dr. David aus Gimbsheim gehalten, über einen „Proseliten". Am letzten Sonntag hat auch unser geehrter Herr Rabbiner Wißmann aus Schwabach einen schönen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag gehalten über: „Die schriftliche und mündliche Lehre". Möge der Verein auch fernerhin blühen und gedeihen und wahre Religiosität verbreiten. Jori. Oester r. 11 »gar. Monarchie. Wien, 11 März. Das frivolste Wahlmanöver, das vielleicht jemals in Wien gewagt worden, ist dieser Tage im Gerichtssaal glücklich entlarvt worden. Der Schuldige ist der berüchtigte Antisemit Ernst Schneider, derselbe, dem man schon einmal Fälschung von Stimmzetteln im Abgeordnetenhause nachgewiesen, der sich jederzeit durch die rüdeste Sprache und die rohesten Gedanken hervorgethan hat, u. A. der Erfinder, bezw. Verbreiter des „Schußgeldes auf die Juden". Der Mann ist ein fast gewohnheitsmäßiger Verleumder. Vor gerichtlicher Verfolgung schützte ihn bisher seine Abgeordnetcn-Jmmunität. Nun hat ihn aber das Schicksal ereilt. Während der Wahlcampagne, also zu einer Zeit, wo das Abgeordnetenhaus aufgelöst ist, cs keine Abgeordneten und keine Immunität gibt, hat er eines seiner bekannten Kunststücke gegen den sozialdemokratischen Gegen-Kandidaten des Dr. Lueger in der fünften Curie, Herrn Anton Nemec auszuführen versucht. Er behauptete nämlich öffentlich, daß Nemee von ihnt Geld genommen habe, um gegen die Sozialdemokratie zu agitiren. Die Enthüllung machte, wie man sich denken kann, enormes Aufsehen 1111b war geeignet, die Wahlaussichten des Nemec zu schädigen. Nemec erklärte sofort, daß er die Ehrenbeleidigungsklage gegen Schneider anstrcnge. Die „Arbeiterzeitung" wies nach, daß der Mann, der von Schneider Geld genommen, ein Anderer, Namens Wilhelm 'Nemec gewesen sei u. s. w. Schneider blieb bei seiner Behauptung. An Anton Nemec blieb etwas hängen, und es war kaunl eine Aussicht vorhanden, ihn nockrechtzeitig vor dem Wahltag reinzuwaschen, da man schon in einer anderen Sache (Sepper gegen Strobach- Lueger) hatte beobachten können, wie die Taktik unserer Antisemiten darauf hinausgeht, derartige unangenehme Verhandlungen bis zu einem Zeitpunkt zu verschleppet!, wo die parlamentarischen Körperschaften tagen, die Immunität sie also wieder dem Gerichtsverfahren entzieht. Das fürchtete man auch in diesem Fall. Doch es kam anders. Der Vertheidiger des Anton Nemec, Dr. Harpner, setzte es durch, daß die Verhandlung heute, noch einen Tag vor der Wahl stattfand. Schneider blieb aus und schickte an seiner Statt einen Advokaten ohne Information, der die Vertagung der Verhandlung beantragte. Doch die Gegenpartei hatte ihre Vorkehrungen getroffen. Sowohl der echte wie der falsche, Wilhelm und Anton 'Nemec waren vor Gericht erschienen, ebenso eine Anzahl von Zeugen, welche die Schneider'sche Verleunidung gehört hatte. Dem Richter blieb nichts Anderes übrig, als die Verhandlung durchzuführen. Ernst Schneider wurde zu einem Monat Arrest verurtheilt. Wien, 10. März. Das Gesammtergebniß der gestrigen Reichsrathswahlen ist folgendes: Gewühlt sind 9 Christlich-Soziale, 2 Deutsch-Nationale, 3 Sozialdemokraten, 4 Czcchen und 1 Katholisch Konservativer. Außerdem ist eine Stichwahl in Brünn erforderlich. In bcu 4 Wahlkreisen Niederösterrcicks drangen ausschließlich die Christlich-Sozialen durch. N u ß l a n d. Moskau, 9. März. Bezüglich des ärztlichen Kongresses im August u. e.. der circa eine Woche dauern wird, ist nun die Frage derart entgiltig erledigt, daß jüdische Aerztc sechs 'Wochen das Visum erhalten, respektive sich aufhallen dürfen. Die Negierung erklärte, daß man wegen des Kongresses das Gesetz nicht ganz ausheben könne. Frankreich. Paris. Eine erfreuliche Erscheinung ist es, daß unsere russischen Brüder überall, wohin sie kommen, sogleich auch bestrebt sind, die Selbsthülfe zu organisiren. So hat sich in Paris nur ans russischen Juden ein Verein gebildet, der sich La Prevoynnte Israelite nennt und die doppelte Aufgabe hat, einerseits durch gratis Ertheilung von französischem Unterricht den einwandernden rusischen Juden den Aufenthalt in Paris zu erleichtern, andererseits ihnen Stellungen zu verschaffen, im schlimmsten Fall kleine Unterstützungen zu gewähret!. Am 6. Februar fand