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Der Israelit · 1897-03-15 · Heft 21 (15.3.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 21 (15.3.1897)
Date
1897-03-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVIII. Jahrgang. Beilage M M 21 des „Israelit". Die Juden in Mestindien.*) In Varbadocs ließen sich Inden znerst im Jahre 1628 nieder. Im Jahre 1661 erhielten drei jüdische Kaufleute Benjamin de Easeres, Henry de Easeres uitd Jacob Fraso, die specielle Erlaubnisi, in Barbadoes oder anderswo wohnen zu dürfen. Interessant ist, daß gegen ihr Gesuch von den christlichen Kaufleuten Englands Einwendungen gemacht wurden, daß aber die Pflanzer sich für Gewährung des Privilegiums aussprachen, „weil die Colonien dadurch nur gewinnen würdeil" ja sie traten sogar nach Kräften für die Gewährung der Erlaubniß eilt und behaupteten, „die christlichen Kanfleute seien nur deswegen gegen die Zulassung der Juden, weil sie den ganzen Handel in ihren eigenen Händen behalten und so die Pflanzer zwingen wollen, die Preise und Bedingungen, die sie zu machen belieben, anzunehmen." Seit der Eroberung Jamaicas durch die Engländer wurde die commercielle Bedeutung der Insel immer mehr anerkannt. Ein Jude, Jacob Jeosua Bueuo Enriques, bat den König um die Erlaubniß, den Betrieb eines Kupferbergwerkes zu eröffnen, wie auch darum, daß ihm und seinen beiden Brüdern freie Religions- Übung gestattet werde. 1664-ist viel von einem jüdischen Goldsucher, Abraham Israel de Pisa, die Rede. Benjamin Bueno de Mesquitta, ein portugiesischer jüdischer Kaufmann in Jamaica hatte vom König die Erlaubniß erhalten, daß er dort das Bürgerrecht erwerben dürfe. Die Urkunde war schon ausgefertigt, da erregte der Mißerfolg einiger Juden in Varbadoes, welche sicher gehofft hatten, Goldminen zu finden, den Zorn des Königs, und Mesquitta wurde verbannt. Er ging nach Rew-Pork, wo er im Jahre 1686 starb. Es scheint, daß die Juden keine Pflanzer wurden, sondern Kaufleute blieben. Das wurde ihnen einige Jahre später auch vorgeworfen. Es ist bemerkenswert!), daß um dieselbe Zeit der Statthalter von Jamaica, Sir Thomas Lynch, den Befehl erhielt, „er dürfe nicht gestatten, daß Jemand in seinen Andachtsübungen, welcher Religion immer er auch angehöre, gestört würde, falls er dieselben nur in friedlicher ruhiger Weise abhalte." 1671 liefen viele feindselige Gesuche über *) Bergl. Dr. Herbert Friedenwald „Materialien zu einer Geschichte der Juden in Westindien" (Matern! for the History of the Jews in the British West Indies.) die Juden ein, doch der Gouverneur berichtete in entschieden günstiger Weise über die Juden. König und Rath wiesen also die Petition zurück, welche — der jetzigen antisemitischen Politik merkwürdigerweise ganz zuwiderlaufend — die Juden auf den Großhandel beschränkt wissen wollte. Noch mehr, der Rath befahl strengstens, daß die Juden sowohl als die Holländer auf das Entschiedenste ermuthigt werden sollten, sich in Jamaica niederzulaffen — unter diesen Befehl setzte der König seine eigenhändige Unterschrift. 1672 führte Rabba Conty seinen eigenthümlichen Proccß. Conty war ein Kaufmann in New- Pork, wo er sehr lange lebte und als Bürger seine Steuern und Abgaben zahlte. Trotzdem er im Jahre 1671 die Erlaubniß erhielt, nach West-Indien Handel zu treiben, wurde sein Schiff mit Beschlag belegt und consiscirt; in die Ladung theilten sich die Richter von Port Royal und Jamaica unter dem Vorwand, daß Conty kein Bürger sei. Aber Conty appellirte an König und Rath und es widerfuhr ihm Gerechtigkeit. Das ist, wenn nicht die erste, so doch eine der ersten Berufungen an König und Rath, von denen die Geschichte berichtet. Die erste Urkunde, welche sich direct an die Juden in Westindien wendet, trägt das Datum 1693 und legt ihnen eine specielle Steuer von 775 Pfund für die Vertheidigung der Insel auf. 1695 schon, als in der Gemeinde von St. Andrew's eine Armenschule errichtet tvnrde, trug man dafür Sorge, daß die Schüler Unterricht im Hebräischen erhielten. 1703 wurde es den Quäkern und Juden bei Strafe von 500 Pfund verboten, christliche Dienstboten contractlich aufznnehmen. 1711 wurde es Juden, Mulatten, Indianern und Negern untersagt, als Schreiber in irgend einem öffentlichen Amte beschäftigt zu sein. Trotzdem besserte sich die Lage der Juden rapid. Im Jahre 1740 schon war Jsaac Furtado Advocat, und die "Namen vieler geachteter Juden begannen öffentlich genannt zu werden. 1673 machte sich unter den Juden eine Bewegung geltend, die darauf abzielte, daß ihre Bürgerrechte anerkannt werden sollten. In demselben Jahre wurden sie als Zeugen vor Gericht zugelassen, aber nur, soweit Handel und Gewerbe in Betracht kam. 1675 reichten sie eine Petition uin Ausdehnung dieses Rechtes für alle anderen Fälle ein. Obgleich die gesetzgebende Versammlung einen Beschluß in diesem Sinne faßte, scheinen Gouverneur und Rath ihre Einwilligung doch versagt zu haben, denn im Jahre Leitender Artikel

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