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Der Israelit · 1897-03-15 · Heft 21 (15.3.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 21 (15.3.1897)
Date
1897-03-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Feuilleton 396 ' ' Jahrcseinnahmen stehende Summe zahle. Bei dieser Gelegenheit hat der Vorstand das Statut revidirt, das der Generalversammlung nunmehr zur Beschlußfassung unterbreitet wird. — Bei der hieran sich knüpfenden Diskussion über § 26 des revidirten Statuts, welcher dahin geht, 25 Prozent der Netto-Einnahme an die erwähnte Nohr'sche Stiftung abzuführen, wird aus der Versammlung heraus der Antrag gestellt, diesen Paragraphen, wie auch gleichzeitig die Unterstützung von Handwerkslehrlingen gänzlich fallen zu lasten, um so den Vorschußverein nach Möglichkeit §u kräftigen. Dieser Antrag wird von der Versammlung zum Beschluß erhoben. Die übrigen Abänderungen des Status werden en bloc genehmigt. Hierauf erstattet der Kontrolleur der Vereinskaste, Goldarbeiter Schreiber, den Kassenbericht pro 1696. Die Bilanz schließt mit 15 724,03 M. Im Berichtsjahr wurden acht Handwerkslehrlinge mit 1045 Mark unterstützt. Das Vereinsvermögen beträgt 9 587 Mark. — Nachdem hierauf Kaufmann I. Schleyer, Mitglied des Kuratoriums des Vereins, den Nevisionsbericht erstattet und Ertheilung der Decharge an den Vorstand beantragt, wird diesem Anträge seitens der Versammlung entsprochen. — Es werden dann durch Zuruf einstimmig wiedergewählt: a) als Kuratoren Kaufmann D. V. Cohn, prakt. Arzt, Dr. Ludwig Friedländer und Kaufmann I. Schleyer, b) als Mitglieder des Vorstandes die Herren S. Korniker, S. I. Cohn, M. Ehrenwerth, Julius L. Jaeobsohn, I. Neumark, A. Schreiber und M. Werner. Das neue Statut verlangt die Erhöhung der Zahl der Vorstandsmitglieder um zwei. Die dadurch nothwendig gewordene Neuwahl fällt auf die Herren Albert Bach und Ignatz Goldschmidt. Zum Schluß der Versammlung richtet Kaufmann 'I. Schleyer Namens des Kuratoriums an sämmtliche Vereinsmitglieder die Bitte, weitere Kreise für den Verein zn interefsiren, damit dieser bei Gewinnung recht vieler nener Mitglieder auf dem Gebiete der Darlehensgewährung an Handwerker und Gewerbetreibende unter den Juden möglichst leistungsfähig werde. vermischtes. Kempen, R.-B. Posen. Die Lob Wolff'schen Ebeleute von hier feierten dieser Tage ihre goldene Hochzeit. Anläßlich dieser seltenen Feier erhielten sie ein kaiserliches Gnadengeschenk von 30 M. Der hiesige Eorporations-Borstand, sowie die Vorstände verschiedener Vereine brachten dem Ehepaare persönlich ihre Glückwünsche dar. Zn Ehren des Mannes und des Ehrentages wurden vor rsnyo nach Anzahl seiner Lebensjahre 78 Lichter im Knion rvD wo er in der Regel betet, angezündet AlSheim. Am 1 April feiert Herr K Marx das Jubiläum seiner ununterbrochenen 50jährigen Thätigkeit als Lehrer der israelitischen Gemeinde zu Alsheim. Getreu bis m den Tod. Vou Maurice Mavorr 7) „Dann soll Dich meine Kugel niederstrecken! Du weißt, sie verfehlt selten ihr Ziel. Es ist nur Nothtvehr; denn ein Schurke von Deiner Sorte ist zu allenr fähig, selbst seinen besten Freund zu verrathen, wenn er seinen Vortheil dabei zu machen weiß! — Ich werde mir gar kein Gewissen daraus machen, dem Mörder des bravsten Juden den Tod zu geben!" — „Laß's gut sein, Etienne! — Ich schwöre, treu und redlich mir Dir alles zu theilen, wenn Du mir den Knaben und die Papiere giebst. — Nun, Kamerad, sag' Topp und Schlag ein!" „Ja, wenn nian nur Deinen Schwüren Glauben schenken könnte!" „Hab' ich bisher nicht alles redlich mit Dir gelheilt? — Gib mir doch wenigstens den Knaben!" „Na, meimetwegen trage Du den Balg! Ich weiß ohnehin nicht, wohin ich mit ihm soll. Aber merke cs Dir, ich folge Euch wie der Schatten!" Nepomuk nahm den Knaben und entfernte, ohne daß Etienne es nlerkte, den Knebel aus seinem Munde. „Es ist nicht das erste Mal, Gostudar Leontjew, daß ich Eure Gnaden auf nreinen Armen trage!" sagte er mit teuflischem Lächeln. Er trat an's Bett, auf welchem der Todte mit gebrochenen Augen lag. „Adieu Schmuel ben Neb Judcl! Gelt, Nepomuk ist doch ein vortrefflicher Mensch! — Er hat Dich leiden sehen, und das konnte sein gutes Herz nicht mitansehen, da hat er Deinen Leiden ein schnelles Ende gemacht!" — Es leuchtete soviel Haß und Grausamkeit aus seinen Augen, daß Etienne einige Schritte zurückwich. „Pfui, heiliger Nepomuk! Diese Grausamkeit ist Deiner Heiligkeit weniger angemessen! Jetzt aber laß uns gehen, die Zeit drängt! Oder solltest Du gar Lust verspüren, die Polizei hier zu erwarten?" Leise verließen sie das Haus und schlugen den Weg nach der Landstraße ein. Bald bogen sie von der Landstraße ab und betraten, die Spuren hinter sich vernichtend, einen Fußweg, der sie in kurzer Zeit zum Ufer des Flusses führte. Leise lösten sie das Boot von der Kette, sprangen hinein und trieben mit geräuschlosen Ruderschlägen nach dem anderen Ufer. Nepomuk hob den Knaben aus dem Boote und trug ihn, gefolgt von Etienne in den Wald. Dort legte er den Knaben behutsam auf das weiche Moos, dann legte er seine Fingerspitzen an den Mund und stieß einen Pfiff aus, der weithin durch die stille Nacht tönte.

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