Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1897)
- Date
- 1897-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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395 „Werke", die sie herausgeben, an den Mann zu bringen. Dies veranlaßt mich einen Verein in's Leben zu rufen, der den Zweck haben soll, Männer der Wissenschaft zu unterstützen uitb deren Werke herauszugeben. Ich beantrage daher: „Gründen wir einen Weltverein mit der Centrale in Berlin zur Unterstützung hilfsbedürftiger Rabbiner, Professoren, Lehrer, Künstler, Schriftsteller re., mit einem Worte, Jedem, der geistig arbeitet; Feuer und Flamme soll nufere Begeisterung sein, denn Männer der Wissenschaft dürfen nicht betteln gehen. Die traurige Lage, in der sich ein großer Theil der Provinz-Rabbiner, Lehrer re. befindet, legt uns dringend die Pflicht auf, unsere Hülfe denjenigen zuzinvenden, die eS am chestett verdienen. Ich trete daher mit der Bitte an alle Herren Rabbiner, Lehrer, Künstler, Schriftsteller, Professoreil heran, die einen solchen literarischen Unterstützungsverein gründen wollen, sich in meiner Kanzlei, Budapest (Ungarn) VII Barcsaygasse 15 zu melden. Dieser Verein soll den bestehenden Rabbincrvervcrbänden, Lehrervcreinen k. keine Concnrrenz machen, er soll nur eine klaffende Lücke ausfüllen, indem eine sehr große Anzahl jüdischer Gelehrten und Schriftsteller, die in den Werkstätten des Geistes arbeiten, in ben obengenannten Vereinigungen keine Unterkunft finden, so u. A. die große Reihe jüdischer Journalisten, die ans dem Ertrage ihrer Feder von der Hand in den Mund leben'; soll für deren Invalidität, für deren Wittweil und Waisen nicht auch gesorgt werden, nachdem heiltzutage für jeden Fabrikarbeiter gesorgt ist'- Ich bitte sämmtliche jüdische Zeitllngen im In- und Auslände diese Notiz zum Abdruck zu bringen. Ist der Verein einmal in's Leben gerufen, so finden sich auch jüdische Wohlthätcr, die ihn bei Gelegenheit mit größeren Fonds unterstützen. Ich schließe mit den Worten des Dichters: Evdcnsohn vom geboren; Kurz ist Deine Lebenszeit: Tag und Stunden gehen verloren, Altes Tand und Eitelkeit! Jener nur kann ruhig sterben, Der erfüllet hat seine Pflicht, Seine Habe zu vererben, Eh' das Ang' im Tode bricht. B n d a p e st, 9. März 1897. Joses Spitzer. Wereittsnachrichten. Bocholt. Dem Berichte über die Wirksamkeit des Hilfsvereins Esraß K'fufim von 1896 entnehmcn wir: „Wir waren in der Lage, den Gesuchell von 8 Alttragstellern unsere Zustimmung ertheilen uub zinsfreie Darlehen in einem Gcsammtbetrage von M. 3350 M. gewähren zu können. Im Laufe des Jahres traten neue Forderungen an unsere Kasse heran, und abermals war es uns vergönnt, zwei Unterstützungen in der Höhe von M. 1500 zu verabreichen. So erhielten im verflossenen Geschäftsjahre 10 Personen leihweise M. 4850 unter der Bedingung, die Einzelbeträge in bestimmten Fristen ratenweise unserer Kasse wieder zuzuführen. Die Gesammtleistung unseres Hilfsvereins während seiner siebenjährigen Wirksamkeit hat hierdurch eine Höhe voit M. 12 949,15 erreicht. Im verflossenen Jahre haben die Ortsgruppen Mülheim a. Ruhr, Vredeit uitb Rnhrort sich uns angeschloffen, wodurch unsere Mitgliederzahl auf 273 gestiegen ist. Auch das Vereinsvermögen hat in erfreulicher Weise von M. 8 057,90 auf M. 9 637,71 sich gehoben. Posen, 12. März. Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Inden und der israelitische Vorschußverein hiettell dieser Tage in Keilers Hotel ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vereiltsvorsitzende, Kaufmann Korniker, eröffncte die Versammlung und erstattete ^Bericht über die Lage des Vereins. Delnnach wurden im Jahre 1896 insgcsammt 11 645 M. Darlehen verabreicht, gegen 10 790 M. im voraufgegangenen Jahre. Zurückgezahlt wurden 11 623,50 M. gegen 10 313 M. im Jahre 1895. Die Außenstände wurden im Laufe des Jahres gesichtet uub die zur Zeit als gänzlich uneinziehbar erachteten Forderungen im Betrage von 600,43 M. vom Kapitalkonto abgesetzt. Diese Forderungen datiren zurück bis zirm Jahre 1888. Der Verein zählte zu Beginn des Berichtszahres 441 Mitglieder; im Laufe des Jahres schieden 41 Mitglieder aus und 15 traten dem Verein neu bei, so dieser am Jahresschluß 415 Mitglieder zählte. Die Mitgliederbeiträge bezifferten sich im Jahre 1896 auf 1628,33 M., gegen 1986,10 M. im voraufgegangenen Jahre. Der Verein verfolgt verschiedene Zwecke; zunächst die Ertheilung von Darlehen an Gewerbetreibende uub Handwerker, dann die Unterstützung fftnger Leute, die ein Handwerk erlernen wollen. Trotz knapper Bemessung der Unterstützungen ist der Verein im Jahre 1896 nicht im Stande gewesen, sein Kapital vernlehren zu kömtetl. Dasselbe hat sogar nach Abrechnung der Abschreibungen eitle Vermindermlg erfahren. Dieser Umstand hat den Vorstand in die Zwangslage gesetzt, eine Aenderung der Statuten in Vorschlag zu bringen, dahin gehend, daß der Verein die Unterstützung von Handwerkslehrlingcn aufgebe, dafür aber^an die „Rohr'sche Stiftung zur Förderung des Handwerks unter den Judeit" eine im Verhältniß zu seinen