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Der Israelit · 1897-03-15 · Heft 21 (15.3.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 21 (15.3.1897)
Date
1897-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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394 ZettungSuachrichlen und Correspondeuzeu Deutschland. Augerode, 7. März. Ein seltenes Fest feierte unsere Gemeinde vergangenen Samstag c*ptr ntnc, nämlich das 100jährige Jubilännl unserer Synagoge. Bereits am Freitag waren von Nah mtd Fern zahlreiche Theilnehmer herbeigeeilt. Freitag Nachmittag begann die Festlichkeit mit einem Zuge vom isr. Gemeindehause nach der festlich geschmückten Synagoge, wobei sich auch u. A. die Vertreter der christlichen Gemeinde, wie z. B. der Bürgermeister, die Lehrer, der Rechner w., betheiligten. Nach Absingen eines hübschen Psalms hielt der Lehrer, Herr Eisenbcrger, eine ergreifende Festrede. Anknüpfend an den Vers 7 des 5. B. M., Cap. 32. entrollte Redner ein Bild der Verhältnisse, ein Bild von Einst und Jetzt. Zum Schluffe ermahnte Redner festzuhalten an dein heiligen Erbe unserer Vorfahren. Alsdann folgte ein Gebet für die Obrigkeit. Samstag morgens 7 Uhr fand Schacharis-Gottesdienst statt. Um 10 Uhr versammelten sich sämmtliche Festtheilnchmer zum Mussaw-Gottesdicnste, wobei die an und für sich ziemlich große Synagoge sehr überfüllt war. Nachmittags 2 Uhr begann die Lustbarkeit mit einem heiteren Commers, durch diverse hübsche Vorträge ernsten und heiteren Inhalts verschönert mit am Abend darauffolgendem Ball. Daß dieses seltene Fest einen so glänzenden Verlauf genommen, haben wir größtenteils unserem Lehrer, Herrn Eisenberger, zu verdanken. Mit dem Bewußtsein, ein erhebendes und in allen Theilen glanzvoll abgelaufenes Fest gefeiert zu haben, trennten sich erst beim anbrechendcn Morgen die Theilnehmer. Bievrich, 12. März. Unsere Leser werden sickgewiß für ein Schreiben interessiren, das Herrn Dr. Baer bi durch den Prokanzter der Universität Leipzig bei der Verleihung der philosophischen Doktorwürde im November 1876 übersandt wurde, dasselbe lautet: „Geehrter Herr! „Ich freue mich Ihnen hiermit die Anzeige machen zu können, daß die philosophische Facultät unserer Universität unter dem 9. d. den Beschluß gefaßt hat, Ihnen die Doktor-Würde in ak86ntin zu übertragen; die Facultät macht von dem Rechte, so zu promoviren, nur selten Gebrauch. Daß es bei Ihnen geschah, mögen Sie als Beweis betrachten, daß dieselbe Ihren Bestrebungen und Leistungen volle Anerkennung schenkt und Ihre großen Verdienste um die hebräische Sprachwissenschaft zu würdigen versteht. Möge es Ihnen vergönnt sein noch lange Jahre hindurch der wohlverdienten Ehre sich zu erfreuen und mit voller Kraft und Rüstigkeit weiter zu arbeiten auf einem Gebiete, auf dem Sie durch gründliche Forschung und gelehrte Arbeiten schon jetzt Ihren Ruhm begründet haben rc." O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Budapest, 11. März. (Israelitische Gesellschaft für Literatur, Kunst und Wissens cha f t.) „Unbeugsame Religionsfestigkeit, unerschütterliche Glaubenstreue verbunden mit innigster Menschenliebe und aufrichtiger Hingebung für Thron und Staat, waren stets die Hauptcharakterzüge der jüdischen Nation. Diese Ideen menschlicher Würde sind im Leben und Sein mit der Entstehung und Entwickelung dieser Nation enge verflochten. Auf allen Wanderungen haben dieselben als glänzende Leitsterne ihnen vorangeleuchtet und in allen Zeitcpochen haben sie ihre Lebensrichtung gebildet." Diese Worte lesen wir ans Seite 8 in dem Büchlein, betitelt: „Zwei homiletische Betrachtungen von S. H., Bezirksrabbiner in E., Ungarn", welches vor Kurzem im Selbstverläge des Verfassers erschienen ist. Leider konnte der gelehrte Autor sein Werkche« nicht an den Mann bringen, so ist er auf die ingeniöse Idee gekommen, Jedem, der nur einen Namen hat, sein Büchlein einzuschicken. Der Verfasser hat einen Brief mit folgendem Inhalt beigeschlossen: Hochverehrtester Herr! „Gestützt ans die allgemeine Herzensgüte Ew. Wohlgeboren nehme nrir die Freiheit, um gütige Annahme meines hier beigeschlossenen Werkchens ergebenst zu bitten. Ich bin Bezirksrabbiner in E. Die Stelle ist jedoch sehr klein und kann mit meinem wenigen Gehalte nur sehr künnnerlich meine Familie erhalten. Ew. Wohlgeb. üben daher einen Alt der schönsten Wohlthätigkeit, wenn Sie mit wohlwollettder Annahme meiner Broschüre nlir eine kleine Unterstützung zukommen ließen, wofür der Allmächtige Ew. Wohlgeb. sammt Angehörigen mit langem, gesunden und freudenreichen Leben segnen wird, wie es wünscht Ew. Wohlgeb. ergebenster Diener S. H., Bez.-Rabb. in E. Der Empfänger dieses Schreibens, Schreiber dieser Zeilen war Augenzeuge, hat dem armen Rabbi sofort einen Gulden geschickt und die Broschüre ad acta gelegt. Traurige Zustände, sagte der Wohlthäter, tvenn solche gelehrte Männer Bettelbriefe schreiben müssen, um einerseits leben zu können, andererseits aber die

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