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Der Israelit · 1897-03-11 · Heft 20 (11.3.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 20 (11.3.1897)
Date
1897-03-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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’W* JWWSM 384 tag schächtet? Ich kann begreifen, daß der jüdische Kaufmann seinem christlichen Konkurrenten scheel in den Laden sieht, wenn er die Kunden bedient, die er am SchabbeS fahren lasten muß. Ebenso mag der Christ sich am Sonntag ärgern, wenn er seinen Laden geschloffen hat und der jüdische Kaufmann hat sein Geschäft geöffnet. Aber das ist ein ganz interkonfessionelles Aergerniß, das mit Religion und Gewisten sehr wenig, mit Scheelsucht und Geschäftsintereste dagegen sehr viel zu thun hat. Nicht die Religion, nicht das Gewisten, dieses Geschäftsintereste nimmt euer Oberrath in Schutz mit seiner Verordnung. Nun wollt Ihr mir schachten oder nichts" Schächter: „Euere Darlegung mag mir noch so sehr einleuchten, ich bin als Beamter gebunden an die Vorschriften meiner Vorgesetzten." Metzer: „Meinetwegen. Nun, mache ich euch einen anderen Vorschlag. Euer Oberrath gebietet euch den christlichen Sonntag heilig zu halten, aber den jüdischen Schabbetz hat er euch noch nie zum Gegenstand einer Verordnung gemacht. Dann wollen wir von nächster Woche an Schabbes schächten, das paßt mir ganz gut. Dafür bekommt Ihr von Eurem Oberrath sicher keinen Verweis!" Was der Schächter daraus geantwortet hat. darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Soviel aber darf verrathen werden, daß unser Oberrath diesen Metzger gründlich Lügen strafen könnte, wenn er die Heilighaltung der Sabbate und Jomim lowim einmal zum Gegenstand der Ermahnung machte, wenn auch nur mit dem halben Eifer, mit dem er für die Sonntage und christlichen Feiertage in die Schranken tritt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 7. März. Herr Rabbiner Dr. Schneeberger in Baltimore schreibt uns: Der Polizei-Präsident von New-Iork, Herr Theodor Noospelt, hielt bei der kürzlich erfolgten Eröffnung des „Hebrew Technical Institute", wobei er als Negierungsvertretec anwesend war, eine Rede, worin er auch auf Ahlwardts Aufenthalt in Amerika zu sprechen kam. Als Ahlwardt seine Agitation in New-Pork beginnen wollte", so erzählte der Polizeipräsident wörtlich, „kamen hier ansässige Juden zu mir und richteten an mich das Ersuchen, sein Auftreten zu verbieten. Ich sagte den Leuten, daß nach unseren Gesetzen aus jeder öffentlichen Plattform der Christ den Juden und der Jude den Christen verlästern kann, wenn er dadurch nur keinen Ausruhr verursacht. Ich verabscheue Beides. Nachdem mich die Bittsteller verlassen hatten, erdachte ich einen Plan, der nach meiner Meinung viel wirkungsvoller sein mußte, als Ahlwardt das Reden zu verbieten. Und was habe ich gethan? Ich sandte dem Mann, so oft er sprach, eine Leibgarde von vierzig jüdischen Polizisten nach der Versammlung, die, treu ihrer Pflicht, Ahlwardt, wo es nöthig war, ausreichenden Schutz angedeihen ließen. Und der große Antisemit weiß noch bis heute nicht, daß die Beschützer, die den Mob von ihm abwehrten und mehr als einmal seinen Rückzug aus der Halle deckten, ausschließlich Juden waren." E. Ii. Berlin, 8. März. Zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Königsberg ist Dr. Hermann Vogel stein aus Oppeln gewählt worden. — Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m hat vom Minister des Innern eine Einladung zur Centenarfeier ei halten. Darmstadt. In der Blüthe des Lebens ist Herz Herzfeld, eines der eifrigsten Mitglieder der isr. Religionsgesellschaft zu Grabe gezogen, beliebt und geehrt weit über den Kreis seiner Heimath hinaus. So waren denn auch zu seiner Beerdigung von allen Seiten eine unermeßliche Zahl von Theilnehmern herbeigeeilt, was Herr R a d b. D r. M a r x am Grabe mit innigen kernigen Worten als die beredteste Leichenrede bezeichnete. Wohl hatte sich der Heimgegangene, der in Folge einer Operation seinen Tod voraussah, jede Grabrede verbeten, indeß konnte Herr Dr. Marx nicht umhin, den Dank der Gemeinde ihm nachzurufen, für die treue Mitwirkung an ihren 'Werken, für das stete eifrige Eintreten für ihre Principien. Sie wird ihm ein ewiges Andenken bewahren. Noch wenige Stunden vor seinen! Tode ermahnte der treue Dulder seine Kinder zum Festhalten am überlieferten Judenthume, er, der selbst sein Leben ein .Kamps durch Nacht zum Licht" bezeichnen konnte, schloß sein Dasein mit dem Lebensbild, das er seinen Kindern als Beweis vorführte, daß Gott stets mit dem ziehet, die auf ihn vertrauen, auch wenn scheinbar die Sonne sich einmal verfinstert. O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Wien, 4. März. (Eine S c e n e b e i e i u c m Leichenbegängnisse). In dem Städtchen Kimpolung im Kreise Suczawa in der Bukowina wurde das Kind eines Gerichtsfunctionürs zu Grabe getragen, um auf dem Kirchhofe der Griechisch-Orthodoxen zur ewigen Ruhe bestattet zu werden. Langsam bewegte sich der Leichenzug durch die Gassen, als plötzlich ein Wagen daherkam, den der jüdische Kaufmann Karl Wagner lenkte. Ruhig wollte Wagner an den Leidtragenden vorüberfahren. Da unterbrach der functionirende griechisch-orthodoxe Pfarrer Dobusch sein Lesen ans dem Evangelium und rief dem Kaufmanne zu: „Du Jud'! Du Gauner! Du willst da vorbeifahren? Da mußt du über mich fahren!"

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