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Der Israelit · 1897-03-11 · Heft 20 (11.3.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 20 (11.3.1897)
Date
1897-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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369 liest. — Eine Perle der Hermeneutik sind der Commenlar und die Uebersetzung der Psalmen. In vollstem Maße gilt das oben Bemerkte auch von der dieser Exegese zuGnmde liegenden Sprachsorschung, vor allem von der Ermittelung der Grundbedeutung der hebräischen Wurzeln. Wenn cs ihm auch leider nich! vergönnt war, die nähere systematische Darstellung dieses Systems linguistischer Forschung auszuarbeiten, wie er dies in dem Vorworte zum ersten Theile des Pentateuchcommentars in Aussicht stellte, und ein späterer Forscher, der aus der hier gebotenen Grundlage fortschreitend weiterarbeitet, der reichsten Ergebnisse sicher sein kann: so ist doch, wie er daselbst bemerkt, das Pcincip der Lautverwandtschaft, auf dem es beruht, in der hebräischen Sprache so augenfällig, und die sprachlichen Thatsachen, aus welchen eine jede etynrologische Annahme des Commentars erwächst, sind überall in deren Begründung so ausführlich gegeben, daß er wohl zu der Erwartung berechtigt war, daß für den denkenden Leser das System seine Rechtfertigung in sich selber finden dürfte. Das Princip, wie es im Commentar angewandt wird, besteht darin, daß Wurzeln aus demselben Organe entstammenden Consonanten, also die einzelnen Gaumen-, Lippen-, Kehl- und Zungenlaute, unter einander verwandt sind und denselben Begriff, nur in verschiedener Modificirung, bezeichnen. So bezeichnen, um das erste Beispiel zu nehmen, die mit verwandten Wurzeln: rn: ,mr ,ms ,jnc sämmtlich ein Hinausstreben und Hinaustreten aus einer Innerlichkeit oder Gebundenheit, und >02 ist somit das Aeußerlichmachen eines bis dahin nur im Innern, nur im Geiste Vorhandengewesenen. Es ist jenes Schaffen, dem nichts Anderes als der Gedanke und der Wille vorangegangen. Wenn bei diesen zahlreichen Reihen lautverwandter Wurzeln diese Sprachforschung sich, wie bei unserem Beispiele, die Aufgabe stellt, die gemeinsame Grundbedeutung zu ermitteln und aus dieser die besondere Nuance zu erkennen, in welcher die Bedeutung des einzelnen Wortes zu begreifen ist, so stellt sie sich dieselbe Aufgabe gegenüber der anderen so vielfach oorkommenden sprachlichen Erscheinung, daß ein und dieselbe Wurzel eine Reihe scheinbar ganz disparater Bedeutungen hat. Statt nun, nach dem Beispiel anderer Sprachforscher, die Schwierigkeit ungelöst zu lasten und verschiedene vollständig identische Wurzeln mit verschiedenen Grundbedeutungen, häufig unter Zuhülfenahme anderer Sprachen, zu statuiren, wie z. V. Fürst: 13? Nr. 1 bis ny Nr. 6, somit also die ungelöste Schwierigkeit einfach zu registriren, fragt diese Forschung: Wie muß der Genius der hebräischen Sprache z. B. die Rebe und das Singen, oder wie muß er die Begriffe: Stadt, blind. Haut, Wachsein angeschaitt haben, weim er sie durch dieselbe Wurzel bezetchnet? Welches ist die Grundbedeutung, welches der Grund- und Hauptbegriff, der diesen scheinbar einander so fernliegenden Begriffen zu Grunde liegt, und dessen Modificirungen sie bilden? Der liefen Grundanschauung des Verf. entspricht es, bei dem Gange dieser sprachforschenden Ermittelung sich nur an das hebräische Sprachgut zu halten. Daß übrigens zur Vergleichung hebräischer Wörter mit entsprechenden in den verwandten semitischen Sprachen oft jede profunde Gelehrsamkeit bei Seite gelaffen und zu diesem Zwecke ein nicht eben unerschwingliches Lexikon consultirt wird, das weiß ein Jeder, der auch nur ganz oberflächlich von diesen Dingen Kenntniß hat. Im Ernste gesprochen ist aber die Erwägung, wie uns dünkt, eine recht naheliegende, daß je nach der Verschiedenheit der physischen und socialen Verhältnisse eines Volkes auch der Gesichtspunkt ein anderer ist, unter dem die Dinge, die Erscheinungen und Handlungen angeschaut worden, daß demgemäß sich auch ganz andere Jdeenaffociationen bilden, daß somit eine Übertragung derselben aus einer Sprache in die andere die Gefahr in sich birgt, die Erkenntniß der Grundanschauung bezw. Grundbedeutung einer Wurzel nicht zu fördern, sondern zu trübe n. Diese Bedenken fallen für eine besonnene Forschung um so schwerer in's Gewicht, je reicher das vorliegendes Sprachgut einer bestimmten Sprache ist, wie im vorliegenden Falle bei dem Hebräischen, und je tiefergreifenve eigenartige Momente vor liegen, die gestaltend auf das Geistesleben des betreffenden V olkes einwirken mußten. Alle diese Erwägungen dürfte, wie uns scheint, auch eine Forschung nicht als wissenschaftlich unerheblich zurückweisen, die von ihrem Standpunkte aus es ablehnt, der hebräischen Sprache einen besonderen Charakter zuzuerkennen. *) *) In welcher Weise aber philologische Unkunde sich berufen fühlt, über die Sprachforschung eines Samson Raphael Hirsch abzuurtheilen und Behauptungen, die nur von Unkenntniß zeugen, als angeblich wissenschastlich feststehende Sätze in das größere Publikum hinauszuftreuen, davon nur ein Beispiel aus jüngster Zeit. Es wurde nämlich in dem mehrfach erwähnten Artikel als eine philologische Ungeheuerlichkeit angeführt, daß bei der Erklärung des Wortes dv, lautverwandt mit mp, auch auf die Verwandtschaft mit am hingewiesen wurde. Also ein 2 in Modificirung des Begriffes an Stelle des 1! Nun, wenn der betr. Herr Kritiker sein „wissenschaftliches" Gewissen erst dann beruhigt fühlt, wenn er diesen Standpunkt auch in jenen Kreisen vertreten findet, die ihm sein wissenschaftliches Urtbcil an die Hand geben, so kann ihm auch damit gedient werden. Wolle der Herr nur freundlichst den anerkannten Wechsel von i und 2 in den Beispielen: ^pin ri2—p'V ro -,2V—-tzV ,b2W=bw, P2n=^in, p2N bei 0686IUU8 Thesaurus sich vor Augen führen und von dem bei im Gesagten in der neuesten Auflage des Handwörterbuches von Gesenius Kenntniß nehmen.

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