Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 19 (8.3.1897)
- Date
- 1897-03-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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361 D läßlich des kaiserlichen Regierungsjubiläums zu errichtende Stiftung statt. Vertreter der Prager israel. Gemeinderepräsentanz, der böhmischen Landesjudenschaft, des Gemeindebundes, sowie zahlreicher Gemeinden waren erschienen. Der den Vorsitz führende Präses der Prager Cultusgemeinde, Dr. Rosenbacher, berichtete, daß in dem vorbereitenden Comitv sich die Majorität für die Errichtung eines Siechenhauses ausgesprochen, daß aber bei der heute Vormittag stattgefundenen Vorberathung ein Theit der Versammlung eine Gründung, resp. Vergrößerung des Lehrerpensionsfonds, einige die Gründung eines Pensionsfonds für Cultusbeamte im Allgemeinen, beantragten. Die Vertreter der verschiedenen Ansichten ergriffen hierauf das Wort zu deren Begründung. Da eine Einigung kaum in Aussicht stand, stellte der Vorsitzende den Antrag, es möge an alle Gemeinden Böhmens ein Aufruf erlaffen werden, Sammlungen für den Kaiser-Jubiläumsfond zu veranstalten und jede Gemeinde möge erklären, für welchen der drei Zwecke, Siechenasyl, Pensionsfond für Lehrer, Pensionsfond für Cultusgemeindebeamte überhaupt, sie ihren Betrag spende. 'Rach kurzer Debatte wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Rußland. Petersburg, 2. Febr. (Zur Jude ns rage.) Die „St. Pet. Wed." erfahren, daß, nachdem unlängst der Dirigirende Senat die Frage der Berechtigung gewisser Kategorien von Juden zur Ansiedlung in Sibirien entschieden hat, iu Negierungskreisen die Frage aufgetaucht sei, sämmtlichen Juden ohne Ausnahme — sogar denjenigen, die Diplome und Atteste von höheren Lehranstalten besitzen — den Aufenthalt in Sibirien zu verbieten. Diese Maßnahme wird unter Hinweis auf ein Gesetz aus den vierziger Jahren motivirt, welches ein derartiges Verbot enthielt, während der erwähnten Entscheidung des Dirigirenden Senats die neuere Gesetzgebung zu Grunde gelegen hat. Das Ministerium der Landwirthschaft und der Reichsdomänen hat, wie die „Now. Wr." meldet, beschloffen, eine landwirthschaftliche Schule in einer der jüdischen Ackerbaukolonien im Eherffonschen Gouvernement zu gründen. Zum Bau dieser Schule sind 25,000 Rbl. von Baron Ginzburg unb den Herren Brodsky und Weinstein gestiftet worden. Das Land für die Versuchsfelder, im Umfang von 200 Dessätinen wird vom Departement der Reichsdomänen unentgeltlich abgetreten werden. Die Jahresausgaben im Betrage von 10,000 Rbl. zur Erhaltung der Schule sollen ans dem Gemeindeeapital der jüdischen Ansiedelungen des Eherffonschen Gouvernements bestritten werden. England. London. Die Frage der fremden Einwanderung in ihrer gegen die armen jüdischen Arbeiter gerichteten Form kann nicht zur Ruhe kommen. Neuerdings veröffentlicht der „Poor JewS Temporary Shelter", das jüdische Asyl für Obdachlose, sehr intereffante Ziffern über diese Frage, denen wir entnehmen, daß von 3460 Personen, welche dort während des Jahres 1890 nächtigten 2134 nach Südafrika, 263 nach den Vereinigten Staaten, 69 nach Australien, 44 nach Südamerika, 47 nach Kanada und 64 nach anderen Ländern auswanderten, während 396 in ihre Geburtsländer zurückgingen. Demgemäß blieben nur 333 von diesen Paupers in London. Der Haupttheil der Auswanderung richtet sich jetzt, wie auch aus Polen bestätigt wird, nach Südafrika, obwohl sich dort die Verhältnisse durch die Rinderpest wirthschaftlich ungemein verschlechtert haben. Amerika. New Pork. Eine ernste Gefahr für die Einwanderung russischer und polnischer Juden besteht in dein neuen Einwanderungsgesetz, welches jetzt in den beiden Häusern des amerikanischen Parlaments angenommen ist. Rach btefem Gesetz sind von der Einwanderung ausgeschlossen alle erwachsenen Personen über 16 Jahre, welche weder Englisch, noch die Sprache ihres Heimathlandes lesen und schreiben können. Dieses Gesetz richtet sich deutlich gegen die russischen Juden, welche nicht russisch und die polnischen Juden, welche nicht polnisch können. Aller Bemühungen den Jargon und Hebräisch unter die anerkannten Sprachen aufnelnn-n zu lassen, sind gescheitert. Es bleibt nur noch die Hoffnung, daß der Präsident Cleveland dieser Bill seine Genehmigung versagen wird. — Zur Herausgabe der englischen Talmudübersetzung von Rodkinson hat sich eine Gesellschaft mit einem Kapital von 40,000 M. gebildet. Dr. Jiaac M. Wise von Cincinnati gibt der Uebersetzung seine Beglaubigung (?) und Rvdkmson behauptet eine Subicription von Dr. Raquovin aus St. Petersburg in der Höhe von ^O,OOO Rubel empfangen zu haben. Wie weit die amerikanische Reform führen kann, beweist, daß der Prediger Emil G. Hirsch in Chicago, in dem Ziontempel am Werhnachttzabend eine Predigt von anderthalb Stunden Länge Hallen konnte, in der er die Gemeinde aufforderte, Weihnachten als das höchste der Feste zu feiern.__ Iersonakien. KSnigSvach (Baden). Am Samstag den 20. Febr. Nttfn ’D '£ — verschied dahier nach kurzer Krankheit der pens. Hauptlehrer Samuel Hcimberger im Alter von 84 Jahren Derselbe wirkte beinahe 60 Jahre als Volks- und Religionsschullehrer, davon 44 Jahre in hiesiger Gemeinde.