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Der Israelit · 1897-03-08 · Heft 19 (8.3.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 19 (8.3.1897)
Date
1897-03-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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36 2 Der Verstorbene war bescheidenen Charakters,^pflichteifrig und gewissenhaft im Amte und hier allgemein beliebt^ und geachtet. Hat er doch in segensreicher Thätigkeit^ ganze Generationen herangebildet! — An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich darum auch die hiesige Gemeinde sehr zahlreich und zwar sowohl Christen als Juden: auch viele Volksschullehrer der Umgegend waren anwesend, um dein entschlafenen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Der Verstorbene, der mit der goldenen Verdienstmedaille geschmückt war. hinterläßt eine trauernde Gattin und vier wohlversorgte Kinder. — Am Grabe entwarf Herr Bezirks-Rabbiner Schlesinger- Breiten ein Lebensbild des Verstorbenen unter Zugrundelegung der Worte Samuels 713;/ yotur '3 "i:n „Rede Ewiger, dein Knecht hört", welche Worte auch den Lebenspfad unseres Samuel Heimberger charakterisieren und stets sein Leitmotiv bildeten. Hernach sprach Herr Lehrer Dreifuß von hier tiefempfundene Worte, anschließend an die Worte der laufenden Sidrah ftawn nin jnn -inn ns Dyn yatn. „Und es vernahm das Volk die schlimme Nachricht und sie trauerten." — Der Verstorbene ruhe in Frieden! Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben!_ Letzte Nachrichten. Lin Alasoret. Mainz, 4. Febr. Die deuische Judenheit hat einen großen Verlust erlitten. Einer der hervorragendsten Vertreter der jüdischen Wissenschaft, der bedeutendste Gelehrte, den wir auf dem Gebiete der Masorah besaßen, Herr Dr. phil. h. c. Seligmann Baer in Biebrich-Mosbach hat am 27. Febr. in einem Alter von 72 Jahren das Zeitliche gesegnet. Wem unter der großen Zunft der jüdischen Forscher, der sich nur im Entferntesten für den masoretischen Bibeltert interessirt, mar der Name Baer nicht bekannt? Aber auch jedes Kind, das das Titelblatt seiner Rödelheimer Tefillah betrachtete, wußte von Baer, der seit dem Tode HeidenhcimS die Herausgabe unserer am Meisten gebrauchten heiligen Bücher im Aufträge des berühmten Lehrbergerschen Verlags übernommen hatte. Baers Leben floß nicht, wie das so vieler seiner Berufsgenossen, in glattem, ruhigen Strome dahin. Was er erreicht, das mußte er sich schwer erkämpfen und. was er geleistet, das verdanken wir in erster Linie seiner eigenen Energie. Am 18. September 1825 geboren, wollte der gut beanlagte Knabe sich zuerst dem Studium widmen, allein die Mittellosigkeit seiner Eltern nöthigte ihn von diesem Plane zu lassen und so mußte er in einem kleinen Gebirgsstädtchen int Taunus, in Niederhofheim, im Jahre 1844 die Stelle eines jüdischen Lehrers annehmen. Aber die Sorge um die gemeine Nothdurft des Lebens konnte die einmal rege gewordene Liebe zur Wissenschaft in dem armen Dorfschullehrer nicht ertödten und sein Freund und Studiengenosse Delitzsch, mit dem er während seines ganzen Lebens in eifriger Correspondenz stand, sorgte dafür, daß Baer von den Fortschritten aus dem Gebiete seines Lieblingsfaches stets auf dem Laufenden gehalten wurde. Im Jahre 1856 finden wir Baer in Heddernheim bei Frankfurt a. M. und hier mag es wohl gewesen sein, wo er in dem nahegelegenen Rödelheim den jüdischen Verleger Lehrberger kennen lernte, der ihnt nach dem Tode Heidenheims die, Trxtrevisionen der von ihm herauszugebenden jüdischen Werke übertrug, indem er die Bedeutung! Baer's auf dem Gebiete der Masorah bald erkannte. Die Werke und Schriften, die Baer nunmehr herausgab, sind von überaus großer Zahl, doch bildet fein Hauptwerk, die textkritische und masoretische Bearbeitung der Bibel, die er im Verein mit seinem i Freunde, dem obengenannten Leipziger Professor! Franz Delitzsch, edirte; hierbei wurden die beiden Forscher von der Tauchnitz'schen Buchhandlung,! die ohne Aussicht auf Absatz, wie es Delitzsch in! seinen lateinischen Vorreden öfters hervorhebt, nur im Interesse der Wissenschaft den Verlag übernahm, sehr unterstützt. Als diese Bibel erschien, erregte sie in den jüdischen Gelehrtenkreisen das größte Aufsehen, früher gedruckte Ausgaben waren vielfach höchst unvollkommen, so entbehrte ein Theil der Propheten die Bezeichnung der rrrrne und mcno, die von den Verfassern durch das übliche v und v eingefügt wurde. Durch die Benutzung vorzüglicher, theils uralter, höchst seltener Ausgaben, sowie neu aufgefundetter alter Manuscripte, von denen viele aus spanisch-maurischer Zeit und aus dem Orient stammten, gelang es ihnen, Fehler, die sich im Laufe der Zeit in die heiligen Texte eingeschlichen hatten, auszumerzen und die ursprünglich richtige Lesart wieder herzustellen, ganz besonders hatte Baer auf dem Gebiete der Neginoth große Erfolge zu verzeichnen, wo er durch seine Eorrecturen oftmals überraschende Aufhellung der drlrch alte Notationen nur äußerst schwer verständlichen Stellen erzielte. Daß Baer sich auch manchmal irrte und richtige Stellen durch fehlerhafte ersetzte, wer wollte ihm das nachtragen? Bleibt doch , jegliches menschliche Werk unvollkommen und auch die ungeheure Sorgfalt und der außerordentliche Fleiß, mit welchem Baer arbeitete, konnte ihn vor solchen Jrrthümern nicht bewahren. 'Roch im Jahre 1856 trat Baer seine Stelle in ' Biebrich-Mosbach an, die er bis zu seiner vor drei Jahren erfolgten Pensionirung inne hatte. Hier war : es ihm vergönnt, mancherlei Freude zu erleben ttnd die Früchte seiner schweren Mühen zu genießen. Kaiser- Wilhelm I. verlieh ihm den Kronenorden IV. Klasse, indem er ihm gleichzeitig einen Jahresgehalt aussetzte,; den auch die erhabenen Nachfolger des großen Monarchen - ihm nicht entzogen. Am 15. November 1876 erz nannte ihn die philosophische Facultät oer Stadt Leipzig zum Ehrendoktor. Die Deutsch-Morgenländische 8 Gesellschaft cceirte ihn zu ihrem ordentlichen Mitglieoe » und die Stadt Biebrich zu ihrem Ehrenbürger I (Juni 1882). 1894 feierte Baer sein 50jähriges 1

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