Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 17-18 (3.3.1897)
- Date
- 1897-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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j*f5 r*g^»^.*m7-V «..*■* -*'."J«Jl.i-»53f*»^:9? TV5*; 324 Gewissenhaftigkeit bestrebt ist, der würdige Nachfolger seines großen Vaters bv zu werden, sondern er verstand es auch durch seine ausgezeichneten Reden die Herzen seiner Gemeinde zu erobern. Herr Rabbiner Dr. Guggenheimer ist mit besonderem Eifer bemüht durch Vorträge und durch Ertheilung von Unterricht im Talmud die hiesige jüdische Jugend zum Studium unserer heiligen Lehre zu veranlassen, so daß wir wohl mit Recht hoffen dürfen, daß seine Wirksamkeit in unserer Gemeinde von schönstem Erfolge begleitet sein werde. K. P. Italien. Rom, 18. Februar. Unsere Cultusgemeinde hat vor einigen Tagen ein Plebiseit veranstaltet, um so die Ansichten ihrer Mitglieder über eine wichtige Angelegenheit zu erfahren. Es handelte sich nämlich um Folgendes: Unsere Gemeinde beabsichtigt ein neues Gotteshaus im modernen Style zu erbauen, das nicht nur eine geräumige und freundliche Andachtsstätte, sondern auch eine Zierde der Haupt- und Residenzstadt des Königreiches Italien werden soll. 'Rur die Wahl eines geeigneten Bauplatzes machte unserem Eultusvorstande viele Sorgen. Endlich war auch dieser gefunden und sollte auch sogleich der Kaufpreis für denselben erlegt werden. Der Cultusvorstand wollte jedoch in diesem Punkte, da es sich um eine Finanzsrage handelte, nicht eigenmächtig Vorgehen und er beschloß daher, darüber ein Plebiszit zu veranstalten. Abgegeben wurden im Ganzen 733 Stimmen, von denen 718 mit Ja, d. h. für die Beibehaltung des schon erworbenen Bauplatzes und 13 mit Rein stimmten. Das neue Gotteshaus wird also richtig aus dein augekauften Bauplatze erbaut werden. T ü r k e i. (B.) Konstantinopel, 19. Febr. Die Lage unserer Glaubensbrüder aus der Insel Kreta hat sich seit einigen Tagen zu einer recht traurigen gestaltet. Seitdem nämlich die Türken das Innere der Insel geräumt und sich aus einige wenige Küstenstädte zurückgezogen, hat die Sicherheit aus dem flachen Lande gänzlich ansgehört und die Bevölkerung daselbst wagt es kaum ihre Dörfer zu verlassen, da sich neben Tausenden von Insurgenten auch Hunderte von Straßenrändern auf den Bergen und in den Wäldern herumtreiben. Die wenigen Juden, die nun in den Dörfern daselbst leben, haben ihre Weiber und Kinder schon vor einigen Tagen nach Kandia geschickt, um sie so in Sicherheit zu bringen. Die jüdische Gemeinde in Kandia selbst, die einzige des Landes, hat zwar wenig zu befürchten, da europäische Kriegsschiffe die Stadt bewachen; ihr Haupterwerbszweig, der Handel, hat jedoch fast gänzlich aufgehört, da die Lust zum Geschäfte geschwunden ist. Nur einzelne ihrer Mitglieder finden einigen Verdienst dadurch, daß sie für die fremden Kriegsschiffe den nöthigen Proviant, zumal Wein, Tabak, Gemüse und Früchte liefern. Leider giebt es in der Stadt Kandia nur wenige bemittelte Juden, diese leisten ihr Möglichstes, damit ihre ärmeren Glaubensbrüder nicht gänzlich darben muffen. Indien. Bombay. Obwohl hier die Pest so schrecklich wüthet, so bleiben doch alle unsere Glaubensgenossen bisher von der Seuche verschont, selbst unter den eingeborenen Juden, der Bene Israel, ist noch kein Fall von Pesterkrankungen vorgekommen. Viel Aufsehen hat die neue Entdeckung des Dr. Waldemar Haffhine gemacht, des berühmten Schülers von Pasteur, der eben so wie vor einigen Jahren ein Mittel gegen die Cholera, so jetzt em solches gegen die Pest gefunden zu haben glaubt. Mck dem ersteren Mrttel wurden 42445 Personen geimpft und mit dem besten Erfolg. Das neue Jmpfungsmittel gegen die Pest, welches immun gegen dieselbe machen soll, hat Haffhine bisher nur bei sich selbst angewendet und er ist in der That von keiner Erkrankung bisher befallen worden, obwohl er sich kühn in die ärgsten Pesthöhlen wagt. Wir wünschen dem muthigen Forscher, daß seine gefahrvollen Experimente von vollem Erfolge gekrönt sein mögen. Haffhine ist bekanntlich ein eifriger Jude. Vermischtes. Berlin- Eine antisemitische Zeitschrift, „Das zwanzigste Jahrhundert", ist eingegangen. Der Verleger thcilt mit, daß er nach beträchtlichen Opfern sich entschließen mühte, das fernere Erscheinen der „deutsch-nationalen" Monatsschrift „Das zwanzigste Jahrhundert" eirrznfteUen. Lemberg. Unter den 137 Stipendiaten, welche vom Laudesausschuß in Galizien wie alljährlich mit der Gesammtsumme von mehr als 30 000 Fl. aus öffentlichen Fonds und privaten Stiftungen bedacht wurden, befindet sich ein Jude, der 30 Fl. erhielt. Dagegen dal eine jüngst verstorbene Matrone, die Gräfin Borkowsk-Riczabitowska einen größeren Fond für die Volksküchen hinterlassen mit der Bestimmung, daß die jüdische den gleichen rheit wie die christlichen bekommen Es ist dies seit vielen Jahren der erste Fall interkonsessioneller Mildthätigkeit. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. Bon Manriee Ma«on. 4) Da siel sein Blick auf das Bild an der Wand, von dem mau ihm sagte, daß es seine Mutter darstelle, und wie von magischer Kraft gehoben, sprang er empor. Plötzlich trat ein Bild vor seine Seele, das über den Horizont seines kindlichen Denkens