Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 17-18 (3.3.1897)
- Date
- 1897-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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'■ »trWT-. - :^s*»gygw;jy.g^gg^ ■WL'w&ymr-?.:' ^.'MWj^ ^-!l> l?,^*....t.-^. 323 k ich leider nicht theilnehmen konnte, da meine Berufsgeschäfte mich nach Hause riefen. Ich verließ Kalisch mit dem angenehmen Bewußtsein an einer wahren mxo nnoB» Theil genommen zu haben und nachdem ich mich vom Kalischer n rn verabschiedet hatte, mit dem Wunsche, daß dieser mn bna und pnx zum Wohle seiner nbnp unb bitutr bbznzwb uns erhalten bleiben möge nw nsc -v. Nubb. De. M. B a m b e v q e r. Darmstadt, 28. Febr. Hierfelbst fand eine von der Ortsgruppe des deutschnationalen Handlungsgehülfeii-Verbandes einberufene öffetttliche Versammlung statt, in der Herr Schack aus Hamburg über „Zweck und Ziele der deutschnationalen Handlungsgehülscn-Bewegung" referierte. Herr Schack sprach zuerst in ruhiger und sachlicher Weise über die in kaufm. Stande vorhandenen Uebelstände, wie die lange Arbeitszeit, schlechte Bezahlung, Lehrlingszüchterei re.; der antisemitische Pferdefuß kam erst zum Vorschein, als der Redner gegen Ende seines Vortrages bei Besprechung der Frauenfrage auf die sittlichen Gesahreu hinwies, denen junge Mädchen im Handelsgewerbe ausgesetzt seien. Er belegte das mit Beispielen, die „zufällig" lauter „jüdische" Firmen betrafen. Auf den berechtigten Zwischenruf, ob denn solche Ausnahmen bei christlichen Firmen nicht auch vorkämen, gerieth Herr Schack in Wallung und versicherte mit dreister Stirne, von christlichen Firmen fei ihm in dieser Beziehung nichts bekannt. Schack schloß mit der Aufforderung zum Eintritt in den deutschnationalen Verband. In der Debatte, welche der Vorsitzende, es sei dies besonders hervorgehoben, mit dankenswerther Unparteilichkeit leitete, nahm zunächst Herr Rosenbaum das Wort. Er kritisierte in scharfer Weise die Heuchelei, welche der Verband in seinen Satzungen treibe, indem er in 8 1 „parteipolitische und religiöse" Bestrebungen ausschließe und in § 2 die Aufnahme von Juden als Mitglieder untersage. Redner kam dann auf den Antisemitismus im Allgemeinen zu sprechen, wobei ihn seine Erregung manchmal veranlaßte, über die Grenzen der Sachlichkeit hinauszugehen. Als nächster Redner meldete sich, als auf an ihn ergangene Einladung anwesend, Herr Moritz A. Loeb aus Frankfurt a. M. Herr Loeb kritisierte zunächst, daß Herr Schack beanspruche, als Träger von Aufklärung und Förderer von allgemeiner Handlungsgehülfen-Interessen betrachtet zu werden. Zur ersteren Rolle fehle es Herrn Schack an der nöthigen Klarheit über die Berufsfrage, zur zweiten ließe sich an schlagenden Beispielen Nachweisen, daß die Verquickung von Antisemitismus und Fachvertretung den kaufm. Stand geschädigt habe. Herr Loeb zeigte nun an den eigenen Ausführungen Schack's zur Ladenschlußstunde unb zur Frauenfrage, wie unklar und widerspruchsvoll dessen Ansichten seien. Ausführlich ging Redner auf das ein, was die Antisemiten für die Handlungsgehülfen bisher geleistet haben, nämlich, daß ihnen die Annahme der berüchtigten § 9 und 10 des Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb in der Kommission und damit auch überhaupt zu verdanken ist. Ferner sei es bezeichnend, daß die Antisemiten im Reichstag sich gegen die vom Bundesrath erlassene Verordnung betreffs Abkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen, das lasse einen Schluß daraus zu, wie sie sich verhalten werden, wenn der Reichstag einmal über die Einführung einer Ladenschlußstunde zu beschließen habe. Herr Loeb zeigte dann noch an der „Deutschen Handelswacht" entnommenen Beispielen, wie das von Herr Schack redigierte Blatt die Thatsachen zu Gunsten seiner antisemitischen Theorie einfach fälsche und schloß mit dem Mahnrufe diese Bestrebungen, die nur geeignet seien den Handlungsgehülfenstand zu schädigen, energisch zurückzuweisen. Den Ausführungen des Redners folgte lebhafter Beifall, von dem Herr Schack ziemlich unangenehm berührt schien, denn er begann seine Erwiderung mit der Frage, wie es komme, daß Herr Loeb von Frankfurt nach Darmftadt reise, um ihn zu hören, er käme doch in den nächsten Tagen selbst nach Frankfurt! Diesem Anfang schlossen sich die weiteren Ausführungen Schack's würdig an. Der unverhohlene Aerger auf einen an Sachkenntnis überlegenen Gegner gestoßen zu sein, verleitete ihn dazu, zunächst rein persönliche Dinge zu besprechen und versuchte dann, den Ausschluß der Juden aus dem deutschnationalen Handlungsgehülfenverband mit einem Hinblick auf solche Tendenzen der Offizierkorps und der Korpsstudenten zu motivieren! Herr Säug aus Frankfurt führte in kurzen Worten aus, daß auch er von einem Eindringen antisemitischer Anschauungen in Handlungsgehülfenvereinen nur Unheil erwarten könne. Er warnte gleichfalls vor jeglicher Unterstützung der deutsch-nationalen Bewegung. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Kolin, 25. Febr. Bei dem lebhaften Jntereffe, welches Ihr geschätztes Blatt allen das jüdische Leben betreffenden Ereignissen widmet, irverden Ihre Leser auch erfreut werden durch die Nachricht, daß vor einigen Wochen die K. K. Statthalterei die lebenslängliche Anstellung des Herrn Dr. Raphael Guggenheimer zum Rabbiner unserer Gemeinde bestätigt hat. Während der Krankheit und nach dem Hinscheiden seines uns und Allen die ihn kannten unvergeßlichen Vaters wurde Herrn Dr. Raphael Guggenheimer die provisorische Leitung des Rabbinats übertragen und hatten wir während dieses Provisoriums nicht nur Gelegenheit zu beobachten, daß Herr Dr. Raphael Guggenheimer mit ängstlicher