Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 17-18 (3.3.1897)
- Date
- 1897-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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822 antisemitischen Angeklagten gegenüber urtheilen wird. Es liegt in diesem Artikel die Absicht, den Amtsrichter in der öffentlichen Meinung herunterzusetzen und zu beleidigen. Der Angeklagte, welcher in so frivoler Weise jede Person, welche gegen ihn ist, in seinem Blatte herunterreißt, wird wegen dieser Beleidigung zu einer Gefängnißstrafe von sechs Monaten verurtheilt. Dem beleidigten Landrichter Dr. Hirsch wird die Publikationsbesugniß durch einmalige Einrückung des verfügenden Theiles des Urtheiles in der nächsten Nummer der „Charlottenburger Nachrichten" zugesprochen. Die noch etwa vorhandenen Nummern und Platten, in welchen fragliche Beleidigung enthalten ist. sollen vernichtet werden. Außerdem wird Knorr wegen Ungebühr vor Gericht zu einer Geldstrafe von 15 M. event. 3 Tagen Haft verurtheilt. Schildderg, 26. Februar. (Eine Sefer- Thora-Einweihung in Kalisch.) Am amc svp folgte ich der Einladung des ehrwürdigen Herrn Rabbiner Samson Arnstein ''2 in Kalisch, um Zeuge zu sein, der Freude über die eben ausgesührte nun rrwn ns 22b 12112 msto. — Außer dem Schreiber dieser Zeilen waren der Einladung gefolgt die Rabbinen und Dajanim von Jniow, Verichau, Stavischin. — Herr Rabbiner Dr. Pleßner—Ostrowo und Herr Oberrabbiner Dr. Ritter—Rotterdam und auch mehrere polnische Kollegen hatten sich wegen ihres Fernbleibens entschuldigt und Herrn Rabbiner Arnstein theils schriftlich, theils telegraphisch ihre Glückwünsche übermittelt. Die Einweihung der nim ir.a nahm um 2 Uhr ihren Anfang. Ein Menge von 4—500 Personen harrten in den Zimmern der RabbinatSwohnung, um die rp2T zu haben an der neuen nim iss einen Buchstaben schreiben zu dürfen. Zwei Musikkapellen spielten luftige Weisen. Wenn ein 21 oder einer der amm ankam, und ebenso nachdem er den Buchstaben geschrieben hatte, gab die Musik einen Tusch und aus vielen Kehlen erschallten laute Maseltow-Rufe. Im neben inliegenden Zimmer wurde jedem, der seinen Buchstaben geschrieben hatte, „Lekech mit Bramphen" *) gereicht. Um blj2 Uhr wurde in der Wohnung nnn gebetet. Nach dem Gebete wurde weiter geschrieben und gegen 7 Uhr schrieb Herr Rabb. Arnstein "2 die Worte bxw bs wb. Hierauf wurden einem Kohen die letzten 8 Verse — natürlich ohne rroin 11212 vorgelesen. Mit 112:1 mxa wurde der Jniower Rabbiner, mit der Schreiber dieser Zeilen beehrt. Unter den Klängen der Musik erfolgte nun die Einführung der neuen Thorarolle in die Synagoge, welche der Herr Rabbiner Arnstein selbst unter einem Baldachim trug. Sämmtliche Thorarollen, ca. 60, waren an der Spitze des Zuges, der sich in ungeheurer Zahl durch die hellerleuchteten Straßen Kalisch's wälzte. Es ist keine Uebertreibung, wenn ich behaupte, daß mehr als 5—6000 Menschen sich an dem Zuge betheiligten. Den Zug eröffneten acht Reiter, 12 Fahnenträger, etwa 20—30 Fackelträger und Träger zweier Transparente, eines mit der Inschrift nim 1712, das andere mit der Inschrift 8. A. die Anfangsbuchstaben des Spenders der neuen Thorarolle. Die Straßen waren taghell erleuchtet, und an den Fenstern des dritten und vierten Stockes standen die Einwohner der Häuser mit Lichtern, Lampen und Lampions mit den Taschentüchern schwenkend, Hurrah und Boruch Haboh rufend. Während des Zuges, der sich nur langsam bewegen konnte, ward dem Jniower 21 und nur die ganz besondere Auszeichnung zu Theil, die neue nim ivv ein Stück des Weges tragen zu dürfen. Als der Zug endlich vor der Synagoge anlangte, wurde er vom Gouverneur von Kalisch — der übrigens unseren Glaubensgenossen im Kalischer Gouvernement sehr gewogen ist — erwartet. Vor der Synagoge suchten zwei Polizeiofsiziere die Ordnung aufrecht zu erhalten, was ihnen allerdings angesichts einer solchen immensen Menschenmaffe nicht leicht wude. Im „Balisch" der Synagoge angelangt, wurde von den Trägern der Thorarollen ein lustiger Tanz aufgeführt. In der Synagoge ertönte beim Eintritt des Trägers der neuen min nsa ein mehrtausendstimmiges „Hurrah und Boruch Haboh". Hierauf trug der Obercantor mit vielen anntpe das VID22 w und Psalm 8 vor. Daran schloß sich die nern des Herrn Rabbiner Arnstein an, worin er einleitender Weise bemerkte, daß er allerdings die Sefer Thora habe schreiben lasten, die Initiative hiezu aber von seiner würdigen Gattin ausgegangen sei. Ueber den Text iwn nx xvm m sprach dann der Herr Rabbiner von der Bedeutung der nim ibd nam2 ms», welche als ipbj ißia angesehen werden kann. Mit einem Dank für die Kalischer Gemeinde, welche ja in gewiffem Sinne an der nute, insbesondere an der nnatr des -pjn Theil habe, schloß der ehrwürdige Herr seine nenn. Jetzt ertönte wieder der Chor, welcher nax' nruai, die russische Nationalhymne „Gott schütze den Zaren" und n^vm ,mi7n sang. Der Vortrag des Psalm 19 e^cea a'LL'n schloß mit dem darauffolgenden anya- Gebet die erhabene Feier in der Synagoge. Die Musik begleitete den Rabbiner und seine Gäste nach Hause. In der Wohnung des Rabbiners fand für die geladenen Gäste, zu denen zu zählen, auch ich die Ehre hatte, ein reichliches Festmahl statt, das von jhtb7 und nim nan gewürzt, sich bis gegen Mitternacht hinzog. Nach 12 Uhr wurde die Tafel aufgehoben, das Chassidim-Minjan erschien, nahm den Rabbiner in seine Mitte, führte einen lustigen Reigen auf, bei dem der Herr Rabbiner trotz seiner 72 Jahre ow nnv -ry mittanzte. Am folgenden Tage! fanden noch verschiedene Festlichkeiten statt, an denen *) Lebkuchen und Branntwein.