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Der Israelit · 1897-02-25 · Heft 16 (25.2.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 16 (25.2.1897)
Date
1897-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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302 Schmähbriefe seien — spricht der erwähnte Artikel mit unglaublicher Frechheit aus. Wir entnehmen demselben folgende, auf die Briefe bezüglichen Stellen: Sogenannte antisemitsche Schmähbriefe beschäftigen noch immer die Oeffentlichkeit in unserer guten Stadt. Leider ist es bisher nicht gelungen, das Dunkel, das über dem Verfasser schwebt, zu lichten. Gleich den Herren Voigt und Gleiber gibt sich der Deutsche Verein alle Mühe, zur Aufklärung der Angelegenheit beizutragen. Man hat sich unter Beihilfe der judendienerischen Presse daran gewöhnt, von autisemitischenlSchmähbriefen zu sprechen. Was will man damit sagen? Soviel wir wissen, waren die Briefe nicht an und gegen Juden, sondern ausschließlich an und gegen Deutsche gerichtet und zwar gegen solche, die man für Judenfreunde hielt. Was soll also die Bezeichnung „antisemitische Schmähbriese"? Oder will man den Glauben erwecken, daß der Urheber nothwendigerweise nur ein Antisemit sein könne? — Wir unsererseits müssen gestehen, daß wir von Anfang der Ansicht waren und auch jetzt noch daran fefthalten, daß nur ein Orientale die Briese verfaßt oder veranlaßt haben kann. Die cynische Ausdrucksweise, die dürftige GefinnungSart, die sich in den kläglichen Machwerken ausspricht, die nicht unbeträchtliche Geldausgabe — weisen sie nicht auf einen Angehörigen des Volkes hin, dem afle*9Jtittel*redjt sind, um die edle, deutschnationale, von idealer Begeisterung getragene antisemitische Bewegung zu verunglimpfen und zu schädigen? Die Juden haben eS in der politischen Brunnenvergiftung soweit gebracht, daß man ihnen auch die Abfassung „antisemitischer Schmähbriefe" zutrauen kann." Indem wir diese antisemitische journalistische Tbat ohne weitere Kommentirung tiefer hängen, haben wir noch eine weitere „Thai" zu melden. Mit einem Briefumschlag des „Hotel Kölner Hof", auf welch' ersterem der antisemitische Gruß „Heil" prangte, erhielt das hiesige Bureau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus eine Nummer der „Frankfurter Post", in welcher der oben erwähnte Artikel mit Blaustift eingerahmt war. Blau ist die Lieblingsfarbe der Antisemiten. Auch die Schmäh- und Drohbriefe zeigten zahllose Linien dieser edlen Farbe. Dem Briefe lag eine jener witzlosen grünen „Eisenbahn-Fahrkarten" des „Kölner Hofes" bei. Königsberg, 20. Febr. Das hiesige israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz läßt gegenwürlig'seinen 36. Jahresbericht zur Vertheilung gelangen. Der Bericht bringt an seiner Spitze einen warm empfundenen Nachruf auf den im verflossenen Jahre dahingeschiedenen langjährigen Vorsitzenden des Waisenhauses, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, dessen hohen Verdienste um die Entwickelung des Instituts eingehend gewürdigt werden. Die Anstaltschronik weist nach, daß die Zahl der Zöglinge von 32 auf 36 gestiegen ist. Aus der erhöhten Kinderzahl erklärt sich wohl der die verwendbaren Einnahmen (19418.06 Mk.) überschreitende Ausgabeetat (21067,43 Mk.) Dank den reichen Geschenken in Höhe von 7700 Mk. ist das Vermögen der Anstalt im vergangenen Jahre dennoch um 7941,98 Mk. gewachsen und beträgt jetzt 319,449,20 Mk. in bar. Der Vorstand besteht zur Zeit aus den Herren Professor Dr. Lassar - Cohn (stellvertretender Vorsitzender), Alexander Magnus (Kassierer), S. Mathias (Schriftführer), A. Aron, Dr. Friedländcr, Julius Lazar, I. Eichelbaum-Jnsterburg und M. Wasbutzki-Tilsit, sowie aus den Ehrendamen Frau Friederike Behrend, Frau Rahel Josephsohn und Frau Emilie Magnus. Die Leitung der Anstalt liegt in den Händen des Herrn Inspektors Ad. Peritz, der seit 1889 an der Anstalt thätig, vom Vorstande auf Lebenszeit angestellt ist. — Die diesjährige Generalversammlung ist auf den 28. Februar c., angesetzt. — Für das Rabbineramt bei der hiesigen israelitischen Gemeinde hatte sich eine überaus große Zahl Bewerber gemeldet. Nachdem Rabbiner Dr. Grabowski aus Könitz und am letzten Samstag Landesrabbiner Dr. Lövy aus Birkenfeld hier gepredigt haben, werden am nächsten Samstag noch Dr. Meyer aus Breslau und Rabbiner Dr. Vogelstein aus Oppeln Probepredigten Hallen. Alsdann soll die Wahl unter den vier Genannten vollzogen werden. Schrimm. Ein Lehrer hiesiger Gegend mußte jüngst an einem nztr als Zeuge vor dem Amtsgericht Hierselbst anwesend sein. Selbstverständlich mußte derselbe Freitag schon hierher kommen und konnte erst nach Ausgang des r-tr wieder abreisen. Er stellte deshalb den Antrag auf Ersatz der ihm hierdurch entstandenen Mehrkosten, welchem Anträge er eine Erklärung des hiesigen Herrn Rabbiners beilegte, daß er als Jsraelite und insbesondere als Lehrer durch Reisen am ror eine schwere Religionsverletzung begehen würde. Hierauf erfolgte unter dem 3. d. Mts. die amtsgerichtliche Entscheidung, daß „der Antragsteller mit seinem Anträge kostenfällig abzuweisen sei, da das Gericht resp. der Staat auf religiöse Vorschriften keine Rücksicht nehmen könne, insbesondere, als die Religionsgescllschaft, welcher der Antragsteller angehört, nicht eine vom Staate ausdrücklich aufgenommene, sondern nur eine geduldete i st, (§ § 17, 20 I111 allgem. Landrechts)." Diese Entscheidung zeigt, wie die gesetzlich verbriefte Gleichstellung der Juden gehandhabt wird. Es wäre daher an der Zeit, durch allgemeine Petitionen an Ministerium und Landtag darauf hinzuwirken, daß die gesetzlich ausgesprochene Gleichstellung in der Praxis auch thatsächlich gehandhabt und die jüdische

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