Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1897)
- Date
- 1897-02-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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292 WSTP**' "7^5W?ip Kaum ist Graf Schuwalow in Folge Erkrankung von dem Posten des General-Gouverneurs von Warschau enthoben worden, als die Warschauer Machthaber ihre giftigen Pfeile gegen die Juden richteten. Wie der amtliche Warschawskij Dnewnik nämlich meldet, hat die Warschauer Provinzial-Regierung die sofortige Ausweisung sämmtlicher Juden aus Myfchkowa, Dambrowa, Gornaja und vielen anderen Ortschaften verfügt. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß die Juden in diesen Ortschaften auf dem den Bauern gehörenden Grund und Boden ihre Wohnhäuser errichtet haben. Aber der Petersburger Senat hat doch im abgelaufenen Jahre kategorisch erklärt, daß Niemand berechtigt sei, den Bauern zu verbieten, ihren Grund und Boden an Juden behufs Errichtung von Wohnstätten zu verpachten. Die Machthaber von Warschau scheinen jedoch von dem Beschluß der höchsten gesetzgebenden Körperschaft des Reiches keine Notiz nehmen zu wollen ... In der neuerdigs verschärften Bedrückung unserer Glaubensgenossen im Czarenreiche darf jedoch nicht bloß die böse Absicht dieses oder jenes Machthabers erblickt werden; in dieser Bedrückung liegt System, denn es liegen uns noch viele andere Thalfachen vor, welche dafür sprechen. In Transbaikalien wohnen Juden seit vielen Jahren. Sie wurden mit ausdrücklicher Zustimmung der Militärverwaltung des Gebietes dorthin zugelassen. In dieser wilden Gegend haben die Juden ihren Fleiß und ihre Energie der Hebung des ökonomischen Wohlstandes des Gebietes gewidmet. Sie sind daselbst die Pioniere der Kultur. Nun melden die offiziellen Sabaikalskija Ohlastvyja Wjedomosti, daß der Militär-Gouverneur des Transbaikal-Gebietes die ihm unterstehenden Polizeiorgane beauftragt hat, den Juden den Aufenthalt aus den in einer Entfernung von hundert Werst von der chinesischen Grenze liegenden Territorium unter keinen Umständen zu gestatten. Die Folge dieser Verordnung ist, daß viele jüdische Familien, welche dortselbst seit Jahrzehnten ansässig sind und Geschäfte inne haben, das Territorium verlassen mußten, wobei sie um ihr Hab und Gut gebracht wurden. Der Mohr hat seine Schuldigkiit gethan, der Mohr kann gehen — dies ist der Grundsatz, dem man im heiligen Rußland den Juden gegenüber huldigt. Im Taur'schen Gouvernement hat man den Beschluß gefaßt, viele Städtchen in Dörfer zu verwandeln, was die Ausweisung der Juden aus diesen Ortschaften zur Folge haben muß, da den Juden der Aufenthalt in den Dörfern bekanntlich untersagt ist. Der „Odeßkij-Listik" selbst, dem wir diese Mittheilung entnehmen, unterzieht den Beschluß der Taur'schen Gubernial-Regierung einer scharfen Kritik und weist nach, daß die Ausführung dieses Beschlusses die Interessen der bäuerlichen Bevölkerung der bezeichneten Ortschaften arg schädigen werde. Im Gouvernenient Cherson wurden solche Umnennungen unter dem Gouverneur Oliv durchgeführt, was den Verfall des Handels und der Industrie nach sich zog, aber diese Erfahrung schreckt die russischen Judenfresser nicht ab, denn sie fahren fort, die Juden zu drangsaliren... 5 Daß die Petersburger Negierung in ihrer Haltung den Juden gegenüber noch jetzt jedwede Gerechtigkeit außer Acht läßt, erhellt deutlich aus der soeben publieirten „Statistik des medicinischen Departements für das Jahr 1896." Aus dieser Statistik erfahren wir, daß in Rußland im Ganzen 562 Aerztinnen vorhanden, wovon 112 Jüdinnen sind. Diese jüdische Aerztinnen entwickeln eine segensreiche Thätigkeit in dem fernsten Osten und in den entlegensten Dörfern des großen Czarenreiches. Mutig, human und uneigennützig erscheinen diese Jüdinnen überall, wo Menschen der ärztlichen Hülfe bedürfen. Der Präsident der Stände-Verwaltung von Rischegorod, Geheimrath Chwoschzinskij, schildert in beredten Worten die ersprießliche und segensreiche Thätigkeit der jüdischen Aerztinnen unter der bäuerlichen Bevölkerung. Und doch hat man Jüdinnen den Zutritt in die neue medizinische Frauen- Universität in Petersburg untersagt und ihr Collcctivgesuch um Aufhebung des Verbotes verworfen . . Das also ist die neue Aera! Man müßte verzweifeln, wenn man keine Hoffnung auf eine Wendung der Lage hätte. Und eine Wendung muß eintreten, denn die Lage kann nicht lange anhallen: die Landschaftsverfassungeil des Reiches gedenken eine Kundgebung zu Gunsten der Inden 511 erlassen. Und man hofft hier auf Erfolg! Arg-us. Zettungsttachrichten und Correfporrderrzerr Deutschland. Frankfurt a. M, 18. Februar. (Archäologisches aus P a l ä st i n a). Eine interessante archäologische Entdeckung hat man, wie der „Daily Graphic" meldet, in Palästina gemacht. In einem Dorfe zwischen es - Salt und Kerack, östlich vom j Jordan, fand man einen Mosaik-Fußboden von 6" Fuß Länge und 15 Fuß Breite, aus farbigen Ziegeln von etwa 2/3 Ouadratzoll Größe bestehend. Dieses Mosaik, welches wahrscheinlich den Fußboden einer Kapelle aus dem fünften Jahrhundert bildete, stellt eine Karte Palastina's vor vom Libanon bis nach Egypten. Die Zeichnung ist sehr verzerrt, Jerusalem ist ganz unverhältnißmäßig groß, und seine Straßen sind angegeben. Das Todte Meer wimmelt von Fischen, obwohl es darin keine gibt, und einige Fische 8 sind länger, als der Jordan breit ist. Hebron fehlt I auf der Karte, obwohl es eine der ältesten Städte ist. 8