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Der Israelit · 1897-02-22 · Heft 15 (22.2.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 15 (22.2.1897)
Date
1897-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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287 empfehlen, sich dem schwierigen, vcrautivvrtungsvolleu Berufe zu widmen. — Der Eindruck dieser Darlegungen war ein solch gewaltiger, daß sämmtliche anwesenden Gemeindcmitglieder beschlossen, dem Vereine als außerordentliche Mitglieder beizutreten und den Vereinsvorstand zu ersuchen, eine Liste in Siegburg und anch vielleicht in andern Städten zirkuliren zu lassen, da jeder denkende Jude den Bestrebungen des Eölner Vereins zur Besserstellung der jüd. Religionslehrer mit aller Sympathie gegenüberstehen werde. Möge bald eine Besserung eintrcten! — Ein warmer, kraftvoller Appell war cs, als hierauf Herr Dr. Lazarus, der Vorsitzende des genannten Vereins, das Wort ergriff, um nochmals nachdrücklich auf die Nothlage der jüd. Neligionslehrer hinzuweisen, und den Verein mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen, der sich die hehre Aufgabe gesetzt, den jüd. Neligionslehrer sowohl in materieller, als auch in geistiger, idealer Beziehung zu heben und zn stärken. Bald 8 lU;r war es, als Lehrer und Gemeindcmitglieder sich trennten in dem angenehmen Bewußtsein, den Geburtstag unseres Kaisers wirklich gefeiert zu haben, indem versucht und begonnen war, ein Stück socialer Frage zu lösen. Wir schließen mit dem Wunsche, daß in allen Gaiwn des deutschen Vaterlandes derartige Einrichtungen getroffen werden möchten zum Heile llnsercr Jugend. — T. Würzburg, im Februar. Wenn Ihnen seit längerer Zeit kein Bericht von dein hiesigen Literatur- Verein zugegangen, so darf daraus nicht auf dessen Nichtexistenz geschlossen werden. Wohl ist durch die Metamorphose, welche sich mit ihm vollzogen, eine kurze Pause in dessen Thätigkeit eingetreten. Es ist nämlich aus dem „Akademischen Verein für jüd. Geschichte und Literatur," ein allgemeiner „Verein für jüd. Geschichte und Literatur" emftanden. Mit dieser Veränderung hat der Verein einen allgemeineren Eharakler und eine festere Existenz erlangt. In dieser neuen Form hat derselbe bereits seit Beginn dieses Jahres seine Thätigkeit wieder begonnen und verspricht, allgemeine Theilnabme zu erwecken. Den ersten Vortrag hielt am 14. Januar der Vereinsvorftand, Herr Dr. Tachauer über die „Ethik des Maimonides" nach den 8 Abschnitten zu Traktat Aboth. In getreuer Wiedergabe der dort niedergelegten maimonidischen Ideen und Philosophemen zeigte der verehrte Redner, wie diese doch nur auf dein geossenbarten Worte Gottes in schriftlicher und mündlicher Lehre beruhen und wie Maimonides, obwohl der aristotelischen Philosophie folgend, doch von andern Grundsätzen ausging. Aus dem Ganzen leuchtete hervor, welchen Reichthum von ethischen Grundsätzen und erhobenen Anschauungen über Gott, die Welt und des Menschen Ziel die jüdische Lehre in sich birgt und wie dieselben heute und zu alle» Zeiten als vernunftgemäß, wahrhaft und mustergiltig betrachtet werden können. Die gediegene, wissenschaftliche Rede fand reichen Beifall, welchem sowohl vom Publikum als von dem Vorsitzenden beredter Ausdruck gegeben wurde. Herr Distrikts-Rabbiner Bambecger dahier, welcher dem Verein von vornherein seine Sympathie und Förderung zusicherte, hatte die Güte, nachdem er in dem früheren Vereine bereits zwei Vorträge gehalten, auch in dem neuen einen solchen über das Thema: die Namen der Israeliten in alter und neuer Zeit" am 28. Januar vor zahlreichem Publikum zu halten. Der ehrw. Redner verstand es, den Gegenstand ebenso interessant als Lehrreich zu behandeln und zu zeigen, wie der Akt der Namensertheilung im Judenthum stets ein bedeutungs- und würdevoller war und wie dabei die Gesinnung, die Denk- und Gefühtsweise des Volkes, sein Glaube und seine Dankbarkeit zum Ausdruck gelangte. Zahlreiche Beispiele aus der Bibel dienten hierfür als Belege. Als sich später die Sitte einbürgerte, den Kindern die Rainen thcurer Dahingeschiedeuer zu geben, da bewährte sich die jüd. Pietät, die das Andenken der Eltern und Großeltern dadurch zu erhalten suchte. Wohl hatten manche Juden in den verschiedenen Zeiten ihres Zusammenlebens mit andern Völkern ihre Namen der Sprache und dem Gebrauche dieser Völker anzupassen gesucht, sie gräcisirk, romanisirt, germanisirt u. s. w., aber der jüdische Grundzug wurde doch beibehalten, wie das der Redner an vielen Beispielen nachwies. Und wenn es auch zu bedauern, daß man sich heute vielfach der jüdischen, selbst biblischen, ebenso wohlklingenden "Namen schämt und sie mit andern vertauscht, so läßt sich auch in diesen noch ein Zusammenhang und Ursprung mit jüd. Namen Nachweisen, was ebenfalls der Redner oft in überraschender Weise versuchte. Interessant waren die Ausführungen über die jüd. Familiennamen, ihre Entstehung und ihre Gesetzesbestimmungen hierüber. Die fast einstündige Rede enthielt des Lehrreichen und Interessanten so viel, daß dieselbe mit großer Aufmerksamkeit und in dankbarer Anerkennung von dem Publikum entgegengenommen und dies am Schluffe durch Beifallszeichen bekundet wurde. In warmen, anerkennenden Worten sprach auch der Vorsitzende dem ehrwürdigen Redner den gebührenden Dank des Vereins aus. Aber nicht nur durch solche öffentlichen Vorträge verfolgt der Verein seinem Zweck, jüdisches Wissen und jüdischen Sinn zu fördern, sondern auch durch Abhaltung von besonderen Discussionsabeuden,; an welchen dem Vereinszweck dienende Themata und Fragen zur Besprechung gelangen und wobei Zedem Mitglieds gestattet ist, sich an der Debatte zu bethei-

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