Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1897)
- Date
- 1897-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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einer Zeit, die es wagt dem Judenthum seinen Talmud vorzuwerfen und den Talmud und die nach seinen Satzungen Lebenden als Ausbund engherzigen Krämergeistes und verschlagenen Schachersinnes zu verlästern, in einer solcher Zeit ist die Erscheinung eines Talmudjuden saus phrase wie es Rabbi Jizchak Elchonon Spektor bw war und neben ihm die große Zahl der um ihn trauernden Verehrer ein Kiddusch Haschern von ganz unberechenbarer Tragweite. Das volle Bewußtsein von der Größe des Kiddusch Haschem tritt einem in seiner ganzen Lebendigkeit vor die Seele, wenn man das Lebensbild des großen Mannes in seiner Vollendung vor sich sieht, wie sie das pnx' nee bietet. Im Interesse der Sache sowohl, als des Verfassers ist diesem Lebensbilds eines Talmudjuden eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen, besonders aber dürste eine deutsche Uebersetzung in hohem Grade zu empfehlen sein. In den Kreisen, die dem Verblichenen persönlich näher gestanden, also in erster Reihe bei unseren Brüdern und Schwestern in Rußland, lebt sein Andenken, aber auch der tiefe Schmerz über diesen herben Verlust ungeschwächt fort. Wer will den Antheil ermesien, den seine wunderbar zündende Beredtsamkeit, sein durch eine zahlreiche Jüngerschaar nach allen Richtungen hingetragener Geist und den endlich sein mächtig anregendes Beispiel an dem weithin leuchtenden Kiddusch Haschem hat, mit dem Tausende und Abertausende, um ihres Judenthums willen vernichtete Existenzen dieses ihnen bereitete herbe Geschick ertrugen und ertragen? Wer will den Muth und den Trost, die Hoffnung und die Ausdauer ermeffen, den Tausende der Verzweiflung Ueberantwortete aus dem bloßen Bewußtsein schöpfen, sich mit einem Manne, wie es R. Jzchak Elchonon war, eins zu wissen? Das bloße Vorhandensein eines solchen Mannes war allen Braven, Wackeren ein mächtiger Sporn, den Schlechten ein Gegenstand Achtung gebietender Scheu, den Gleichgiltigen und Gedankenlosen eine Mahnung an den Ernst des Lebens, allen aber ein weithin leuchtendes Denkmal der von keiner Zeit zu brechenden Wundermacht der Thora, mit welcher der Vater der Menschheit seine Thora nnd ihren treuen Träger ausgestattet. Und dieser glänzende Stern ist nun niedergegangen und sein Niedergang hat die Geister und Gemüther umnachtet, die Herzen gebeugt und den Blick getrübt, so daß sie zweifelnd an seinem ersten Jahrzeitslage bangen, ob der Tod des Edlen den sühnenden Abschluß eines langjährigen, thränenreichen Schicksals bedeutet, oder eine noch herbere Zukunft einzuleiten bestimmt ist. Möge der Tod dieses Eolen eine Sühne für die von ihm bekämpften Verirrungen seiner Zeit werden. Möge das hohe Verdienst seines hingebungsreichen Lebens in allen Schichten seines Volkes zu dem Streben anregen, die tiefe Lücke auszufüllen, die sein Tod geschaffen. Möge ein gütiges Geschick unsere bewährten Alten in ewiger Jugend erhallen, und in unserer Jugend den Geist jener Allen erstehen und erstarken lassen, die in jedem Niedergang einer Sonne die Garantie für ihren Wiederaufgang erblickten, damit die guten Vorsätze und Entschlüsse, die der Hingang eines solchen pnx gereift, sein Andenken zum Segen und dem tröstlichen Bewußtsein erheben: s7!'-n22 irr frr'ci a-p'-ri* cb-.:, daß die reiche Saat ihres Lebens erst mit ihrem Tode zur ganzen, vollen Blüthe gelangt, ten cfryrr "~b Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a u b. Siegvurg, in. Febr. Die vierte Bezirkskonferenz für Cöln, Bonn ltiib Umgegend fand am 27. Januar Nachmittags 3 Uhr im föntet „Deutsches Haits" in Siegburg unter lebhafter BetheUigung der jüd. Gemeindemitglieder statt. "Nachdem der Bezirksvorsteher, College Seelig-Siegburg in einer herzlichen Ansprache die Erschienenen willkommen geheißen hatte, wies er auf die edlen, wichtigen Ziele des Cölner Vereins jüd. Lehrer hin, und feierte am Schluffe seiner Darlegttngen in marftgat Worten das rege Interesse, welches unser verehrter Kaiser am Gedeihen und Blühen der Schule trimmt. Begeistert brausten die Hochs auf unfern geliebten Landesfürsten durch den Saal. Hierauf erhielt Herr Cantor Ziwi- Düsseldorf das Wort zu seinem Vortrage „Die Musik im jüd. Alterthume." Aufmerksam lauschten die Zuhörer den Darlegungen des Referenteil, welcher darauf hinwies, daß wir schon auf den ersten Seiten der Bibel die Anfänge der erhabenen Kunst finden. Von Stufe zu Stufe weitergeheud behandelte Herr Zivi besonders eingehend die Signale des jüdischen Volkslagers und die Musik der Tempelchöre und Orchester. Verdienter Beifall folgte den Ausführungen, an welche sich eine rege sachlich gehaltene Diskilssion schloß. College Gut-Cöln behandelte alsdann die Frage „Wer soll noch jüd. Religionslehrer werden?" Ein düsteres Gemälde war cs, das Herr Gut in lebenswahren Bildern vor den Augen der Anwesenden entrollte. Abgesehen von dem jämmerlichen Gehalte, wie es jeder Fabrikarbeiter besser hat, fehlt jede Fürsorge für Alter, Krankheit, Invalidität :c. Soll der Lehrer der drückendsten Last der Sorge für die Zukunft enthoben sein, so muß er von seinen 6—900 Mark selbst noch die Kosten für diese Versicherungen bestreiten. Unter diesen Umständen ist es nicht rathsam, jungen Leuten zu