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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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269 drücklicher Erklärung des Autors selbst in seinen Text andeutungsweise niedergelegten Hinweisung auf die mündlich gegebenen, näheren und weiteren Bestimmungen. Hat aber der Autor solche nähere und weitere Bestimmungen überall nicht gegeben, hat er insbesondere einen solchen Jnterpretationsschlüssel nicht gegeben, rührt von ihm überhaupt nichts weiter als der S ch r i f t t e x t her, wie er uns in den fünf Büchern Moscheh's vorliegt, haben die Interpreten sich solche Jnterpretationsregcln erfunden, e-i'dr --Ln, vermittelst welcher sie aus einem überflüssig scheinenden Worte, Buchstaben w. über Leben, Gut und Blut entscheidende Bestimmungen gefolgert und als göttliches Gesetz gehandhabt —: so geht eine solche Behandlung des Textes des Gesetzes so sehr über eine jede denkbare rationale wissenschaftliche Interpretation hinaus, daß sie sich vielmehr als das Werk des Wahnsinns, oder einer schwärmenden Mystik darftellen würde, der gefährlichsten Potenz, der die Gesetzgebung einer Nation anvertraut werden könnte. Der Verf. der Hodegetik, dem zufolge doch der enne nichts anderes als ein höherer wc sein soll, muß sich doch Seite 17 bescheiden, diese Exegese nach einer uns zugänglichen wissenschaftlichen Hermeneutik weder Nachweisen noch erklären zu können, sondern — da nun einmal die sinaitische Begründung des irre negirt bleiben soll — muß er eben seine Zuflucht dazu nehmen: die Früheren.hätten bei einem in höherer, uns nicht mehr zugänglicher Stimnlung geübten Lesen der Bibel Dinge in dem Texte sinden können, die uns als Textexegese unerklärlich scheinen: . e'^x-^n me mm ntr-irxnpz :;m xh-z: *rxe ne: rr.tpx-in 'rjz x^b; x1? Bn-wn: eipbh :y:"jz x^s1 ex:. Auf solchen mystischen Sand muß die Genesis der Halacha sich aufbauen, wenn sie dem Grundsätze der göttlichen Offenbarung der Tradition Valet gesagt! Doch ist diese sich demüthig bescheidende Unterordnung nur vorübergehende Stimmung, nur da, wo sie zur nothdürftigen Lückenausfüllung des Systems der einzige Ausweg bleibt. Auf solchem mystischen Boden, sollten wir meinen, höre jede Kritik auf. Der kritische Hochmuth ist stärker. Derselbe Vers., der sich mit den soeben citirten Worten bescheidet, das von seinem Systeme gelehrte Aufgehen des toe*E in den p*hb nur behaupten, nicht aber beweisen, geschweige erklären zu können, wagt dennoch selbst an einem xrpj? n die Kritik und docirt S. 114: x^pcne nz^n xmS 'X'zrr rn bv TWr, -pn nr!!! xtpen n b tr b r: r.1 e x e n :b' 'ne Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch, daß im April he ft seiner Monatsschrift Frankel sodann sein Schweigen brach und eine nicht ganz ungewöhnliche Ausflucht gebrauchte, indem er erklärte, sein — Ehrgefühl verbiete ihm, auf die gegen seine Hodegetik gerichteten Angriffe zu erwidern. Er betheuert, daß ihm jede Absicht feru gelegen habe, die Tradition zu untergraben, der wissenschaftlichen Forschung genüge es, das hohe Alter der Halacha nachzuweisen, über Dogmatisches habe er nicht zu sprechen gehabt. S. N. H. erwiderte darauf,"') es handele sich ja nicht um das Dasein, sondern um den Ursprung der Tradition. Tradition sei ja der Gegenstand seiner Hodegetik und deren Genesis zu lehren sei die Aufgabe, die er sich gesetzt habe. Allein seinen Schriften sei die Tradition nur ein Tradirtes, nicht ein Empfangenes, die Ersten, die es tradirt, hatten cs erforscht und erfunden, das iss leugne er nicht, wohl aber das f>sp, das "ree nun bzp ntws, und selbst das -ec sei ihm erst von den rfcrm ne» nejx an eine buchstäbliche Wahrheit, selbst die Propheten hatten noch nichts den Männern der 8. m. zu „überliefern," selbst das: :rt:s 'vixb mce d’X’zj*, bemerkt er im Programm der Eröffnung des Seminars S. 5 vorsichtig, heiße nur:die "tuzx traten an die Stelle der Propheten. Die von den Propheten zu lösende Aufgabe war zu Ende, fortan begann die Wirksamkeit der yn::sf die Das schufen, was von da an den späteren Geschlechtern tradirt wurde. Mit ihnen beginnt d a s Z e i t a l t e r derForschung, der Erforschung des Gesetzes. Und wenn Herr F. versichere, er habe das hohe Alter der Mischna Nachweisen wollen — wem sei es denn je eingefallen, dem Inhalte der Mischna, der Halacha ein jüngeres Alter als die Zeiten der;"n:ex, der Hilleliden und der späteren Thanaim anzuweisen! Seine Scheidung aber zwischen „Dogma" und Wissenschaft gebe dem, was er Dogma nenne, den vollendeten Todesstoß. Es gibt nurEineWahrh eit. Was „dogmatisch" wahr ist, muß es auch für die Wissenschaft sein, und was die Wissenschaft als Lüge und Täuschung vernichtet, das kann nicht dogmatisch als Wahrheit auferstehen. Wenn mich die Wissenschaft lehrt : menschliche Forschung und menschliche Erfindung hat die Halacha erzeugt, so kann mich kein Dogma dahin bringen. Das als uraltes, von Gott gesprochenes Diktat zu verehren und von ihm mein ganzes Leben in conkretester Thatsächlichkeit beherrschen zu lassen, was mich der wissenschaftliche Gedanke als junges Menschenwerk erkennen läßt. Die Unmündigkeit drr Vernunft proclamiren diese Herren, die sich als die Großpächter der Wissenschaftlichkeit geriren, für den hellen Geist des Judenthums und schmuggeln zu ihrer Defensive eine Scheidung ein, die der Wissenschaft des Judenthums fremd ist. Der jüdische Gedanke kennt keine solche Scheidung von Glauben und Wissenschaft. Das jüdische „Dogma" lehrt keine logisch unconstruirbaren Mysterien, die vor ) % fl. C. S. 437 ff.

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