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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXTPI Jahrgang. Erste Mage M M14 des „Israelit". Leitender Artikel. Slmstn Rüphoel HIrslh und die Isrukliiislhk NkllgiouszestüsAN zuFmksiM r.W. Von Director Dr. Mendel Hirsch. XXIV. So brach der Sturm denn los. Voran die damaligen Hörer. Sie traten für ihren schweigsamen Meister in die Schranken und ließen ihre Erklärung auch als Inserat in politischen Zeitungen erscheinen. Die bedauernswerthen Jünglinge „erklärten" freilich nich t, daß der Standpunkt nicht richtig gezeichnet sei und daß ihr Meister sie vielmehr den göttlichen llrsprung der mündlichen Ueberlieferung lehre. Dafür aber „erklären" und „bedauern" sie und werfen mit Feinheiten wie „Finsterniß" und „Gemeinheit" um sich und suchen S. R. H. vor dem jüdischen und christlichen Leserkreise zu oiscreditiren, indem sie mit eiserner Stirn die Verdächtigung aussprechen, sie „fänden es zu bedauern, daß Herr Samson Raphael Hirsch es wage, den Stellvertreter Gottes zu spielen und nach eigenem Ermessen Seligkeit und Verdammniß zu decretiren!!" — Das bezog sich offenbar darauf, daß in dem erwähnten Sendschreiben Gottlieb Fischers einige Aussprüche aus dem Talmud und aus Maimonides über die religionsgesetzliche Beurtheilung der Leugnung der Tradition dem Standpunkte der Hodegetik gegenüber angeführt waren, die jungen Herren aber hielten, wie H. ihnen treffend entgegenhielt, dieses von der Judenheit unserer Gesanrmtvergangenheit mit Ausnahme der Sadducäer und Karäer allgemein anerkannte Princip für eine ganz fremde, individuelle, „Hirsch'sche" Auffaffung des Judenthums und — bestätigten damit in eklatantester Weise seine Worte. Ein anderer Herr, der den obenerwähnten Dominikaner-Aufruf erließ, hatte seinerseits die Stirn zu behaupten, H. trete allen geistigen Produkten und wissenschaftlichen Bestrebungen innerhalb des Judenrhums „mit den unwürdigsten Schmähungen (!) entgegen, bewähre sich „als Werkzeug der in anderen Kreisen sich bewegenden ultramontanen und pietistischen Richtungen," stelle die jüdische Religion „im Lichte des höheren Blödsinns" dar, „verpöne alle religionswissenschaftliche Forschung" rc. :c. . An dieser Stelle möchte ich doch .ejne Reminiseenz itt- Parenthese einstechten. Der Fall ist insofern typisch, als er zeigt, wie wenig Jntereffe diese Kämpen der „Wissenschaft" in Wirklichkeit an der Sache der wissenschaftlichen Wahrheit nahmen. Derselbe Herr, der hier den Mund so voll nahm von wissenschaftlichen Bestrebungen und Geiftesprodukten, die H. angeblich mit den unwürdigsten Schmähungen verfolge, war ihm einige Jahre zuvor in Ostende am Strande begegnet. Es war gerade zu der Zeit, als die Artikel über Gr ätz erschienen waren. „Aber, verehrter Herr Rabbiner, was hat Ihnen eigentlich Grätz gethan? Wir wissen ja Alle, daß Sie Recht haben, und daß fein Buch gar keinen wissenschaftlichen Werth hat! Warum schreiben Sie so viel über sein Buch? Was haben Sie denn gegen ihn?" — Für ein Interesse an der Sache gar kein Verständniß! Alles nur aus persönlicher Gehässigkeit. Nur Neid oder Rache konnte S. R. H. nach der Meinung dieses Solen die Feder zu einer solchen Widerlegung in die Hand gedrückt haben. S. R. H. konnte sich in die Jämmerlichkeit solcher Gesinnung gar nicht hineinversetzen, und tief betrübend war der Eindruck, den jene Aeußerung auf ihn machte. — Dem großen Publikum aber wurden diese wissenschaftlichen Widerlegungen, deren Nichtigkeit man selbst anerkannt hatte, nunmehr als „unwürdige Schmähungen" vorgeführt! Dem Herrn, der in dieser Weise dafür wirkte, daß „der Geist der Eckenntniß und der Ehrfurcht wieder Israel erfülle", schloß sich ein wackerer Gesinnungsgenosse an, ein anderer Herr aus dem Elbathen, und damit begann dann das erwähnte, wohlorganisirte Haberfeldtreiben in der ganzen Presse der Neologie. Samson Raphael Hirsch wartete ruhig das Erscheinen des Märzheftes der Zeitschrift des Dr. Frankel ab, um diesem erst Gelegenheit zu geben, sich auf die im Jrnuar- und Februarhefte des Jeschurun enthaltene Besprechung zu äußern. Er glaubte, wie er in seiner Erwiderung aussprach, erst abwarten zu müssen, ob Herr Frankel in seinem Märzhefte ehrenhast wie ein Mann für seine Sache in die Schranken treten, oder stillschweigend die Schmach adoptiren würde, mit welcher Jünger und Freunde für ihn, nicht die blanke Waffe des Geistes und der Wissenschaft, sondern den rohen Knüttel betrunkener Pöbelhaftigkeit gezogen, und ob er in den Keulenschlägen und Anwürfen seiner Trabanten auf H.'s Person die entsprechende, — weil einzig mö gliche — Vertheidi gung seiner Sache erblicke. Herr F. schwieg^lS(1dtlum war es; än Samson - MphaelchivfchMbveWilnig'zu Halten und au« diesem Schweigen und jenem Lärmen das Resultat zu ziehen. Er

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