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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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266 lichen Abgrund des Verderbens stürzest, wie es... leider, leider bei Deiner Mutter . . . Nein, nein. . bei . . . Anderen. . .'." Ein heftiger Brustkrampf hemmte den Kranken weiter zu sprechen. Der Knabe, dessen Augen wie gebannt an den Lippen seines Vaters hingen, sprang entsetzt auf. Hastig griff er nach der Medizinflasche, goß von ihrem Inhalt einen Löffel voll und reichte ihn dem Kranken, der den Trank mit Gier schlürfte. Die Gewalt des Krampfes verlor sich wieder, und der Leidende fing freier zu athmen an. Ein Seufzer der Erleichtentng entrang sich Alfreds Brust. Er ergriff die matt herabbängende Hand und bedeckte sie mit heißen, glühenden Küssen. „Mein Vater, mein lieber Vater!" — flüsterte er und eine Erregung zitterte in seiner Stimme. „Habe Dank für Deine Belehrung. Ach, wie stärken mich Deine Worte! Wie mächtig bewegen sie mein Gemüth und wie überbrücken sie den schauerlichen Abgrund meiner Leiden. Ach, wild und glühend heiß jagte mein Blut durch die Adern, und die Saiten meines Herzens drohten zu zerspringen vor dem Sturm meines Innern, als ich so jeden Tag die Zielscheibe des Spottes meiner Mitschüler war! Ich bin nicht der Unbefähigste in meiner Klasse, auch die Lehrer mögen mir wohl; aber meine Mitschüler, namentlich die jüdischen, häufen Schimpf und Schande auf mein Haupt — Welches Verbrechen habe ich begangen, — mußte ich mich stets fragen — daß man mich ungestraft so verhöhnen und verachten darf? Warum nennen sie mich ein auf^elesenes Kind, da ich doch, eben so gut wie sie, Vater und Mutter habe? Ach zuerst kannte ich die schreckliche Bedeutung ihrer Worte nicht, bis meine Peiniger, um mein Elend voll zu machen, mir die Erklärung ihrer Schmähung gaben. Doch wie verstandest Du, mein Vater, den in mir tobenden Zorn zu beschwichtigen, meine Verzweiflung zu lindern! — Aber warum, lieber Vater, weigertest Du Dich beständig, mir Auskunft zu geben über meine Mutter, die Du mich verehren und lieben gelehrt hattest? Oder," wallte der Knabe leidenschaftlich auf, „sollten sie doch die 'Wahrheit reden? War es nicht eine Anklage gegen meine Mutier, die Dir vorhin auf der Zunge schwebte, und die Dit mühsam niedergerungen?" Die Wangen des Knaben glühten, seine Augen rollten in wildem, düsterem Glanze, mtb seine Brust hob sich keuchend. „Sag' Vater!" fuhr er mit lauter Stimme fort, indem er ein Bild von der Wand herunterriß, welches den Kopf einer noch jungen, wunderbar schönen Frau darstellte. — „Sag' Vater! Welches Verbrechen hat dieses schöne Engelgesicht, aus welchenr so viel Güte und Milde hervorleuchtet, begangen? Sage mir ihre Schuld, wenn Du es vermagst! — Ich werde niemals an ihrer Reinheit zweifeln können! — Ach, wenn Du mich liebst, gieb mir doch endlich Wahrheit über meine Mutter!" — Der Knabe hatte die letzten Worte mit wilder Erregung gesprochen, und sein ganzer Körper zitterte wie Espenlaub. Er war von seinem Sitze aufgesprungen und hielt das Bild mit flehender und drohender Gebärde dem Kranken vor's Gesicht, als sollten die bezaubernd schönen Züge, das sanfte, schwermüthige Lächeln, das um den edelgeformten Mund jenes Weibes schwebte, jede Anklage schon im Keime ertödten. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per Kuchhav-et verkehrt kvrch € Ktrivacker, Letpffg, Roßplatz 16. — Inserate 2o Pfennig die 4spaltige Petitzelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öfterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenben. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingesandten Mannseripten findet nicht statt, man bittet de»halb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Zum hundertjährigen Geburtstag des deutschen Heldcnkaisers Wilhelm I. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wiesbaden. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Neupest. Prag. Preßburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. Inhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgcsellschast zu Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Stuttgart. Metz. Oesterr.- Ungar.Monarchie: Budapest. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Vom Sinai zum Karmel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Worms. Türkei: Constantinopel. Palästina: Saida. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz—Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen

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