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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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265 Meilen von Ritawell cti(fcvntcit Schlosse des Fürsten. Alle Bemühungen der Eltern, ihre Tochter zurückzubckonnnen, sind bis jetzt erfolglos gewesen, der Fürst hat ihnen nicht einlnal gestattet, ihr Kind *tt sehen und zu sprechen. Als Grund der Entführung gibt Fürst Oginski an, er beabsichtige, das Mädchen — römisch-katolisck taufen zu lassen. Eine Anzeige der Eltern bei der Polizei ist ohne Ergebniß geblieben. New Port Als 2lntmort auf die Bebauptung eines hiesigen Blattes, daß Sonnenthal ein Ehrist sei, neössentlicht ein anderes Blatt folgenden Tories des großen Künstlers: Sehr geehrter Herr! Wollen Sie dem betreffenden Journal in me'nein Namcir sagen, daß ich nie und zu seiner Zeit daran gedacht habe, meinen jüdischen Glauben abzuschwören und brs an mein Lebensende auch nie daran denken werde. Hochachtungsvoll A. Sonnenthal. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. Bon Maurice Ma^on ). „Ist die Nacht schön, lieber Alfreds" „Ja, sie ist sehr schön, lieber Papa". „So öffne das Fenster, mein Sohn, danrit ich die würzige Abendluft einathme, und mich noch einmal an dem schönen Mondlichte ergötze! Weiter, — bitte weiter, so . . . "Nun tritt näher, mein liebes Kind . . . noch näher . . . aus dem Schattell, damit ich Dein liebes Gesicht schauen kann. . . . So. Jetzt höre auch aufmerksam aus die Worte Deines Vaters! Es sind seine letzten. . . Hörst Du? — seine letzten Worte." Das milde Licht des Mondes strömte durch das geöffnete Fenster und iiberfluthete mit seinen! fahlen Schein die armselige Ausstattung eines kleinen, engen Zimmers. Die wenigen Gegenstände, welche, in demselben aufgestellt waren, würden kaum beachtenswerth erscheinen, zeichneten sie sich nicht durch musterhafte Sauberkeit aus. Mitten im Zimmer war eine Bettlade aufgestellt, in welcher wir die Gestalt eines Mannes erblicken, der über das mittlere Alter noch nicht ganz hinaus war. Die erdfahle Bläffe seines Angesichts und die unverkennbaren Zeichen des herannahcnden Todes vermochten die Spuren der einstigen Schönheit und Intelligenz der Züge nicht ganz zu verwischen. Die hohe bleiche Denkerftirne, die kühngeschwungene Adlernase, der feingeschnittene Mund, um den es schmerzhaft zuckte, zeigten deutlich, wie wenig dieser Mann in jene düstere Umgebung der Armuth und des Elends hineinpaßte. Neben diesem Bette auf einem Stuhle kauerte die schlanke Gestalt eines Knaben von sechzehn bis *) Diese Erzählung wird nach erfolgtem Abdruck im „Israelit" in Buchform in unserem Verlag erscheinen. . .. Red. d. Jsr. siebzehn Jahren. Sein Antlitz war fast ebenso bleich, wie das des Kranken, nur die kirschrothen Lippen zeigten, daß die Farbe keine krankhafte war. In seinen großen, träunrerischen braunen Augen glühte ein düsteres, wildes Feuer, das dem ohnehin blaffen Gesichte bei dein falben Mondschein ein geisterhaftes Aussehen verlieh. Der starre, fast harte Ausdruck seiner ausgeprägten Züge, wie die schmerzlichen Linien unr Mund und Stirn sprachen von einem tiefen Weh, welches der Knabe schon in diesem zarten Alter erfahren, das seinen Verstand früh gereift und ihm über Dinge nachzudenken Anlaß gegeben, über welche das kindliche Gemüth sonst unbewußt hinwegschreitet. „Armes, arines, verlassenes und heimathloses Kind!" — murmelte der Leidende tiefbewegt. „Was soll aus Dir werden, wenn sich meine Augen zum ewigen Schlafe schließen? Wer soll für Dich sorgen? Wer Deine Erziehung leiten?" „O mein Gott!" — fuhr der Kranke fort und streckte seine Hände zum Gebete gegen den Himmel empor. —■ „Du Vater der Waisen, Versorger und Hüter des ganzen Alls! beschütze dieses anne Kind und laß es nicht für die Schuld seiner Eltern leiden!" „Sprich nicht so, lieber Papa!" schluchzte Alfred, indem er sein thränenüberströmtes Antlitz dem Fenster zuwandtc. „Du thust mir weh durch solche Reden! Du wirst genesen und weiter für den armen Alfred sorgen, dem Du ein guter Vater warst. Der liebe Gott darf Dich mir nicht entreißen, wenn ich an ihn glauben und weiter zu ihm beten soll!" — Mit sprachlosem Entsetzen richtete sich der Kranke von seinem Lager auf. „Ihr Blut, ganz ihre lästerlichen Reden!" rang es sich gleich einem Röcheln aus seiner kranken Brust, und wie gebrochen sank sein Haupt auf's Lager zurück. „Habe ich Dich verletzt, lieber Papa?" — frug Alfred besorgt und ergriff mit flehender Geberde die Hand des Sterbenden. „O, dann verzeihe meiner Unbesonnenheit!" „Nicht doch, liebes Kind!" entgegnete der Kranke mit schmerzlichem Lächeln. „Du hast mich nicht verletzt. Aber lästerliche Reden darf ein gutes jüdisches Kind nicht führen! Wie durftest Du den Glauben an Gott von der Erfüllung Deiner Wünsche abhängig machen? ... Ich habe Dich doch immer gelehrt, daß es die höchste Pflicht eines Juden sei, auch in dem scheinbaren Uebel die Wahrheit, die Güte und Vollkommenheit Gottes zu erblicken . . . Auch solche Leiden, die uns in ein Meer von Jammer und Elend stürzen, sind ein Glück für uns, weil sie die Gottesherolde sind, die unser Herz zu Ihm lenken und uns mit dem Gedanken an Ihn erfüllen. Hüte Dich daher, lieber Al/red, .daß Dein Glaube nicht, erschüttert ftlÄ/ btintit 'Du nicht in einen schauer-

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