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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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264 Frauenverein sein 25jähriges Gründungsfest. Dieses wurde durch einen feierlichen Gottesdienst, Nachmittags 3 Uhr verherrlicht. Der Tempel wurde aufs glänzendste dekorirt und füllte sich schon vor der festgesetzten Zen mit Festgästen, wo die musterhafte Ordnung und das gelunge Arrangement ein Verdienst des Herrn Dr. Felix Steinhardt war. Um 3 Uhr cröffnete der hier seit 12 Jahren wirkende und allgemein beliebte Oberkantor Herr Jacob Weiß mit einem aus diesem Anlaß componirten „M a T o w u" den Gottesdienst; nachher bestieg Ehrwürden Herr Oberrabbiner die Kanzel und hielt eine gediegene dem Festtage entsprechende und dem lauschenden Publikum zu Gcmüthe gehende Festrede. Die Predigt und der weihevolle Gesang verfehlten nicht die Wirkung aus das zartfühlende Frauenherz der Vereinsmitglieder und aller Besucher des Tempels auszuüben. Dem folgte dann die Festsitzung in den Räumlichkeiten des Literaturoereins, wo die Präsidentin die Festoersammlung eröffnete und der Rechenschaftsbericht über 25jährige Wirksamkeit des Vereins verlesen wurde; unter andern wurde auch zur Verständigung der Generalversammlung gebracht, daß der Verein ein Mädchenwaisenhaus erbauen werde und zu diesem Zwecke die Cultus-Gemeinde eine 100 fl.-Stifung und das Ehepaar Hermann und Rosa Friedmann eine 500 fl. - Stiftung machten. Alles war erfreut über den angenehmen Verlauf dieses fröhlichen Festes. Prag, 17. Februar. Durch das Hinscheiden des Chefs der Exportfirma David I. Jeiteles, des Herrn David Jeiteles, wurde die gesammte Prager Judengemeinde in tiefste Trauer versetzt. Wenn es überhaupt zu den Möglichkeiten gehört, daß ein Mensch alle guten Eigenschaften in sich vereinigt so kann man das von dem Verblichenen behaupten. Gottergebenheit, Frömmigkeit, strengstes Rechtlichkxitsgefühl, ein offenes Herz und eine offene Hand für jeden Bedürftigen, das waren die Leitfäden, die sich durch sein gutes Thun und Handeln in allen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten zogen. So war es denn auch kein Wunder, wenn die aus diesen Eigenschaften hervorgehenden Consequenzen, allgemeinste Beliebtheit, Werthschätzung und Hochachtung bei dem am letzten Freitag stattgehabten Leichenbegängniß in einer geradezu erhebenden Antheilnahme zum Ausdruck kam. Schon viele Jahre hat wohl unsere Stadt ein ähnliches Leichenbegängniß nicht gesehen, das in seiner Veranstaltung so einfach und schlicht war, und sich nur durch die massenhafte Betheiligung so imposant gestaltete. Der einfachste, schmuckloseste Leichenwagen, die Rabbiner nicht im Ornate — Alles auf eigenen, Wunsch des Verblichene^ — und hinter diesem, fast möchte man sa«ftn''ÄiÄÜÄM^vnduct, den sich der Dahingeschiedene in seiner Hochherzigkeit und Bescheidenheit selbst angeordnet hatte, um, wie eres bei Lebzeiten gethan, auch im Tode zu e. kennen zu geben, daß er nicht mehr sei, als jever andere Mensch — hinter diesem Conduct eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge, in der ausnahmslos Alles, was sich in Prag noch als zur jüdischen Gemeinde gehörig rechnet, vertreten war. Es folgten dem Sarge Seine Ehrwürden der Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Feldprediger Dr. K-sch, die Rabbiner Dr. Hirsch (Karolincnthal), Back (Smichow) und alle anderen in Prag wohnhaften Rabbiner, die Cultusgemeinde-N.pl äsentanz mit dem Präses Dr. Arnold Nosenbacher und dem Präses-Stellvertreter Dr. Bendiener, die Vorstände sämmtlicher Prager Synagogen und aller Humanitären Vereine, zahlreiche Kaufleute und eine große Schaar armer Leute, die in dem Verblichenen den Verlust eines stets hilfsbereiten, großherzigen Wohllhüters beklagen. Der Leichenzug wurde aus Pietät für der Verblichenen vor dem israel. Rallchause vorüber durch die ganze Judenstadl geführt. In der Ceremonienhalle des neuen israel. Friedhofes widmete der Obmann der Beerdigungs-Brüderschaft Herr David Lieben und der Schwiegersohn des Verblichenen Herr Gabriel Lieben, dem Dahingeschiedenen tiefempfundene, die ganze Trauerversammlung zu Thränen rührende Nachrufe — Grabreden seitens der Seelsorger hatte sich der Verstorbene verbeten — worauf der Sarg zur ewigen Ruhe beigesetzt wurde. Pretzburg, io. Februar. Sie haben bereits vor einigen Wochen von dem Hinscheiden des berühmten orthodoxen Rabbiners spr nie px;n m p*po >"k berichtet. Der Tod aber hält weiter seine reiche Ernte unter den großen llngarns. Leider ist auch der Bruder des Vorgenannten, der sowohl wegen seiner Frönimigkeit und großen Gelehrsamkeit in weiten Kreisen bekannte Rabbiner zu M. Csüth ’-X rr.o p.xn crsj;;s?B gestorben. Am nom 's beendigte er seine irdische Laufbahn im Alter von 72 Jahren. Diese traurigen Todesfälle riefen große Trauer hervor. Diese zwei Brüder, die in so kurzer Zeit aus dem Leben geschieden sind, zählten zu den Großen in Ungarn. Zur '*rn waren von Nah und Fern an 40 Rabbiner herbeigeeilt, um dem berühmten Manne die letzte Ehre zu geben. rrssar. Vermischtes. Memel Eine eigcnthümliche (^ntführungsgeschichte hat sich vor kurzer Zeit in dem russischen Grenzstädtchen Ritawen abgespielt. Dem „Memeler Dampfboot" wird darüber Folgendes berichtet: „Vor etwa 14 Tagen wurde zur Nachtzeit die minderjährige, 17 Jahre alte Tochter „Sieche" des israelitischen Landwirths Malamit in Ritawcn von Dienern des Fürsten Qginski-Mwrven aus ihrem elterlichen Hause entführt. Wie sich jetzt herausgestellt hat, befindet sich das junge, bildhübsche Mädchen seit jener Zeit auf dem l1/*

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