Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448720--43412-2492460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 der Steuerzuschläge zur Einkommensteuer zu Gunsten des Realsteuer-Erlasses Protest bei der Kgl. Negierung eingelegt werden würde. Auch wurde von einer Seite geltend gemacht, daß es im Interesse des Zuzuges nach Wiesbaden wünschcnswerlh sei, den Kultusfteuersatz so niedrig als möglich zu gestalten. Nachdem noch von dem Rendanten, Herrn Benedikt Straus, eine statistische Uebersicht über die Kultussteuerbeträge der verschiedenen Kategorieen der Steuerpflichtigen sowohl nach dem jetzigen, als nach dem, im Falle des Erlasies der Realsteuerzuschläge, zukünftig zu erhebenden Steuersatz mitgetheilt und in Aussicht gestellt wurde, daß für das nächstjährige Budget durch den günstigen diesjährigen Rechnungsabschluß die Kultussteuer ohnehin wahrscheinlich um etwa 5 pCt. herabgesetzt werden könnte, wurde schließlich eine Resolution des Herrn Gustav Pfeiffer durch Stimmenmehrheit angenommen, welche folgendermaßen lautet: „Die heutige Gemeindeversammlung ersucht den Vorstand, in Rücksicht auf den Ueberschuß der Rechnung von 1896/97 für das Steuerjahr 1897/98 probeweise die Stenern derart zu beiheilen, daß, ohne Erhöhung des Zuschlages von 40 pCt. auf die Einkommensteuer, die Zuschläge auf die Gebäude- und Gewerbesteuer so weit als thunlich unter diesem Satze veranlagt und erhoben werden. Zugleich ersucht die Gemeindeversammlung den Vorstand nochmals dringend, weitere Schritte zu thun, damit wir endlich eine den Bedürfniffen der Jetztzeit entsprechende Gemeindeverfaffung erhallen." O esterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 14. Febr. Den israelitischen Waisenkindern war von der antisemitischen Mehrheit des niederösterreichischen Landtages, wie wir gemeldet haben, die jährliche Subvention von 200 (zweihundert) Gulden verweigert worden. Der Ekel, den dieser Beschluß in jedem anständig denkenden Menschen Hervorrufen muß, wird etwas gemildert durch den Erfolg, den das neueste Heldenstück der Wiener Antisemiten gezeitigt hat. Freiherr o. Chlumecky hat an den Präsidenten des Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der Wiener israelitischen Eultusgemeinde, David Ritter v. Gutmann, nachfolgendes Schreiben gerichtet: „In Folge des tief bedauerlichen Beschlusses des niederösterreichischen Landtages vom 5. d. M., durch welchen unschuldigen, armen Waisenkindern aus confessioneller Intoleranz eine bisher gewährte Unterstützung aus Landesmitteln entzogen wurde, sehe ich mich veranlaßt, einen bescheidenden Betrag (50 G.) für den humanen Zweck des unter Ihrer Leitung stehenden Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Eultusgemeinde mit dem Ersuchen, um Uebersendung der Vercinsstatuten und mit dem Wunsche beizuschließen, daß Aehnliches von vielen meiner Glaubensgenoffen geschehen möge. Chlumecky." Herrenhausmilglied Nikolaus Dumba übersandte 200 Gulden mit nachfolgenden Zeilen: „Indem ich den in der gestrigen Sitzung des niederösterreichischen Landtages gefaßten Beschluß tief bedauere, übersende ich anliegend den Betrag von 200 Gulden und unterzeichne hochachtungsroll Nicolaus Dumba". Auch von anderer Seite sind außerordentliche Spenden eingegangen. H. W. Neupest, 8. Febr. Am 14. v. M. beging ein würdiges, allgemein geachtetes und verdienstvolles Ehepaar, Herr Hermann Friedmann und seine liebenswürdige Gattin Frau Rosa, geb. Deutsch das Fest ihrer 25jährigen glücklichen Ehe. Was Herr Friedmann in und für Neupest gewirkt und geleistet hat, beweist die allgemeine freudige Theilnahme an diesem Festtag seitens der hiesigen Bevölkerung aller Schichten, alle fanden sich an diesem Ehrentag ein, um ihre Gratulation auszudrücken. Die Gratulanten begnügten sich nicht dies blos durch Worte zu thun, sondern wetteiferten miteinander, wer ein schöneres Angebinde geben könnte. Es erschienen Sr. Ehrw. Herr Dr. L. Venetianer, Oberrabbiner, und Herr Gemeinde-Präses Moritz Weiß um im Namen der Eultusgemeinde zu gratuliren, denn in Herrn F. hatte sie einen langjährigen Präses. Was er als solcher geschaffen, verkündet der prachtvolle Tempel; denn er war es, der die langjährige schwierige Tempelfrage zur Ehre Gottes und zur Zierde der Gemeinde löste; auch führte er die heute mustergiltige Administration mit Hilfe des tüchtigen und strebsamen Gemeinde- Sekretärs Herrn Eduard Ziffer ein. Es erschienen Abordnungen der Chewra-Kadischa, deren langjähriges eifriges Vorstands-Mitglied Herr F. ist; der Frauen- Verein sandte eine Deputation zur Begrüßung und Gratulation ihrer eifrigen, thätigen und umsichtigen Präsidentin, ein prachtvolles Geschenk, von den Vereinsmitgliedern gekauft, überreichend. Dieses Ehrenamt hat Frau F. schon zum zweiten Male inne. Zur Erinnerung an diesen glücklichen Tag spendete das Jubelpaar dem Frauen-Verein fl. 500 zum Gründungsfonde des Mävchenwaisenhauses. Die Stadtgemeinde sandte durch den Richter und Notar ihre Glückwünsche; Herr Friedmann war seit langen Jahren als Repräsentant stets für das Wohl der Stadt mit all seinem Können und Wollen eifrigst bemüht. Die hiesige Handels- und Gewerbebank und der mit ihr im engsten Zusammenhänge stehende „S e löst Hilfe verci n", deren Gründer F. ist, gaben ihrer Anerkennung dadurch Ausdruck, daß sie ihm durch den Direktionsrathein paffendes, verdientes Ehrengeschenk überreichen ließen, worin eine sinnige Widmung angebracht war. — Am 19. d. feierte, wie bereits früher kurz berichtet, der hiesige isr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.