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Der Israelit · 1897-02-18 · Heft 14 (18.2.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 14 (18.2.1897)
Date
1897-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'i^Mgy." I 111 ’"’i"iP i l n iH|i| ('frirr-T-n li 261 „Dem Vorbilde meiner erhabenen Ahnherrn folgend, werde Ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in meinem Lande beider freien Ausübung ihres Glaubens meinen Königlichen Schutz angedeihcn zu lassen." Unsere Kaiser sind mit ihren Prinzipien und Gesinnungen so innig verwachsen, daß man nicht jene feiern und diese verkennen kann. Wenn Deutschland daher den Tag feiert, an dem ihm sein erster Kaiser vor hundert Jahren geboren wurde, so feiert cs auch die Ideen und Anschauungen, deren Realistrung es diesem seinem Fürsten verdankt. Und wenn selbst mit dem Feste diese Festesstiinmung schwände und den kaum verrauschten Festklängen wieder das Kampsgetümmel der Kämpfenden folgte, dieser Tag, diese Stunde, in welcher alle ein Gedanke belebt, ein Wunsch erfüllt, eine Sehnsucht ergriffen hat, sie sind und bleiben noch Zeuge und Bürge dafür, daß dieses Ideal kein utopischer Traum bleiben, daß es früher oder später seine Verwirklichung finden wird. Hundert Jahre! Welch langer Zeitraum, wenn man ein kurzes, dahineilendes Menschenleben als Maßstab daran legt, und welch kurzer Zeitraum im uferlosen Meere der Ewigkeit! Wenn es unseren Vätern und Großvätern, welche am Anfang dieses Jahrhunderts lebten, vergönnt wäre, einen Blick in unsere, freie, lichte Zeit zu werfen, welche die Freiheit, (Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen aus ihr siegreiches Banner geschrieben! Sie würden den Antheil unseres in Gott ruhenden Kaisers zu würdigen wissen, an dem gewaltigen Umschwung der Dittge, der sich seit dem Anfänge bis zum Ende dieses Jahrhunderts vollzogen hat! Wie würden vor ihrem verklärten Blick alle Unvollkommenheilen, die unserer Zeit noch anhaften, als kleine Fleckeil und winzige Mängel verschwinden! Wie würden sie Gottes, die Menschheit erziehende Wallung anstaunen, von deren Hand die Königsherzen geleitet werden, um der ganzen Zeit Gepräge und Richtung zu verleihen! Und wie würden sie sich glücklich schätzen zu den Manen eines Fürsten emporblicken zu können, der sich im Dienste dieser Gottesziele stehend begriffen hat, der nicht sich, der Gott die Ehre für alles das zuerkannte, was ihm während seiner reich gesegneten irdischen Wirksamkeit zu erreichen vergönnt war. Wohl war der Verklärte einer der Weisesten, der Heldenmüthigsten und der Reichsten nicht nur seiner Zeit, sondern aller Zeiten. Aber es hat sich der Weise nie seiner Weisheit, der Starke nie feiner Stärke und der Reiche nie seines Reichthums gerühmt. Sondern er . hat .mit diesen Ihm vom König der Könige verliehenen Gaben sich im Dienste Gottes begriffen und es oft, besonders in den schweren Jahren des großen letzten Kriegs in atfeu Variationen ausgesprochen : „Dir o Gott ist die Größe, die Macht, die Herrlichkeit, der Sieg und die Majestät, denn alles ist Dein im Himmel und auf Erden." Je weniger daher der Weise, der Held, der Reiche sich selber rühmen soll, um so lauter ertönt sein Preis, wenn diese Weisheit, dieses Heldenthum und dieser Reichthum zur Erkenntniß Gottes führen und seiner Waltung auf Erden dienen, wenn die irdische Majestät in Wirklichkeit ein treuer Abglanz der himntlischen ist, wenn sie wie ihr göttliches Vorbild Gnade und Recht und Milde üben auf Erden. Das hat der hochselige Kaiser in einer Weise gethan, die ihm die bewundernde Anerkennung der Nachwelt für alle Zeiten sichert. Er war ein Weiser und war ein Held! Selten findet sich sonst diese Weisheit des Geistes vereint mit materieller Macht in einer Weise verbunden, wie es bei diesem Monarchen der Fall war. Aber, daß diese Vorzüge auch der Wohlsarth seiner Staaten und ihrer friedlichen Entwickelung zu Gute kam, das rührt von seinem Reichthum her. Reich nennen unsere Weisen denjenigen, der sich mit dem ihm beschiedenen Theile freut, der mit dem, was er besitzt, zufrieden ist. Ein Weiser, ein Held, der nicht reich, der nicht zufrieden ist, der seine geistige und körperliche Ueberlegenheit zur Befriedigung ländergieriger Eroberüngsgelüste mißbraucht, ist eine Geißel für die Menschheit. Wiederholt war unser Heldenkaiser genöthigt das Schwert zu ziehen, aber er hat es immer nur widerwillig, der Rothwendigkeit folgend gethan, und deshalb war der Gott der Schlachten auf seiner Seite, weil die Weisheit und der Reichthum der Zufriedenheit auf dieser Seite war. Deßhalb schicken sich die deutschen Stämme an, den Tag festlich zu begehen, der ihnen vor hundert Jahren diesen Fürsten geboren hat. Deshalb treten mit ihren Mitbürgern wir Juden an diesem Tage vor Gott mit der Bitte hin, daß das Gedächtniß des Gerechten seinem Volke zum Segen werde. Daß Gott um das Verdienst dieses seines treuen Dieners willen, unser theueres Vaterland segne, damit es an Macht und Größe, an Stärke und Freiheit zunehme und seine Wohlfahrt immer herrlicher blühe und gedeihe, daß Eintracht und Friede alle seine Bewohner umschlinge, zu ihrem eigenen Wohle und dem des theueren Vaterlandes. — Amen. Um in allen jüdischen Gemeinden eine möglichst gleichartige Feier dieses seltenen Festes zu ermöglichen, schlagen wir vor,,^den..Festakt dem Sabbat-r Gottesdienst am-'HO. März 'e'nr anzuschließen. Derselbe wird eingeleitet durch den Psalm 100, welcher vom Cantor gesungen wird. Es folgen dann die Psalmen: 2l, 24, 72. Dieselben werden vom

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